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Lebenslang sozial gestört Schimpansen sind keine Kuscheltiere

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Schimpansen fühlen sich mit ihresgleichen am wohlsten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie schmiegen sich an, tragen Kindersachen und äffen Mimiken nach: Schimpansen sind begehrte Haustiere - solange sie jung und niedlich sind. Das Aufwachsen in der Obhut von Menschen stört die Tiere jedoch nachhaltig.

Von Menschen aufgezogene Schimpansen verhalten sich oft auch nach jahrzehntelangem Zusammensein mit Artgenossen nicht wie bei ihren Müttern aufgewachsene Affen. Defizite gebe es etwa bei Fellpflege und Sexualverhalten, berichten US-Forscher im Fachjournal "PeerJ". Schimpansen seien sehr kluge und sensible Tiere. Das Ergebnis zeige, wie wichtig es sei, ihre Haltung als privates Kuscheltier oder als Show-Objekt zu hinterfragen.

Hani Freeman und Stephen Ross vom Lincoln Park Zoo in Chicago (US-Staat Illinois) hatten das Verhalten von 60 in Gruppen lebenden Schimpansen aus Zoos und Pflegestationen analysiert. 36 von ihnen waren zuvor als Haustier oder für Shows gehalten worden. Dafür gezüchtete Tiere werden ihren Müttern meist rasch nach der Geburt weggenommen, um sie früh an Menschen zu gewöhnen. Die Forscher werteten mehr als 1300 Stunden Beobachtungszeit aus. Sie setzten Verhaltensweisen wie Spielen und Flöhen in Beziehung dazu, wie häufig das jeweilige Tier in den ersten vier Lebensjahren Kontakt zu Menschen und zu Artgenossen hatte.

Defizite halten sich jahrzehntelang

Studien hatten zuvor mehrfach gezeigt, dass in Menschenobhut ohne Kontakt zu Artgenossen aufwachsende Affen oft Verhaltensauffälligkeiten entwickeln und in Gruppen mit ihresgleichen nur schwer klarkommen. Die Daten der 6 bis 54 Jahre alten Schimpansen ergaben nun, dass soziale Probleme bei ihnen über Jahrzehnte bestehenbleiben. Die Affen beteiligten sich zum Beispiel seltener an der gegenseitigen Fellpflege, einem für die sozialen Bindungen in der Gruppe entscheidenden Verhalten.

"Schimpansen sind unglaublich intelligente und sensible Tiere", wird Ross in einer Mitteilung des Zoos zitiert. "Ihnen in der entscheidenden Phase der Kindheit den Zugang zu Artgenossen zu verweigern, führt zu Verhaltensstörungen, die ein ganzes Leben lang anhalten." Selbst mit der bestmöglichen Betreuung sei es später mitunter kaum möglich, die Tiere in Gruppen mit Artgenossen zu integrieren.

Umso fragwürdiger sei es, dass es in den USA noch immer erlaubt sei, einen Schimpansen als Haustier oder für Shows zu nutzen, kritisieren die Forscher. Als Jungtiere säßen sie mit am Tisch und würden eingekleidet, groß und weniger niedlich geworden würden sie dann an Zoos und Auffangstationen abgeschoben. Dort aber kämen sie vielfach nicht gut mit ihren Artgenossen zurecht und fristeten ein isoliertes Dasein - bei einer Lebenserwartung von 40 oder in Einzelfällen sogar 60 Jahren.

In Deutschland ist die Privathaltung von Affen an Auflagen gekoppelt, generell verboten ist sie nicht.

Quelle: ntv.de, jze/dpa