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Warum rast sie nur so? Schnellste Ameise der Welt entdeckt

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Klein, aber schnell: die saharische Silberameise.

(Foto: Prof. Harald Wolf)

In der Wüste Nordafrikas untersuchen deutsche Forscher Ameisen, die in Windeseile über Sanddünen flitzen. Videoaufnahmen offenbaren, dass es sich wohl um die schnellste Ameisenart der Welt handelt. Die Forscher glauben auch zu wissen, was der Grund für die Eile ist.

In der brütenden Hitze der tunesischen Mittagssonne einen Sprint zu machen, klingt für die meisten Menschen wenig verlockend. Für eine besondere Ameisenart ist es jedoch überlebenswichtig. Denn während der heißen Tageszeit sucht sie in ihrem Lebensraum, der Wüste Nordafrikas und der Arabischen Halbinsel, nach Nahrung. Diese besteht aus Aas, meist bei Hitze verendete Insekten. Die saharische Silberameise (Cataglyphis bombycina) erreicht dabei Geschwindigkeiten, die alle anderen Ameisen in den Schatten stellen dürften, wie Forscher der Universität Ulm nun herausfanden.

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Keine Ameise ist schneller.

(Foto: Prof. Harald Wolf)

Die Wissenschaftler um den Leiter des Instituts für Neurobiologie, Harald Wolf, filmten nahe der tunesischen Oasenstadt Douz die Ameisen mit Videokameras, um ihrem Laufstil auf die Schliche zu kommen. Dabei maßen sie Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 0,855 Metern pro Sekunde, mit denen die Tiere über den mehr als 60 Grad Celsius heißen Sand wetzten, wie die Forscher im "Journal of Experimental Biology" berichten. Die Ameise legt in einer Sekunde 108 Mal eine Strecke entsprechend ihrer eigenen Körperlänge zurück. Das entspricht einer Geschwindigkeit von rund drei Kilometern je Stunde.

Das mag nicht nach viel klingen, aber auf menschliche Maßstäbe hochgerechnet ist es enorm: Ein Mensch müsste - umgerechnet auf unsere Beinlänge - mehr als 500 Kilometer pro Stunde schnell sein, um der Silberameise Paroli bieten zu können. Der Sprinter Usain Bolt schafft nicht mal ein Zehntel dieser Geschwindigkeit. Auch unter Insekten zählen die Silberameisen zu der Spitzengruppe. Schneller sind nur der Australische Sandläufer und eine Milbenart aus dem US-Bundesstaat Kalifornien. Letztere ist allerdings gleich drei Mal so schnell wie die Silberameise.

Erstaunlich ist, dass die flinken Tiere auch eine eng verwandte Ameisenart, Cataglyphis fortis, mit deutlich längeren Beinen abhängen. Den offensichtlichen Nachteil bei der Beinlänge müssen die Silberameisen durch einen besonderen Laufstil wettmachen, so die Forscher laut Mitteilung der Universität. Ihre Videoaufnahmen zeigten, dass die Silberameise in eine Art Galopp verfallen können, bei dem zeitweise keines ihrer Beine den Boden berührt. "Insgesamt zeigen die Silberameisen eine annähernd perfekte Koordination: Die drei zusammengehörigen Beine arbeiten beinahe synchron, wodurch die Körpermasse gleichmäßig verteilt wird", sagt Mitautorin Sarah Pfeffer.

Nicht im Sand versinken

Doch warum diese Eile? Die Ulmer Forscher vermuten, dass das schnelle Laufen am Lebensraum der Tier liegt. Da sie sich auf Sanddünen fortbewegen, müssten sie das Risiko minimieren, einzusinken. Die schnellen und perfekt koordinierten Bewegungen scheinen bei dieser Art von Untergrund von Vorteil zu sein. Die langbeinigere Art Cataglyphis fortis jedoch lebt in einer flachen Salztonebene - darum kann sie sich auch ein gemäßigteres Tempo erlauben als ihre eiligen Verwandten. 

Möglicherweise hat die hohe Laufgeschwindigkeit der Silberameise auch mit der Hitze des Sandes oder der Umgebungsluft zu tun. Denn wie sich herausstellte, liefen die Ameisen unter kühleren Bedingungen deutlich langsamer. Im nur zehn Grad Celsius kühlen Labor in Ulm schlenderten die Tiere geradezu und reduzierten ihr Tempo auf sechs Zentimeter pro Sekunde - oder gerade mal 0,2 Kilometer je Stunde.

Quelle: n-tv.de, kst

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