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Bestseller über weibliche Lust Sexual-Pionierin Shere Hite ist tot

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Shere Hite nahm 1996 die deutsche Staatsbürgerschaft an.

(Foto: imago images/Becker&Bredel)

Lange Zeit gilt der weibliche Orgasmus als Tabu. Die Sexualforscherin Shere Hite bringt das Thema in den 70er Jahren in den öffentlichen Diskurs. Ihr "Hite-Report" verkauft sich mehr als 50 Millionen Mal. Nun ist die Feministin im Alter von 77 Jahren in London gestorben.

Die für ihre Forschung zu weiblicher Lust bekannte Feministin Shere Hite ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Ihr Ehemann Paul Sullivan bestätigte dem britischen "Guardian" am Freitagabend den Tod seiner Frau am Mittwoch.

Mit ihrem "Hite Report", der sich rund 50 Millionen Mal verkaufte, zählt Hite zu den Pionierinnen der feministischen Sexualforschung. In den 70er Jahren machte die Geschichtsdoktorandin erstmals den weiblichen Orgasmus in der breiten Öffentlichkeit zum Thema.

Durch eine Befragung von mehreren Tausend Frauen fand sie heraus, dass viele das Eindringen eines Penis in die Vagina nicht unbedingt als zielführend empfanden, um einen Orgasmus zu erleben. Die Erkenntnis sorgte damals für Aufregung und Empörung und machte Hite international bekannt. Auch ihre Nachfolgebücher, etwa über die Sexualität des Mannes, wurden zu Bestsellern. Die Medien bezeichneten sie als "Sex-Guru".

"Sie startet mit einem Vorurteil und läuft mit einer Statistik ins Ziel"

Die im US-Bundesstaat Missouri geborene Soziologin hatte in jungen Jahren einmal nackt an einer Schreibmaschine für den "Playboy" posiert. Nach heftigen Protesten über die Bildunterschrift ("Die Maschine ist so schlau, dass sie es nicht sein muss"), denen sie sich auch selbst anschloss, wurde sie zu einer wichtigen Stimme des Feminismus.

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Immer wieder gab es auch Kritik an Hites Methodik. "Sie startet mit einem Vorurteil und läuft mit einer Statistik ins Ziel", titelte damals das "Time-Magazin". Die "New York Times" sprach von "soziologischer Science-Fiction". Denn Hite und ihre Helferinnen hatten einfach 100.000 Fragebögen verschickt, von denen gerade einmal gut 3000 zurückkamen. Darauf baute dann ihre Analyse auf.

Vor dem Medienrummel in ihrer Heimat floh Hite nach Europa. 1996 legte sie ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft ab und nahm die deutsche an, da sie 14 Jahre lang mit dem deutschen Pianisten Friedrich Höricke verheiratet war. Zudem hatte sie selbst deutsche Vorfahren. Hite lebte an verschiedenen Orten Europas, bevor sie sich mit ihrem zweiten Ehemann, Paul Sullivan, im Norden Londons niederließ. Dem "Guardian" zufolge soll die Soziologin an Alzheimer und Parkinson gelitten haben.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa