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Orgasmus-Erlebnis dank Kunyaza Kennen Sie diese afrikanische Liebeskunst?

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Kunyaza ist eine Art "afrikanisches Kamasutra".

(Foto: imago/Panthermedia)

Andere Länder, andere Sitten. Eine simple Tatsache, die auch beim Sex gilt. Unsere Kolumnistin über eine geheimnisvolle Liebespraktik aus einem Land, in dem der weibliche Orgasmus als heilig gilt.

Kuny... was? Was soll das sein? Schon wieder ein neuer Sex-Trend? Lieber LeserInnen, heute möchte ich Ihnen von einer afrikanischen Sexualpraktik berichten, die in Europa weitestgehend unbekannt ist, die Sie aber womöglich unwissend, dass es sich dabei um eine uralte afrikanische Liebeskunst handelt, vielleicht sogar schon mal in Ihr Liebesleben eingeflochten haben.

Bei Kunyaza, wörtlich übersetzt bedeutet das Wort so viel wie: jemanden "zum Urinieren bringen", handelt es sich um eine ganz besondere, "geheimnisvolle" Klopftechnik. Dabei gelangt die Frau nicht nur zum Orgasmus, sondern es kommt nicht selten vor, dass sie sogar squirtet. Squirten wird als weibliche Ejakulation bezeichnet, was definitiv nicht bedeutet, dass die Frau ins Bett nässt!

Lassen Sie mich, bevor ich darüber schreibe, wie genau Kunyaza funktioniert, einen kurzen Blick nach Ruanda werfen, die Herkunft dieser frauenfreundlichen Sexualpraktik. Das ostafrikanische Land gehörte bis Mitte der Neunzigerjahre zu den ärmsten Ländern der Welt, gebeutelt durch einen der schlimmsten Genozide der jüngeren Menschheitsgeschichte - dem Völkermord, bei dem radikale Hutu bis zu eine Million Tutsi ermordeten. Heute ist es verboten, zu sagen: Du bist ein Hutu oder du bist ein Tutsi. Man lebt die Versöhnung und ist einfach Ruander.

"Sex in Ruanda ist eine Lebensphilosophie"

Die "Zeit"-Journalistin und Autorin Barbara Achermann hat sich in ihrem Buch "Frauenwunderland: Die Erfolgsgeschichte von Ruanda" (Reclam 2018) mit dem Land beschäftigt, wie es heute ist. Dafür hat die Schweizerin vor allem mit den Frauen Ruandas gesprochen. Denn tatsächlich ist die positive Entwicklung des Landes (auch wirtschaftlich) vor allem ihnen zu verdanken.

Wir Europäer wissen wenig über die Frauenpower in Ruanda und anderen afrikanischen Ländern. So kommt in Achermanns Buch zum Beispiel die studierte Sexualwissenschaftlerin Vestine Dusabe zu Wort - eine berühmte Radiomoderatorin mit eigener Show, in der es auch um sexuelle Aufklärung geht. Ohne Vorwürfe zu machen, kritisiert Dusabe, Medien in Europa würden leider nur sehr wenig über die positive Entwicklung Ruandas berichten. In Europa klammere man sich halt eher "an das Bild des primitiven Afrikaners, der seine Frau unterdrückt".

In Ruanda, so die Sexualwissenschaftlerin, gäbe es keine Genitalverstümmlungen. Selbstverständlich sind diese Beschneidungen schrecklich, frauenverachtend und unmenschlich. Umso trauriger ist es, dass ausgerechnet die weibliche Genitalverstümmlung das "dominierende Narrativ über afrikanische Sexualität" sei. Denn "Sex in Ruanda", erklärt Dusabe, sei "eine Form der Kunst, eine Lebensphilosophie. (…) Der weibliche Orgasmus ist in Ruanda heilig." Dusabe ist Feministin mit Kämpferherz, die sich vor allem der Aufklärung über Kunyaza verschrieben hat - jener "geheimnisvollen", in Europa weitestgehend unbekannten vaginalen Klopftechnik.

Ein berauschendes Orgasmus-Erlebnis

Kunyaza ist eine Art "afrikanisches Kamasutra". Dusabe, die nicht nur in ihrer eigenen Radio-Show quasi auf "Orgasmus-Mission" geht, zelebriert den Höhepunkt wie folgt: Wenn eine Frau in Ruanda nicht zum Höhepunkt kommt, sei das "eine Katastrophe - für beide".

Und natürlich gibt es - besonders in den ärmeren, vorwiegend ländlich geprägten Gebieten Ruandas - noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, auch im Zusammenhang mit menstruierenden Frauen, die sich keine Hygieneartikel leisten können und während der Periode nicht das Haus verlassen. Aufklärung in Ruanda - das ist eine Aufgabe, der sich viele starke Frauen dieses krisengeschüttelten Landes verschrieben haben. Powerfrauen wie Vestine Dusabe widmen sich dem weiblichen Orgasmus durch die Verbreitung der Kunyaza-Methode.

Aber wie genau funktioniert diese Sexual-Technik denn nun eigentlich? In der Praxis kann das wie folgt aussehen: Der Mann dringt in die Frau ein, bewegt sich zunächst sanft in ihr, bis er seinen Penis schließlich herauszieht, ihn in die Hand nimmt (am besten zwischen Zeige- und Mittelfinger) und nun beginnt, rhythmisch mit seinem Glied an den sensibelsten Stellen der Vagina zu klopfen. Das kann sowohl kreisend als auch von oben nach unten oder von rechts nach links geschehen. Neben den "geklopften" Schamlippen spielt vor allem die stimulierte Klitoris die Hauptrolle. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Durchblutung gefördert und die Erregung der Frau gesteigert. Dies führe nicht nur zu einem intensiven, berauschenden Orgasmus-Erlebnis, sondern - im Glücksfall - auch zum Squirten.

Kunyaza sind keine Grenzen gesetzt

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Wir kennen Cunnilingus, Masturbation und die normale Penetration. Jetzt kennen wir auch Kunyaza - die afrikanische Liebesklopftechnik. Probieren Sie es ruhig einmal aus! Und natürlich setzt diese Technik nicht voraus, dass alle Frauen, deren Vulven abgeklopft werden, auf einmal lossquirten. Nicht das "Abspritzen" ist das Ziel, sondern das intensive und erotische Erlebnis zweier sich innig zugeneigter Menschen.

Kunyaza lässt sich, wie viele Sex-Praktiken, individuell abwandeln. Somit ist also ein erigierter Penis gar nicht zwingend nötig. Die Vulva kann auch prima nur mit den Fingern oder einem Sextoy stimuliert werden. Klopf, klopf, klopf: Ihrer Fantasie und Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

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Quelle: ntv.de