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Gärtner des Gehirns Spezielle Zellen schaffen Ordnung

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Die Verbindungen der Nervenzellen im Hirn brauchen Pflege - vergleichbar mit den Rosen im Frankfurter Palmengarten, die eine Gärtnerin beschneidet. (Archivbild)

(Foto: picture-alliance / dpa)

Mikroglia-Zellen kappen überschüssige Verbindungen zwischen Nervenzellen und organisieren so eine effektive "Verkabelung" des Gehirns – ganz ähnlich wie ein Gärtner, der einige Triebe einer wachsenden Pflanze kappt, um andere zu stärken. Dies berichten italienische Wissenschaftler im Fachblatt "Science". Ihre Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Erkrankungen wie Autismus besser zu verstehen, die mit einer gestörten Entwicklung und Informationsverarbeitung des Gehirns einhergehen.

Mikroglia-Zellen übernehmen im Gehirn eine ähnliche Funktion wie die weißen Blutkörperchen im Rest des Körpers – sie bekämpfen Krankheitserreger und entsorgen Zellschrott, der zum Beispiel nach einer Schädigung des Gehirns durch das Absterben von Nervenzellen anfällt. Unklar war bislang, welche Rolle die Zellen im gesunden Gehirn übernehmen. Forscher um Rosa Paolicelli vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) im italienischen Monerotondo zeigten nun an Mäusen, dass die Mikroglia-Zellen die frühe Entwicklung des Gehirns mitsteuern.

Die Wissenschaftler fanden Eiweißbruchstücke, die an den Synapsen – den Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen – beteiligt sind, im Inneren der Mikroglia-Zellen junger Mäuse. Dies zeige, dass die Zellen das synaptische Material aktiv verschlingen. Das Team studierte das Geschehen genauer an Mäusen, die aufgrund einer Mutation weniger Mikroglia-Zellen im Gehirn besitzen. Diese Tiere hatten erheblich mehr synaptische Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Die "Versäuberung" der Zellverbindungen erfolgte verzögert, die Mäuse zeigten dementsprechend eine unterentwickelte Hirnreife.

Auch bei einigen Formen des Autismus fänden sich im Gehirn deutlich mehr Verbindungen zwischen den Nervenzellen als bei gesunden Menschen, berichten die Forscher laut einer Pressemitteilung des EMBL. Veränderungen in der Funktion der Mikroglia-Zellen könnten einer der Hauptgründe für Hirnentwicklungsstörungen sein, die mit einer verkehrten Verkabelung des Gehirns einhergehen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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