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Bei Phantomschmerzen Spiegel ersetzt Gliedmaße

Gegen Phantomschmerzen nach Amputationen kann ein einfacher Spiegel effektiver helfen als ein starkes Medikament. Werde er so platziert, dass das Spiegelbild der vorhandenen Gliedmaße die fehlenden quasi ersetze, lasse sich das Gehirn überlisten und der Schmerz lindern, berichtet Andreas Schwarzer von der Universitätsklinik Bochum in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift". Diese in Studien belegte Wirkung von Spiegeln werde als kortikale Reorganisation bezeichnet.

Jeder Punkt des Körpers hat nach Angaben des Mediziners auf der Hirnrinde, dem sogenannten Kortex, eine Art Gegenstück, das auch Repräsentationsareal genannt wird: Wenn ein Mensch beispielsweise eine Hand verliere, entstehe im Kortex für kurze Zeit gewissermaßen eine Leere. Doch innerhalb weniger Minuten bis Stunden dehnten sich benachbarte Repräsentationsareale aus. Und diese Reorganisation könne mit Schmerzen einhergehen.

Daher liege es nahe, die ursprüngliche Landkarte im Kortex wiederherzustellen, erklärt Schwarzer. Früher sei dies mit einer Spezialprothese versucht worden, die regelmäßig kleine Impulse an die Nervenenden im Stumpf abgegeben habe. Mit einem Spiegel sei es viel einfacher möglich: Denn visuelle Eindrücke beeinflussten die kortikale Repräsentation sehr stark. Geeignet ist die Spiegeltherapie dem Experten zufolge auch bei Schlaganfällen, Nervenabtrennungen und anderen Schmerzreaktionen nach Verletzungen oder Operationen, bei denen Verbindungen der Schmerznerven zur Hirnrinde unterbrochen sind.

Quelle: ntv.de

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