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Erfolgreiche Versuche bei Mäusen Stammzellen korrigieren Diabetes

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Der Blutzuckerspiegel therapierter Mäuse stabilisiert sich.

Versuche mit Mäusen zeigen, dass körpereigene Stammzellen gegen Diabetes helfen. Das ist der prinzipielle Nachweis dafür, dass diese Therapie auch beim Menschen erfolgreich sein kann.

Eine Therapie mit körpereigenen Stammzellen hilft Mäusen gleich gegen beide Formen der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus – und das teils über mehrere Monate hinweg. Damit sei der prinzipielle Nachweis erbracht, dass dieses Verfahren auch beim Menschen funktionieren kann, berichtet ein Team um David Ward vom Krebsforschungszentrum der Universität von Hawaii.

Diabetes kommt in zwei Formen vor. Beim Typ 1 können die beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend von dem Hormon Insulin herstellen. Beim Typ 2 reagiert der Körper nicht mehr korrekt auf das Insulin. Die Folgen sind ähnlich: Der Blutzuckerspiegel ist erhöht, und die Körperzellen werden nicht mehr ausreichend mit Zucker (genau: Glucose) versorgt. Dies ist der „Treibstoff“ des Organismus.

Abhilfe durch patienteneigene beta-Zellen

Abhilfe ist möglich: Entweder wird Insulin in passender Menge zu den Mahlzeiten gespritzt, was die Patienten vielfach selbst erledigen. Eine Alternative ist es, die intakte Bauchspeicheldrüse eines Spenders zu transplantieren – aber die wird häufig abgestoßen, und außerdem gibt es zu wenig davon. Manche Mediziner experimentieren schon mit künstlichen Bauchspeicheldrüsen.

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Diabetiker spritzen sich das fehlende Insulin selbst.

Das Fernziel ist es aber, neue, patienteneigene beta-Zellen zu schaffen. Der aussichtsreichste Weg dafür: Hautzellen des Patienten werden in den Status embryonaler Stammzellen zurückprogrammiert – ein Verfahren, dass inzwischen vielfach gelungen ist. Diese Zellen tragen das Kürzel iPS (induzierte pluripotente Stammzellen).

Diese wiederum lassen sich durch die Zugabe geeigneter Proteine in viele verschiedene Gewebetypen ausdifferenzieren. Ward und seine Kollegen lenkten sie auf den Pfad von beta-Zellen. Ausgangsmaterial waren Hautzellen von Versuchsmäusen. Aus ihnen wurden beta-Zellen, die auch wirklich Insulin herstellten. Danach der wichtigste Schritt: Die Zellen wurden in 30 Diabetes-Mäuse transplantiert, die an Diabetes Typ 2 litten.

Nach einer Woche waren noch 25 Tiere am Leben, alle konnten jetzt ihren Zuckerspiegel kontrollieren. Drei Mäuse wurden für Untersuchungen getötet, 22 blieben übrig. Nach vier Wochen wurden weitere drei zur mikroskopischen Analyse getötet. Nach dem Tod von vier Mäusen blieben damit nach dem Ablauf von zwei Monaten insgesamt 15 Versuchstiere, die ihren Blutzuckerspiegel kontrollierten. Diese Fähigkeit blieb auch später erhalten, bis drei Monate nach dem Eingriff. Die Insulinproduktion in den transplantierten Tieren war viel höher als in ihren zur Kontrolle unbehandelt gebliebenen Artgenossen.

iPS schafft auch bei Typ 1 Abhilfe

In einem weiteren Versuch zerstörten Ward und seine Kollegen die beta-Zellen anderer Mäuse, deren Blutzuckerspiegel mangels Insulin daraufhin gefährlich zu steigen begann – in diesem Fall wurde also Diabetes Typ 1 nachgebildet. Auch hier schaffte die Transplantation der aus iPS geschaffenen beta-Zellen Abhilfe. Der Blutzuckerspiegel normalisierte sich nach der Injektion. Der Erfolg stellte sich nach zwei Tagen ein und hielt vier Monate an.

Das Team wertet seine Versuche als prinzipiellen Nachweis dafür, dass eine solche Therapie möglich ist, auch beim Menschen. Bevor ihm auf diese Weise geholfen werden kann, werden aber noch Jahre vergehen. Denn unter anderem muss sichergestellt werden, dass die transplantierten Zellen definitiv keinen Krebs auslösen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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