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Gefrorener Kot heilt genauso gut Stuhltransplantation kann einfacher werden

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Bevor der Spenderstuhl transplantiert werden kann, muss er untersucht und aufbereitet werden.

(Foto: AP)

Bisher waren Stuhltransplantationen vor allem deshalb schwierig, weil Ärzte die geeigneten Spender finden mussten. Das könnte sich nun ändern, denn geeignete Spenden können durch Einfrieren haltbar gemacht werden. Ob eine Tablette genauso gut wirkt, wird untersucht.

Bei der Behandlung wiederkehrende Darminfektionen könnten Stuhltransplantationen künftig sehr viel einfacher werden: Wie eine Pilotstudie zeigt, können Ärzte dazu auch gefroren gelagerte Fäkalien nutzen und diese per Nasensonde in den Dünndarm der Patienten leiten. In einer Studie erreichte dieses Vorgehen eine Heilungsrate von 90 Prozent, wie US-Mediziner um Ilan Youngster vom Massachusetts General Hospital in Boston im Fachblatt "Clinical Infectious Diseases" berichten.

Bei Fäkal-Transplantationen bekommen Menschen Stuhl aus dem Darm gesunder Menschen. Die darin enthaltenen Bakterien sollen die aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora wieder beruhigen. Das Verfahren wird bei Patienten angewandt, die Probleme mit dem Durchfallerreger Clostridium difficile haben.

Infektionen damit führen jährlich allein in den USA zu etwa 250.000 Krankenhausaufenthalten und 14.000 Todesfällen. Antibiotika helfen oft nicht und können das Problem durch das Abtöten nützlicher Bakterien sogar verschlimmern.

In der Studie behandelten die Mediziner zunächst 20 Patienten, die an wiederkehrenden Infektionen mit dem Darmkeim litten, darunter drei Kinder. Allerdings verwendeten sie nicht frischen Stuhl, sondern tiefgefrorenes Material gesunder Spender. 14 der 20 Teilnehmer waren schon nach der ersten Behandlung geheilt. Vier der fünf übrigen Patienten kurierte eine zweite Transplantation. Die Heilungsrate von 90 Prozent entspreche jener der konventionellen Transplantation.

Forscher wollen "Fäkalien-Banken"

Die Nutzung tiefgefrorenen Materials, das man in speziellen "Banken" lagern könne, dürfte das Verfahren deutlich vereinfachen, betonen die Autoren. "Das Anlegen von Depots von untersuchtem gefrorenem Spenderstuhl könnte diese Behandlung einer größeren Population zugänglich machen", schreiben sie.

Zudem prüften die Forscher zwei Methoden der Verabreichung - rektal durch eine Koloskopie, also Darmspiegelung, oder durch eine Nasensonde. Letzteres Vorgehen, das wesentlich einfacher und billiger ist, erwies sich als genauso erfolgreich wie die Koloskopie. In einer Folgestudie heilten die Forscher per Nasensonde 10 von 11 Patienten - 91 Prozent.

"Es gibt nicht viele Ansätze in der Medizin mit einer Erfolgsrate von mehr als 90 Prozent", sagt Studienleiterin Elizabeth Hohmann. "Versicherer wollen das vielleicht nicht bezahlen, aber es ist sehr wirksam, hilft Patienten sehr schnell und spart insgesamt Geld." Die Forscher prüfen nun, ob sich das gefrorene Material auch in Form einer Kapsel einnehmen lässt, die Patienten dann nur schlucken müssen und die sich im Dünndarm auflöst. Dies sei "der nächste logische Schritt, um Fäkalien-Transplantationen für mehr Patienten zugänglich zu machen", schreiben sie.

Quelle: n-tv.de, jze/dpa

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