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Mehr Lebensfreude Therapiehunde im Einsatz

In Bad Kreuznach sind Hunde ehrenamtlich im Namen der Malteser Hilfsdienste unterwegs. Die Tiere besuchen alte und demenzkranke Menschen.

Therapiehündin "Aika" ist ein gern gesehener Gast.

Therapiehündin "Aika" ist ein gern gesehener Gast.

Wenn Aika und Balu ihre Decken mit der Aufschrift "Therapiehund Bad Kreuzna ch" und dem weißen Malteser- Kreuz auf rotem Grund angelegt bekommen, ist die Freude groß. Die beiden Hunde sind ehrenamtlich im Namen der Malteser Hilfsdienste unterwegs und besuchen alte und demenzkranke Menschen. "Wir werden immer freudig begrüßt, das merken sich die Hunde", sagt Hundeführerin Kriemhild Metzroth.

Altenheim St. Josef: Der Rasen vor dem sandsteinfarbenen Neubau am Rande des Klinikgeländes St. Marienwörth in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) ist frisch eingesät, hier und da blitzt noch nackte Erde durch das Grün. Im Innern des Gebäudes riecht es nach frischer Farbe, im Gang werkelt ein Handwerker im blauen Overall, zwei Türen weiter klingen Hammerschläge über den Flur. Die Bewohner des Altenheims, Senioren, Pflegebedürftige, Demenzkranke, sind erst vor wenigen Tagen eingezogen.

In einem der beiden Innenhöfe werden die Hunde bereits erwartet. Katharina Enders ist noch etwas ängstlich, als Balu und Aika schwanzwedelnd auf sie zukommen. Doch 20 Minuten später, nachdem das lange, schwarz-weiße Fell von Balu ausgiebig gestreichelt wurde und Labradorhündin Aika zur allgemeinen Erheiterung nach mehrmaligem Bitten ihrer Besitzerin schließlich doch noch durch einen Reifen gehopst ist, ist alle Angst verflogen. "Bis zum nächsten Mal", ruft die alte Frau den Hunden hinterher.

Hundebesuch – ein herausragendes Erlebnis

"Der Bedarf für die Besuchsdienste wird größer", sagt Gerhard Welz, Stadt- und Kreisbeauftragter der Malteser Bad Kreuznach. Er beobachtet, dass immer mehr Menschen in Betreute Wohngruppen oder Altersheime ziehen - und immer mehr Menschen vereinsamen. "Der Besuch der Hunde ist für diese Menschen ein herausragendes Erlebnis", meint Welz.

Aika und Balu gehen seit Juni einmal die Woche auf "Visite". Ulrike Scheidt-Oepen, Besitzerin von Balu, Medizinerin und Psychotheraupeutin, nimmt den Hund auch manchmal mit in ihre Praxis. "Auf die Idee kam ich, als mich immer wieder Patienten auf ein Foto von ihm angesprochen haben", erzählt sie. "Gerade bei Angstpatienten oder Menschen, die sehr traurig sind, hat der Hund eine positive Wirkung und kann auch mir als Therapeutin den Zugang erleichtern."

Hunde bei Demenz-Patienten

Ortswechsel: Im Erdgeschoss des Bruder Jakobus Hauses, ebenfalls auf dem Krankenhausgelände, ist eine besondere Wohngemeinschaft zu Hause. Ein langer Flur führt in das Gemeinschaftszimmer, Licht fällt durch die großen Fensterflächen. Am Holztisch sitzen einige der WG- Bewohner. Sie trinken Kaffee oder Mineralwasser, essen Kuchen oder sitzen einfach nur da. Sie alle leiden an Demenz. Einmal in der Woche kommen Aika und Balu hierher, gegen das Vergessen.

"Bei den Demenzkranken stoßen wir an Grenzen", sagt Scheidt-Oepen. Eine alte Frau liegt in ihrem Pflegebett. Die weißen Haare sind ordentlich gekämmt, die Hände liegen auf der Bettdecke, die Augen sind zur Decke gerichtet. Sie rührt sich nicht. Aika springt hoch, stupst die Frau mit der Schnauze an. "Sie hat die Augen bewegt", freut sich Metzroth. "Wir leisten hier Pionierarbeit", meint Scheidt- Oepen.

Nicht jeder ist geeignet

Hunde und Menschen werden in einer etwa neunmonatigen Ausbildung für den Umgang mit den alten Menschen geschult. "Tier und Mensch müssen offen, freundlich und belastbar sein", sagt Ausbilderin Isabel Marschall. Die 31-Jährige betreibt eine Hundeschule. In einem Wesenstest stellt die Hundepsychologin fest, ob das Tier generell zum Therapiehund taugt. Die erste Staffel soll bald mit dem Training für den Umgang mit Kindern und Behinderten beginnen.

"Ein Hund bringt Leben und verlangt Verantwortung", sagt Anne- Marie Welter. Die resolute Frau hat das nach ihren Angaben bundesweit einmalige Projekt der Therapiehunde bei den Maltesern initiiert, nachdem ihr Mann 2002 nach einer Gehirnblutung zum Pflegefall wurde. Hund "Moses" hat den Mann damals aus der Isolation geholt - und Welter auf den Gedanken gebracht, Hunde als Therapiemittel einzusetzen.

Quelle: n-tv.de, Laura Schoen, dpa

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