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Dunkel, eng und kalt Was treibt Höhlenforscher nur in die Tiefe?

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Die Höhlenforscher Hannes Köble und Andreas Kücha (v.l.) begutachten am Eingang der Höhle "Das Mordloch" im Roggental bei Geislingen an der Steige (Baden-Württemberg) einen Gesteinsfund.

(Foto: dpa)

Was Höhlenforscher in den Untergrund treibt, fragen sich nicht erst seit dem Unglück in der Riesending-Höhle viele. Sie kennen die Gefahren, die dort lauern - und nicht immer macht es Spaß. Aber auch der gerettete Westhauser will nach seiner Genesung wieder in die Tiefe.

Es ist dunkel, der Boden übersät mit faustgroßen Steinen. Der Lichtkegel der Stirnlampe huscht über die grauen, gewölbten, von Wasser fein geschliffenen Wände, lässt Tröpfchen an der Decke silbrig schimmern und fällt auf das Netz einer Spinne mit knubbeligem Körper, nur eine halbe Armlänge entfernt. "Hier kommen wir nicht weiter", sagt Höhlenforscher Andreas Kücha in die Stille der Höhle hinein.

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Kücha erkundet seit seiner Jugend Höhlen.

(Foto: dpa)

Als wollte sich das Mordloch bei Geislingen an der Steige in Baden-Württemberg vor unliebsamen Besuchern schützen, zeichnet sich nach rund 80 Metern ein Wasserlauf auf dem steinigen Boden ab. Wer hier weiter will, braucht eine professionelle Tauchausrüstung und die Kenntnis, wie man sich in Höhlen bewegt. Deshalb wissen nur Höhlenforscher wie Kücha, was sich weit hinter den Eingängen im Untergrund der Erde verbirgt. Doch seit dem Unglück seines Forscherkollegen Johann Westhauser in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden fragen sich viele, wozu man dieses Wissen braucht.

Auf seinem Smartphone zeigt Kücha Bilder vergangener Expeditionen. Sein Bildschirmschoner: ein Foto, aufgenommen im Innern der Blauhöhle, einer wasserführenden Höhle im Untergrund der Schwäbischen Alb. Inmitten der kluftigen Felshalle liegt ein See aus tiefem grün-blauem Wasser. Darauf sitzen zwei Forscher in kleinen Schlauchbooten. Paradiesisch sieht das aus. Der Mittvierziger erkundet Höhlen seit seiner Jugend.

Ehrenamtliche Arbeit

Höhlenforscher wie er arbeiten ehrenamtlich, hauptberuflich ist Kücha Schreiner. "Im Alltag passiert so viel. Aber in der Höhle steht die Zeit still", sagt er. "Wenn wir in 1000 Jahren wiederkommen, sieht es hier immer noch aus wie jetzt. Das hat etwas Beruhigendes, Verlässliches."

Die Expeditionen haben klare Ziele, die Forscher sind spezialisiert: Hannes Köble zum Beispiel beobachtet Fledermäuse oder andere Höhlentiere wie Spinnen und Wasserasseln. Am Eingang des Mordlochs entdeckt er einen Falter, der ihm unbekannt vorkommt. Doch einfach mitnehmen kann er ihn natürlich nicht, dafür müsste er erst eine Genehmigung einholen. Andere interessieren sich für die Geologie der Höhle, wieder andere vermessen und dokumentieren die Unterwelt.

"Sport im Dienste der Wissenschaft"

"Höhlenforschung ist Sport im Dienste der Wissenschaft", sagt Wolfgang Ufrecht, Hydrogeologe bei der Stadt Stuttgart. Auf Grundlage der Funde, Beobachtungen und Dokumentationen könnten Wissenschaftler Erkenntnisse über Landschafts- und Klimaentwicklung oder Trinkwasservorkommen gewinnen.

Weil in Höhlen konstante Temperaturbedingungen von 8 Grad Celsius über Jahrtausende hinweg herrschen, sind sie zu wahren Archiven geworden. "Alles, was in die Höhle gelangt, wird konserviert für immer und ewig", sagt er. Deshalb halten sich die in Vereinen organisierten Höhlenforscher wie Kücha, Köble und Westhauser an strenge Ethikrichtlinien. "Nimm nichts mit, lass nichts zurück, zerstöre nichts und schlag nichts tot", heißt das Motto.

Gefahren durch Höhlentouristen

Umweltschützer begrüßen das: Solange Höhlenforschung naturverträglich betrieben werde, sei sie okay, sagt Markus Schmid vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Weil die meisten Höhlen anders als die bekannt gewordene Riesending-Schachthöhle jedoch nicht verschlossen seien, bergen abenteuerlustige Höhlentouristen Gefahren für empfindliche Mikroorganismen oder überwinternde Fledermäuse.

Um die Risiken für den Menschen in der Höhle wissen Kücha und Köble nicht erst seit dem Unfall ihres Bekannten Westhauser. Und nicht immer mache es Spaß, sich fernab von Tageslicht und Wärme in der Enge der Gänge voranzutasten und erst zu entspannen, wenn der Rückweg geschafft ist. Westhauser, der von einem Stein am Kopf verletzt worden war und in einer aufwendigen Aktion gerettet wurde, will nach seiner Genesung wieder in die Tiefe. Und auch für Kücha ist klar, dass ihn die Höhlen niemals loslassen werden: "Es ist immer wieder die Neugier nach dem, was hinter der nächsten Ecke kommt."

Quelle: n-tv.de, Lena Klimkeit, dpa

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