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Zwei Millionen mal heller Weißer Zwerg erwacht mit Explosion

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Lebenszyklus: Vor, während und nach der Nova des Weißen Zwergs.

(Foto: J. Skowron/Warsaw University Observatory/dpa)

Forscher beobachten das Erwachen eines Doppelsternsystems in einer gigantischen Explosion. Bei dieser Nova steigt die Helligkeit eines Weißen Zwergsterns um das Zweimillionenfache. Dabei saugt er mit seiner Schwerkraft Materie von einem Begleitstern ab.

Astronomen haben das explosive Erwachen eines Doppelsternsystems aus einer Art Winterschlaf beobachtet. Während dieser sogenannten Nova wuchs die Helligkeit eines Weißen Zwergsterns in dem System um mehr als das Zweimillionenfache, wie Przemek Mróz von der Universität Warschau und Kollegen im britischen Fachblatt "Nature" berichten.

Solche klassischen Novae sind keine Seltenheit. Das Besondere an diesem Ereignis ist, dass sich in Aufzeichnungen früherer Beobachtungen nachvollziehen ließ, wie sich der Ausbruch anbahnte.

Thermonukleare Kettenreaktion

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Computergrafik einer Nova-Explosion.

(Foto: K. Ulaczyk/Warsaw University Observatory/dpa)

Klassische Novae ereignen sich in Doppelsternsystemen, in denen ein Weißer Zwerg mit seiner Schwerkraft Materie von einem Begleitstern absaugt. Wenn diese Materie auf den Zwergstern herabregnet, wird es auf dessen Oberfläche immer heißer, bis schließlich in einer gewaltigen Explosion eine thermonukleare Kettenreaktion einsetzt. Ein derartiges Ereignis war im Mai 2009 im Sternbild Zentaur am Südhimmel aufgezeichnet worden. Zum Glück für die Astronomen war das verantwortliche Sternsystem mit der Katalognummer V1213 im Rahmen anderer Untersuchungen schon seit 2003 regelmäßig beobachtet worden.

Bei der Analyse dieser Beobachtungsdaten stießen die Astronomen um Mróz auf wiederholte kleine Ausbrüche, wie sie von einer Winterschlaftheorie für derartige Systeme vorausgesagt werden. Dieser Theorie zufolge läuft der Materiefluss auf den Weißen Zwerg nur stockend ab, wenn weniger als ein Milliardstel der Masse unserer Sonne pro Jahr übertragen wird. Die abgesaugte Materie fließt dann nicht kontinuierlich, sondern regnet schauerartig auf den Weißen Zwerg, was zu den beobachteten kleinen Ausbrüchen führt.

In dieser Art Winterschlaf kann das System Zehntausende bis Millionen Jahre überdauern, bevor der Massetransfer zunimmt und schließlich die thermonukleare Kettenreaktion in der Atmosphäre des Weißen Zwergs und damit eine Nova auslöst.

Die Nova Centauri 2009 ereignete sich nur sechs Tage nach dem letzten kleinen Vorläuferausbruch, wie die Forscher berichten. Die Beobachtungen lieferten direkte Belege für eine Veränderung der Massetransfer-Rate auf den Weißen Zwerg und damit für die Winterschlaftheorie, heißt es bei "Nature". Die Astronomen gehen davon aus, dass das derzeit langsam verblassende System noch für einige Jahrzehnte ungewohnt hell bleiben wird, bevor es in die Winterschlafphase zurückkehrt.

Quelle: ntv.de, Till Mundzeck, dpa