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Stallpflicht in Risikogebieten: Nutzgeflügel soll sich nicht bei Wildvögeln anstecken.
Stallpflicht in Risikogebieten: Nutzgeflügel soll sich nicht bei Wildvögeln anstecken.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 17. Dezember 2014

Von Ansteckung bis Weihnachtsgans: Wie gefährlich ist die Vogelgrippe?

130.000 Puten und Hühner müssen in Niedersachsen getötet werden, nachdem dort das Vogelgrippe-Virus H5N8 nachgewiesen wurde. Vogelgrippe ist eine hochansteckende Krankheit - auch für Menschen? Wie infiziert man sich? Welche Gefahren bestehen? Hier die Antworten.

Ist Vogelgrippe auch für den Menschen eine Bedrohung?

Ja. Es gibt unterschiedliche Viren-Typen, zwei von ihnen sind für den Menschen erwiesenermaßen gefährlich. So haben sich seit Oktober 2013 in China mehr als 450 Menschen mit dem H7N9-Virus infiziert; 175 sind daran gestorben. Und auch das H5N1-Virus gilt als Gefahr: Weltweit sind – so die Statistik der WHO – bislang 668 Menschen daran erkrankt, bei 393 von ihnen führte die Infektion zum Tod. In Deutschland ist noch keine Vogelgrippe-Infektion beim Menschen aufgetreten.
Von dem aktuell in Niedersachsen aufgetretenen H5N8-Virus ist noch keine Gefahr für den Menschen bekannt. Eine Übertragung könne aber nie ausgeschlossen werden, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Wie stecken sich Menschen mit Vogelgrippe an?

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Fast ausschließlich durch den direkten Kontakt mit lebendem, infiziertem Geflügel. Grundsätzlich – so das Robert Koch Institut – ist das Risiko, sich anzustecken, für den Menschen aber selbst in solchen Fällen sehr gering. Mit dem Virus-Typ H5N1 infizierten sich weltweit mehr als hundert Millionen Puten, Hühner und Gänse; beim Menschen aber wurden bislang nur rund 670 Vogelgrippe-Erkrankungen bestätigt.

Kann man sich beim Verzehr von Eiern oder Geflügelwurst infizieren?

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge gibt es für eine Ansteckung durch rohe Eier oder Rohwursterzeugnisse mit Geflügelfleisch bisher keine Belege. Für H5N1-Viren kennt man bislang weltweit keinen Fall, bei dem sich ein Mensch an kontaminierten Lebensmitteln mit Vogelgrippe infiziert hätte. Dennoch gilt der Übertragungsweg als theoretisch denkbar. Experimente aber zeigten: Erhitzt man Hühnchenbrust auf 70 Grad Celsius, ist das H5N1-Virus nach einer Sekunde unschädlich.

Ist eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich?

Das gilt als unwahrscheinlich, ist jedoch nicht ausgeschlossen. Richtig gefährlich könnte es aber werden, wenn sich Vogelgrippe-Viren mit den Viren der "normalen", echten menschlichen Grippe kreuzen. Das könnte passieren, wenn Schweine, Geflügel oder Menschen beide Erreger gleichzeitig in sich tragen. Der neue Virustyp dann wäre womöglich leichter übertragbar – sei es von Tier zu Mensch oder von Mensch zu Mensch.

Schützt die Grippe-Impfung auch vor Vogelgrippe?

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Nein. Reist man in H5N1-gefährdete Gebiete, raten viele Experten dennoch zu einer Grippe-Impfung. So soll eine Infektion mit beiden Viren-Typen gleichzeitig - menschlicher Grippe und Vogelgrippe - unterbunden werden.

Wofür stehen H und N in den Vogelgrippe-Bezeichnungen?

Mit den Buchstaben werden die beiden wichtigsten Eiweiße der Virushülle abgekürzt, sie heißen Hämagglutinin und Neuraminidase. Sie existieren im Tierreich in unterschiedlichen Ausprägungen, weshalb man sie durchnummeriert.

Die Weihnachtsgans: Ist sie mit der Vogelgrippe in Niedersachsen nun in Gefahr?

Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Produzent in Deutschland. Und der Ausbruch der Vogelgrippe trifft mit dem Unternehmen Heidemark einen der größten deutschen Anbieter von Geflügelprodukten. Die Lieferfähigkeit sei durch die Sperrung des betroffenen Betriebs aber nicht beeinträchtigt, sagte ein Unternehmenssprecher. Wenn in Niedersachsen weitere Betriebe betroffen seien, sei das zwar ein Schlag für diese, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Es stelle den Markt aber nicht vor unlösbare Fragen. Schmidts Fazit lautet daher: "Der Weihnachtstruthahn, die Weihnachtsgans ist dadurch nicht gefährdet."

Quelle: n-tv.de