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Mehr Vorsorgemuffel im Westen Zahnprophylaxe spaltet Deutschland

Es ist ein Gang, den kaum einer gerne macht: den zum Zahnarzt. Bei der Vorsorge ist Deutschland noch immer zweigeteilt - Patienten im Westen haben Nachholbedarf. Und noch eine Gruppe scheut den Zahnarztstuhl.

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Mindestens einmal im Jahr sollte jeder zum Zahnarzt gehen, Kinder ab sechs Jahren sogar zweimal.

(Foto: dpa)

Die Ostdeutschen gehen deutlich häufiger zur Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt als Patienten im Westen. Das zeigt der aktuelle Zahnreport der Barmer GEK. Während in Westdeutschland die Teilnahmeraten zwischen 43,9 Prozent in Bremen und 56,5 Prozent in Bayern schwanken, liegen sie in den meisten ostdeutschen Ländern um die 60 Prozent. Im Westen gebe es deutlich mehr "Vorsorgemuffel", erklärte der stellvertretende Vorstandschef der Krankenkasse, Rolf-Ulrich Schlenker.

Als eine Ursache für den positiven Trend im Osten vermutet Schlenker eine "Langzeitwirkung der frühkindlichen Sozialisation in den Kindertagesstätten und den Horten der ehemaligen DDR". Spitzenreiter bei der Prophylaxe, zu der Früherkennungsuntersuchungen und die Entfernung von Zahnstein zählen, ist Thüringen. Knapp 63 Prozent der Versicherten gingen dort 2012 zur Zahnvorsorge. Bundesweit nutzte im Schnitt nur jeder Zweite die Vorsorgeuntersuchungen.

Junge Männer drücken sich

Ein Ost-West-Gefälle zeigt sich demnach auch bei der Diagnostik und Behandlung etwa wegen Parodontose oder Zahnersatz. Laut Studie saßen im Jahr 2012 rund 75 der Ostdeutschen, aber nur knapp 69 Prozent der Westdeutschen mindestens einmal jährlich auf dem Zahnarztstuhl. Am häufigsten waren die Sachsen beim Zahnarzt.

Auch zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede. 2012 gingen rund drei Viertel der Frauen (74,2 Prozent) zum Zahnarzt, aber nur zwei Drittel der Männer (66,4 Prozent). Vor allem junge Männer scheuen offenbar den Besuch beim Zahnarzt. Erst ab dem 50. Lebensjahr holen die Männer leicht auf.

Bei den Kosten für Zahnersatz teilen sich die Zahlen ebenfalls in Ost und West. So zahlte ein Baden-Württemberger für seinen Zahnersatz im Schnitt pro Fall durchschnittlich 936 Euro. Versicherte in Sachsen-Anhalt bezahlten 508 Euro aus eigener Tasche. Der Bundesschnitt lag bei 725 Euro, rund 50 Euro weniger als im Vorjahr. "Das könnte ein Hinweis auf ein Wohlstandsgefälle sein", erklärte Schlenker.

Wurzelbehandlung gewünscht

Für den Report wurden zudem mehr als eine halbe Million Wurzelbehandlungen ausgewertet: Insgesamt werden die Eingriffe als wirksam und "in der überwiegenden Mehrzahl" als erfolgreich gewertet. In mehr als 80 Prozent der Fälle war innerhalb von drei Jahren nach dem Eingriff keine Folgebehandlung nötig.

Völlig risikofrei seien Wurzelbehandlungen aber nicht, sagte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dietmar Oesterreich. "Wurzelbehandlungen dienen dem Zahnerhalt, was sich immer mehr Patienten wünschen. Aber oft sind die betroffenen Zähne schwer zugänglich." Hier müsse man sich gut beraten lassen.

11,7 Milliarden Euro gaben die deutschen Krankenkassen 2012 für die zahnärztliche Behandlung aus: Pro Versichertem sind das etwa 168 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Report beruht auf anonymisierten Daten der 8,6 Millionen Versicherten der Barmer GEK aus dem Jahr 2012.

Quelle: n-tv.de, kse/AFP/dpa

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