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Mit einer außergewöhnlichen Aktion solidarisieren sich die Kollegen eines Polizeireviers in den USA mit dem Sohn von Erin Hill, Brian (3), der nach einer Chemotherapie seine Haare verlor.
Mit einer außergewöhnlichen Aktion solidarisieren sich die Kollegen eines Polizeireviers in den USA mit dem Sohn von Erin Hill, Brian (3), der nach einer Chemotherapie seine Haare verlor.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Dienstag, 15. Mai 2012

Frage & Antwort, Nr. 225: Ändert Chemotherapie die Haarfarbe?

von Jana Zeh

Ich habe gehört, dass sich durch eine Chemotherapie die Haarfarbe und die Haarstruktur verändern können. Stimmt das? Und wenn ja, wie ist das möglich? (fragt Jeanette B. aus München)

"Chemotherapie ist nicht gleich Chemotherapie", sagt Frau PD Dr. Diana Lüftner von der Charité in Berlin. "Es kommt vor allem darauf an, welche Substanzen sich in den Behandlungspräparaten befinden", erklärt die Oberärztin. Nicht jede Chemotherapie führt zwangsläufig zum Haarausfall. Dennoch können Mediziner verschiedene Störungen im Bereich der Haare beobachten, die als Nebenwirkungen von Chemotherapien auftreten.

Zum einen kann es während einer konventionellen Chemotherapie zum totalen Verlust der Haare kommen. Zytostatika – das sind wachstumshemmenden Substanzen, die in der Krebstherapie zum Einsatz kommen - greifen nicht nur die Tumorzellen, sondern auch die Haarbälge an. Die Haare verlieren zunächst ihren Halt und fallen schließlich aus. "Bei geradezu 100 Prozent der Patienten wachsen die Haare nach der Behandlung wieder nach. In häufigen Fällen können wir sogar beobachten, dass die Haare dichter und manchmal etwas lockiger und insgesamt schöner als vorher sind", so die Onkologin. Unter Patienten wird dieser Effekt als "Chemo-Locke" bezeichnet. Auch eine leichte Veränderung der Haarfarbe ist möglich. Patienten, die die genetischen Voraussetzungen haben, können nach einer Chemotherapie beispielsweise schneller ergrauen. "Eine Veränderung der Haarfarbe von hellblond auf dunkelbraun allerdings wäre die absolute Ausnahme und ist in meiner Berufspraxis noch nicht vorgekommen", so Lüftner. Woher diese Effekte kommen, ist nicht bekannt.

Haare mit Zebrastreifen

Zum anderen kann es während einer sogenannten biologischen Therapieform oder Targeted Therapy (zielgerichtete Therapie) zur Depigmentierung der Haare kommen. Auch bei dieser Therapieform kommen Substanzen zum Einsatz, die sich gegen jede Art von Wachstumsrezeptoren richten, damit das Wachstum des Tumors eingeschränkt oder gestoppt werden kann. "Im Fadenkreuz der Therapie steht dabei der sogenannte EGF-Rezeptor, der auch für das Wachstum der Haare und für die Regeneration der Haut zuständig ist", erklärt Lüftner. Mit den eingesetzten Substanzen werden jedoch nicht nur EGF-Rezeptoren (EGF: Epidermal Growth Factor) im Tumor getroffen, sondern eben auch die in der Haut und den Haarbälgen. "Durch die Präparate kann es zu Störungen in der Regulation des Wachstums der Haare kommen. Das bedeutet, die Haare wachsen zu viel, zu schnell oder entfärben sich", erklärt Lüftner weiter.

Eine Targeted Therapy kann beispielsweise vier Wochen dauern, dann folgt eine zweiwöchige Pause, dann gibt es einen neuen vierwöchigen Zyklus und so weiter. Während der Therapiepause wachsen die Haare mit ihrer Naturfarbe weiter. "Bei den Patienten, die von der Entfärbung der Haare als Nebenwirkung der Behandlung betroffen sind, kann das dazu führen, dass die Haare wie kleine Zebrastreifen aussehen", erzählt Lüftner. "Aber das sehen wir sehr selten."

Übrigens: Wer vor einer Behandlung eine Glatze hatte, kann nicht mit vollem Haar nach einer Chemotherapie rechnen. Denn die Haarbälge, die einmal abgestorben sind, können auch durch aggressive Medikamente nicht wieder aktiviert werden.

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Quelle: n-tv.de