Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 8 Bestehen Pflanzen aus Erde?

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Die Sibirische Schwertlilie mit ihren leuchtend blau-violetten Blüten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wenn ich in einen Blumentopf einen Samen einpflanzen und ihn mehrere Jahre wachsen lasse, ohne Erde nachzugeben, habe ich dann irgendwann weniger Erde im Blumentopf? (fragt E. Huck aus Köln)

Wir hoffen nicht, fragen zur Sicherheit aber Dr. Stephan Imhof von der Philipps-Universität Marburg.

"Man ist versucht, das Wachstum einer Pflanze auf Sichtbares zurückzuführen, nämlich auf den Boden, in dem sie gedeiht. Aber der Boden ist kein Glas voller Apfelsaft, das wir mit dem Trinkhalm in den eigenen Magen leeren. Die (meisten) Pflanzen sind autotroph, selbsternährend. Das heißt, sie produzieren ihre Bestandteile vornehmlich selbst. Der gesamte Pflanzenkörper ist zumindest mittelbar über die Photosynthese entstanden, dem Mechanismus, welcher unsere gesamte Lebewelt direkt und indirekt am Laufen hält.

Denn der Diesel unserer Traktoren ist im Grunde vermodertes Pflanzenmaterial, der Stahl unserer Maschinen wurde mit Menschenkraft gewonnen, und diese Menschen essen Pflanzen, oder Fleisch von Tieren, die Pflanzen gefressen haben.

Also besteht die Pflanze im Topf nicht aus dem Material des Bodens, sondern entstand mit Hilfe der Sonnenlichtenergie aus dem Kohlendioxid der Luft und dem im Boden gespeichertem Wasser. Damit jedoch Photosynthese und auch alle anderen Stoffwechselvorgänge in der Pflanze funktionieren können, braucht die Pflanze zusätzlich Salze, elektrisch geladene, in Wasser gelöste Nährstoffe. Diese werden in der Tat vom Boden zur Verfügung gestellt, und zwar entweder als Abbauprodukte abgestorbener Lebewesen durch Mikroorganismen (überwiegend Bakterien und Pilze), oder als Verwitterungsergebnis von Gesteinen.

Die Struktur eines Bodens bietet reichlich Anheftungspunkte für solche Nährsalze, die sich dann wiederum durch Wasser von diesen lösen lassen, dadurch im Boden beweglich werden, und schließlich über die Wurzeln kontrolliert in das Leitgewebe der Pflanzen transportiert werden. Nun kommt es darauf an, wie viel mineralische Bestandteile, also als Salze lösbare Stoffe, das Pflanzensubstrat besitzt.

Je höher dieser Bestandteil ist, desto mehr kann sich die Masse der Erde im Blumentopf verringern. Im Grünpflanzen-Fensterbank-Business wartet man aber nicht so lange. Hier gibt es ja die komfortablen Flüssigdünger, welche die nötigsten Nährstoffe schon pflanzenverfügbar gelöst anbieten.

Ein Satz zum Schluss: Boden ist ein extrem komplexes, nur zum Teil verstandenes Ökosystem, welches sicher noch viele weitere, hier nicht angesprochene Phänomene zeigt. So ist es zum Beispiel für viele Pflanzen möglich, die eigentlich notwendige Mineralisierung der Nährstoffe zu umgehen, indem sich ihre Wurzeln mit Pilzen verbünden ('Mycorrhiza' genannt) und über diese Symbiose auch größere Nährstoffbrocken aufnehmen können. Ob dies jedoch unsere spezielle Frage messbar betrifft, wage ich nicht zu beantworten."

Quelle: ntv.de