Frage & Antwort

Sonnenhormon bei Dunkelheit Braucht man im Winter extra Vitamin D?

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Vitamin-D-Präparate sollten nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

(Foto: imago images/Panthermedia)

In der dunklen, kalten Jahreszeit fühlen sich viele abgeschlagen und müde. Bei der Frage, was man dagegen tun kann, landet manch einer bei Vitamin-D-Präparaten. Aber ist es wirklich eine gute Idee, diese einfach einzunehmen?

Über den Nutzen der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten wird viel gestritten. Die einen sind davon überzeugt, dass in Deutschland 90 Prozent der Bevölkerung unterversorgt sind und eine Zufuhr, vor allem in den Wintermonaten, dringend nötig ist. Andere gehen davon aus, dass meisten Menschen in Deutschland gut mit Vitamin D versorgt sind, wenn sie sich ausreichend im Freien aufhalten.

Ob man wirklich an einem Vitamin-D-Mangel leidet oder nicht, kann nur anhand einer Blutuntersuchung festgestellt werden. Diese wird normalerweise beim Hausarzt durchgeführt. In der aktuellen Corona-Krise sollte man jedoch dringend vorab mit seinem Hausarzt klären, ob er ausreichende Ressourcen für solch einen Test hat oder ob es berechtigte Gründe für einen Vitamin-D-Test gibt.

Wer zahlt den Bluttest?

Hat der Arzt den Verdacht, dass ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, dann zahlen die Krankenkassen die Kosten für die Blutuntersuchung. Wer sich auf eigene Rechnung testen lassen will, muss 20 bis 30 Euro einplanen. Gleichzeitig sollte man sich im Klaren darüber sein, welchen Wert man prüfen lassen möchte.

Erhoben werden kann die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin-D, kurz 25-OH-Vitamin-D. Damit wird die Speicherform des Vitamin D erfasst, das die Versorgung durch Eigenproduktion und Zufuhr über die Nahrung widerspiegelt. Vermutet der behandelnde Arzt eine Störung des Vitamin-D-Stoffwechsels, wird im Blut die Konzentration von Calcitriol, kurz 1,25-Vitamin-D3, gemessen. Dieses Hormon ist die biologisch aktive Form von Vitamin D. Die Werte können sowohl in Einheiten von Nanomol je Liter (nmol/l) oder Nanogramm je Milliliter (ng/ml) angegeben werden.

Weil jedoch der Vitamin-D-Serumspiegel starken saisonalen Schwankungen unterliegt, hat ein niedriger Vitamin-D-Wert, der bei einer einmaligen Blutuntersuchung gemacht wird, noch keine große Aussagekraft. Das Robert-Koch-Institut (RKI) führt dazu weiter aus: Ein niedriger Vitamin-D-Wert bedeute nicht zwingend, dass bereits ein langfristiger Vitamin-D-Mangel und damit klinische Symptome vorliegen oder noch auftreten werden. Der behandelnde Hausarzt klärt bei Fragen dazu auf. Durch mehrfache Untersuchungen zu verschiedenen Jahreszeiten können Vergleichswerte geschaffen werden. Die Blutproben sollten allerdings möglichst im selben Labor untersucht und die Ergebnisse mit demselben Arzt besprochen werden.

Breites Spektrum an Symptomen

Da ein Vitamin-D-Mangel eher schleichend entsteht, sind auch die Symptome nicht klar zu definieren. Sie reichen von Haarausfall, Stimmungsschwankungen, Muskelschwäche oder -schmerzen über erhöhte Infektanfälligkeit bis hin zur Knochenerweichung. Chronische Magen-Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen können zu einem Vitamin-D-Mangel führen. Auch Erkrankungen der Atemwege, des Stoffwechsels oder ein fehlgeleitetes Immunsystem werden immer wieder mit einer zu geringen Vitamin-D-Versorgung des Körpers in Verbindung gebracht. Gleichzeitig konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden, ob es sich dabei um die Ursache oder eine Folge solcher Erkrankungen handelt.

Genauso verhält es sich bei Covid-19 und Vitamin D. In zwei Studien fanden Forschende Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen geringen Vitamin-D-Werten und schweren Covid-19-Verläufen. Aber auch hier kann derzeit nicht eindeutig geklärt werden, ob ein geringer Vitamin-D-Wert zu schweren Verläufen führt oder umgekehrt.

Viel hilft nicht immer viel

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Weil Vitamin-D-Präparate überdosiert zu verschiedenen Nebenwirkungen wie einem erhöhten Kalziumspiegel, Herzrhythmusstörungen, Nierensteinen, Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen führen können, sollten sie lieber nicht leichtfertig und auf eigene Faust eingenommen werden. Da Vitamin D als fettlöslicher Stoff im Fett- und Muskelgewebe gespeichert werden kann, ist eine schleichende Überdosierung mit Nahrungsergänzungsmitteln möglich. Ebenso kann man mit sich damit akut vergiften. Auch bei bestimmten Erkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme mit bestimmten Medikamenten ist von einer Vitamin-D-Zufuhr dringend abzuraten. Ebenso können verschiedene Medikamente (zum Beispiel Antiepileptika oder Zytostatika) den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen

Übrigens: Es ist vielfach gezeigt worden, dass es sowohl durch unterschiedliche als auch durch gleiche Messmethoden zu unterschiedlichen Messergebnissen von 25(OH)D kommen kann. Um dadurch auftretende Verwirrungen zu überwinden, sind die Messwerte in verschiedenen Untersuchungen nachträglich standardisiert worden. Nur so sind die Messwerte auch vergleichbar, unabhängig von Zeit, Ort und Analyseverfahren, schreibt das RKI.

Quelle: ntv.de