Frage & Antwort

Allergien und Vorsichtsmaßnahmen Dürfen Kleinkinder Nüsse essen?

Ich würde mein 9 Monate altes Kind gern abstillen und bin verunsichert, ob ich ihm im Laufe der Zeit alles geben kann oder ob ich auf Lebensmittel, gegen die oftmals Allergien entwickelt werden (Kuhmilch, Erdnüsse, Fisch, Weizen etc.), verzichten soll. Können Sie mir weiterhelfen? Bisher habe ich nur völlig widersprüchliche Empfehlungen gelesen. (Miriam W. aus Schwarzbach)

DEU_Verbraucher_Milch_Kennzeichnung_FRA120.jpg7710774499802792735.jpg

Manche Kinder reagieren allergisch auf Kuhmilch.

(Foto: AP)

Der Verzicht auf allergieauslösende Lebensmittel gilt, wenn überhaupt, nur für sogenannte Hochrisikokinder, erklärt der Allergologe Dr. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin. Hochrisikokinder sind Jungen und Mädchen, bei denen 2 Verwandte 1. Grades (z. B. Eltern oder Geschwister) bereits eine Allergie haben. Eltern sollten in diesem Fall bei der Auswahl der Lebensmittel für ihre Kinder aufmerksam sein. Untersuchungen haben ergeben, dass Hochrisikokinder häufiger allergisch auf bestimmte Lebensmittel reagieren als andere Kinder. Bei einem Drittel der Säuglinge mit schwerer Neurodermitis spielen Nahrungsmittel eine Rolle: Dabei geht es vor allem um Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Nüsse und Erdnüsse, Soja und Weizen, erläutert Kleine-Tebbe weiter.

Kleine-tebbe.jpg

Dr. Jörg Kleine-Tebbe.

Andererseits haben Experten festgestellt, dass Kinder, die im frühen Alter mit kleinen Mengen der aufgezählten Lebensmittel - manchmal unwissentlich - gefüttert wurden, seltener eine Allergie dagegen entwickelten als Kinder, denen diese Dinge völlig vorenthalten wurden. Wegen dieser Erkenntnisse hat man die Vorbeugeempfehlungen kürzlich verändert und gelockert. Vielleicht baut der Körper bei der frühen Gabe von potenziellen Allergenen eine Toleranz auf, so Kleine-Tebbe.

Genaue Diagnose beim Arzt

Wenn allerdings bereits eine Allergie besteht, müssen diese Kinder richtig behandelt werden. Zunächst sollte ein Arzt mit Allergieerfahrung eine sorgfältige Diagnose stellen. Diese beruht auf einem Antikörpernachweis (Immunglobulin E, kurz IgE) gegen das verdächtigte Nahrungsmittel und in Zweifelsfällen auf einer "Provokation"- das bedeutet, dass die Kinder unter ärztlicher Aufsicht meistens stationär gezielt getestet werden, auf welches Lebensmittel sie tatsächlich allergisch reagieren. Das Nahrungsmittel wird also ganz bewusst gegeben und die Kinder werden genau beobachtet. Steht die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie fest, dann hilft nur noch konsequente Vermeidung.

306145_R_K_by_M.-Hauck_pixelio.de.jpg

Fischstäbchen schmecken meistens auch kleinen Kindern gut.

(Foto: M.-Hauck, pixelio.de)

Übrigens: Zur Allergieprävention sollten Mütter ihr Baby mindestens die ersten vier Monate lang stillen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Fischverzehr während Schwangerschaft und Stillzeit das Kind vor Allergien schützen kann. Regelmäßig genossene Fischanteile bis zum ersten Lebensjahr können möglicherweise ebenfalls einen Schutz für Kinder bieten. Allerdings sollte der Fisch immer gut durchgegart sein.

Quelle: n-tv.de