Frage & Antwort

Frage & Antwort Gibt es eine Alkohol-Allergie?

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(Foto: picture alliance / dpa)

Jedes Mal, wenn ich einen Schluck Wein oder Sekt trinke, bekomme ich einen Niesanfall und meine Nase läuft anschließend mehrere Stunden. Das beunruhigt mich. Kann man denn allergisch auf Alkohol reagieren? (fragt Markus H. aus Ulm)

"Eine Alkohol-Allergie ist durchaus möglich, aber sehr, sehr selten", sagt Professor Thomas Fuchs, leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Göttingen, Facharzt für Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin und Berufsdermatologie und Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA). "Leider gibt es keine genauen Daten, wie viele Menschen tatsächlich von einer Alkohol-Allergie, die in Fachkreisen als Ethanol-Allergie bezeichnet wird, betroffen sind", so der Arzt weiter. Menschen mit einer solchen Allergie müssten konsequent jegliche Art von Getränken und Lebensmitteln mit Alkohol meiden, denn im schlimmsten Falle kann es nach Verzehr zu einem allergischen Schock kommen, der sogar zum Tod führen kann. Patienten, die vermuten, dass sie unter einer Alkohol-Allergie leiden, sollten sich dringend bei einem Allergologen vorstellen.

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Triefende Nase und tränende Augen können nicht nur durch harmlose Pollen verursacht werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Tatsächlich gibt es aber auch Fälle, bei denen Menschen nur bei einer bestimmten Art von Alkoholika reagieren. In diesen Fällen ist es nicht der Alkohol, auf den das Immunsystem anspringt, sondern andere Inhaltsstoffe in den Getränken. "Wenn nur Bier Probleme macht, dann ist die Sache relativ einfach", erklärt Fuchs. Mindestens ein Inhaltsstoff des Getränkes ist für die allergische Reaktion verantwortlich. Da in den verschiedenen Biersorten außer Wasser vor allem Weizen, Gerste, Hefe, Mais und Malz zu finden sind, kommen auch nur diese Stoffe als Allergieauslöser infrage. Hopfen dagegen ist äußerst selten das problembereitende Allergen. Eine Untersuchung bei einem Allergologen könnte in diesem Fall Klarheit schaffen.

Bei Wein und anderen alkoholischen Getränken könnten viele andere Stoffe für Juckreiz, Augenbrennen oder Niesanfälle sorgen. Im Wein zum Beispiel finden sich Schwefelverbindungen, die Sulfite heißen und als Allergene wirken. Ein anderer Stoff, der in vielen alkoholischen Getränken vorkommt, ist Histamin. Auch dieser Stoff kann zu gesundheitlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Durchfall, Herzklopfen oder Juckreiz führen. Dann allerdings liegt keine Histamin-Allergie, sondern eine Histaminunverträglichkeit vor. Die Symptome treten kurz nach dem Genuss von Wein, aber beispielsweise auch von reifen Käsesorten oder fermentiertem Soja auf. Auch in diesem Fall kann ein Facharzt klären, auf welchen Stoff man reagiert.

Allergie oder Intoleranz?

Umgangssprachlich wird oftmals eine Unverträglichkeit mit einer Allergie gleichgesetzt, nicht zuletzt, weil die Symptome sich sehr ähneln. Aus medizinischer Sicht dagegen wird zwischen Intoleranz und Allergie klar unterschieden, denn das, was im Körper abläuft, unterscheidet sich ebenfalls. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem übermäßig stark auf einen eigentlich harmlosen Stoff. Diese Reaktion kann unter bestimmten Umständen sogar zum Tod führen. Um den Patienten zu helfen, muss die Aktivität des Immunsystems mit Medikamenten gesteuert werden und der Patient muss einen solchen krankmachenden Stoff zukünftig meiden.

Für eine Intoleranz oder Unverträglichkeit kann es verschiedene Ursachen geben. Fehlende Enzyme oder mutierte Gene sind nur zwei Beispiele dafür. Bei der Intoleranz ist das Immunsystem außen vor. Der Körper kann bestimmte Stoffe wie zum Beispiel Laktose nicht verarbeiten. Daraus entstehen körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Bauchschmerzen, Blähungen und allgemeines Unwohlsein. Allerdings können die meisten Menschen mit Unverträglichkeiten kleine Mengen der Lebensmittel oder Getränke gut tolerieren.

Egal, ob man allergisch oder mit einer Unverträglichkeit nach Alkoholverzehr reagiert: Man sollte alle alkoholischen Getränke meiden, zumal der Alkohol dazu beiträgt, dass auch andere Allergene aus den Getränken stärker vom Körper aufgenommen werden.

Übrigens: Wer keine Alkohol-Allergie hat und dennoch eine triefende und juckende Nase nach dem Trinken von alkoholischen Getränken bekommt, leidet wahrscheinlich unter dem umgangssprachlich bezeichneten Schnaps-Schnupfen. Dahinter kann entweder eine Histaminunverträglichkeit oder eine individuelle Reaktion der Blutgefäße stecken. Diese erweitern sich nämlich durch den Alkohol, besonders im Gesicht. Eine vermehrte Durchblutung der Nasenschleimhaut führt dann zum Niesen und Laufen der Nase. Zigarettenrauch, ob als aktiver oder passiver Raucher inhaliert, verstärkt diese Wirkung.

Quelle: n-tv.de

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