Wissen
Dienstag, 20. Oktober 2009

Frage & Antwort, Nr. 91: Gibt es "schwere Knochen"?

Fabian Maysenhölder

Stimmt es, dass manche Menschen tatsächlich schwerere Knochen haben als andere und deshalb mehr wiegen? Und stimmt es, dass jede Frau in ihrem Leben Osteoporose bekommt, wenn sie nur alt genug wird? (fragt Margreth L. aus Heidenheim)

Nicht selten entschuldigen sich Menschen, die etwas zu viel auf die Waage bringen, mit der Aussage: "Ich habe eben schwere Knochen." Doch wie sieht die Wirklichkeit aus, gibt es überhaupt "schwere" und "leichte" Knochen?

Gibt es das schwere Los der schweren Knochen?
Gibt es das schwere Los der schweren Knochen?(Foto: reuters)

Dr. Friederike Thomasius vom Osteoporose-Zentrum in Frankfurt am Main weiß, dass man sich nicht so einfach aus der Verantwortung ziehen kann. Die Schuld auf die Knochen schieben – das funktioniert nicht. "Skelette sind natürlich unterschiedlich beschaffen", erklärt sie. "Aber die Knochenbeschaffenheit erklärt maximal bis drei Kilogramm Gewichtsunterschied." Trotz ihrer Unterschiede weichen menschliche Skelette in ihrem Gewicht nicht sehr stark voneinander ab.

Dabei haben Frauen in der Regel etwas leichtere Skelette als Männer. Das Gewicht der Knochen wird außerdem vor allem durch Gene, Ernährung, Alter und Belastung bestimmt. So haben zum Beispiel Menschen, die über Jahre schwere körperliche Arbeit verrichteten, etwas stabilere Knochen, damit diese den Belastungen standhalten. Aber es bleibt: Auch im Extremfall sind es nicht mehr als drei Kilogramm. Als Entschuldigung fürs Übergewicht fallen die Knochen also aus.

"Zwangs-Osteoporose"?

Auch die zweite Frage kann klar beantwortet werden. Ist jede Frau dazu verdammt, einmal an Knochenschwund (Osteoporose) zu leiden, wenn sie nur alt genug wird? Nein: "Nicht jede Frau bekommt Osteoporose, egal wie alt sie wird. Es gibt wirksame Therapien und Präventionsmaßnahmen für jedes Alter", sagt Frau Thomasius. Körperliche Aktivität und eine calciumreiche Ernährung zum Beispiel wirken vorbeugend und können vor der Krankheit schützen.

Übrigens: Entgegen der weitläufigen Meinung ist Osteoporose keine reine Frauenkrankheit. In Deutschland leidet jede dritte Frau nach den Wechseljahren und jeder fünfte Mann ab 50 an  Knochenschwund. Rund sechs Millionen Menschen sind hierzulande an Osteoporose mit Knochenbrüchen erkrankt – nur bei 40 Prozent von ihnen wird die richtige Diagnose gestellt und entsprechend therapiert.

Quelle: n-tv.de