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Nicht schön, aber auch ein Hut aus Pappe kann gegen Sonnenbrand helfen.
Nicht schön, aber auch ein Hut aus Pappe kann gegen Sonnenbrand helfen.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 09. Juli 2013

Frage & Antwort, Nr. 282: Schützt Glas vor Sonnenbrand?

Von Jana Zeh

Ich habe gehört, man kann sogar durch eine Glasscheibe hindurch einen Sonnenbrand bekommen. Stimmt das denn? Können die schädigenden Sonnenstrahlen tatsächlich Glas durchdringen? (fragt Lutz M. aus Prien am Chiemsee)

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie hinter Glas vor Sonnenstrahlen geschützt sind und weder braun noch rot werden können. Doch das ist ein Trugschluss. "Normales Fensterglas lässt wirksame Anteile der ultravioletten Sonnenstrahlen hindurch", erklärt Professor Eckhard Breitbart, Dermatologe und 2. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V. "Farbige Kleidung in Schaufenstern beispielsweise bleicht relativ schnell durch Sonnenlicht aus. Das ist ein Beweis dafür, dass Sonnenlicht auch hinter Glas biologisch aktiv ist", erklärt der Dermatologe. Auch Gläser für Sonnenbrillen brauchen einen speziellen UV-Filter, damit sie die Augen wirklich vor den Strahlen schützen.

Kleidung in Schaufenstern muss vor Sonnenlicht geschützt werden, damit sie nicht ausbleicht.
Kleidung in Schaufenstern muss vor Sonnenlicht geschützt werden, damit sie nicht ausbleicht.(Foto: picture alliance / dpa)

Allerdings werden nahezu alle UVB-Anteile im Sonnenlicht vom Glas absorbiert. Durch ein normales Fenster, aber auch durch getönte Autoscheiben gelangen jedoch noch rund 60 Prozent der UVA-Anteile des Sonnenlichts. "Diese können, treffen sie lange Zeit ungehindert auf die Haut, die gleichen Schäden anrichten wie Sonnenlicht im Freien", betont der Experte.

UVA wurde unterschätzt

Bis vor einigen Jahren sind Experten davon ausgegangen, dass nur die UVB-Strahlen der Sonne für die Haut gefährlich werden können. Doch das ist falsch. Studien belegen, dass auch die UVA-Anteile des Sonnenlichts der Haut nachhaltig schaden können.

UVB-Strahlen sind die energiereicheren, biologisch hochaktiven Strahlen der Sonne und wirken direkt auf die Haut ein. Sie führen zur beliebten Bräunung der Haut, aber auch zum schmerzhaften Sonnenbrand. Setzt man sich zu oft und zu lange dieser UVB-Strahlung aus, so kann es zu Veränderungen im Reparatursystem des Erbgutes kommen und dadurch im schlimmsten Falle Hautkrebs entstehen.

Die UVA-Strahlen sind weniger energiereich und langwelliger als UVB. Auch sie regen, setzt man sich ihnen in hohen Dosen aus, die Bildung von Melanin an, das die Haut braun färbt. "Allerdings führt UVA-Licht zu einer Bräune mit Graustich", erklärt Breitbart. Auch UVA kann Sonnenbrände und DNS-Schäden in den Hautzellen und dementsprechend Hautkrebs verursachen. Es dringt zudem tiefer in die Haut ein als UVB. In der Lederhaut kann UVA die dort befindlichen Kollagenfasern schädigen. Damit verringert sich die Elastizität der Haut und es entstehen Falten.

Kinder und Berufskraftfahrer sind gefährdet

Bei Pkws ist meistens nur die Frontscheibe mit einem UV-Schutz ausgestattet.
Bei Pkws ist meistens nur die Frontscheibe mit einem UV-Schutz ausgestattet.(Foto: picture-alliance / dpa)

"Vor allem bei Autofahrern in Australien ist der schwarze Hautkrebs am Unterarm verstärkt zu beobachten", berichtet Breitbart. "Das ist der Teil des Armes, der gern bei langen Autofahrten auf die Kante zum Fenster abgelegt wird und so jede Menge ultravioletter Strahlen abbekommt, obwohl das Fenster geschlossen ist", erzählt Breitbart.

Personen, die also über mehrere Stunden dem grellen Sonnenlicht dicht hinter Glasscheiben wie beispielsweise im Auto ausgesetzt sind, sollten sich vor den Strahlen der Sonne schützen. Langärmelige Kleidung, Sonnenschutzfolien oder -cremes reichen schon aus.

In vielen Pkw ist die Frontschutzscheibe bereits mit einer wirksamen UV-Schutzfolie serienmäßig ausgestattet. Allerdings sind Rück- und Seitenscheiben aus normalem UV-durchlässigem Glas. Vor allem Kinder sollten deshalb vor mehrstündigen Autofahrten im Sommer vor den UVA-Strahlen geschützt werden.

Übrigens: Sogar Pflanzen können bei zu starker UV-Strahlung Sonnenbrand bekommen, obwohl viele einen eingebauten Sonnenschutz besitzen. Das kann passieren, wenn die Umstellung von sonnenarmen Tagen auf viel Sonne relativ rasch geht und die Pflanzen keine Zeit haben, sich auf die Strahlen umzustellen.

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Quelle: n-tv.de