Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 113 Sollte man keine Bio-Eier kaufen?

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Bio-Eier sind Eier von glücklichen Hühnern. Oder?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ich habe gehört, dass man keine Bio-Eier kaufen sollte, denn angeblich rupfen sich Bio-Hennen aus Kalzium-Mangel die Federn aus. Stimmt das? (fragt Janine E. aus Darmstadt)

Eierkauf ist keine einfache Angelegenheit. Käfigeier - und damit auch die aus der neuen Kleingruppenhaltung - verbieten sich ohnehin, Eier von Bodenhennen unterstützen meist die Massentierhaltung, den Hühnern aus Freilandhaltung fehlen oft schützende Bäume und Sträucher auf dem Gelände. Und nun sollen selbst Bio-Eier ökologisch nicht korrekt sein?

Wir haben beim Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel nachgehakt. Dort lautet die klare Antwort auf unsere Leserfrage: Das stimmt nicht. "Auch Bio-Legehennen erhalten ausreichend Kalzium über ihr Futter", erklärt Marion Staack, Wissenschaftlerin im Fachgebiet Nutztierethologie und Tierhaltung. Wie sie weiter ausführt, werden Bio-Hühnern oft zusätzlich Muschelgrit oder Austernschalen angeboten, "denn Kalzium ist für die Eischalenbildung und -festigkeit notwendig", so die Expertin.

Federpicken gibt es doch

Rupfen sich Öko-Hennen also gar nicht die Federn aus? Doch, unter Umständen ja. "Dieses sogenannte Federpicken kann in allen Haltungsformen auftreten", sagt Staack. Allerdings lässt es keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Ernährung der Vögel zu. "Es ist eine Verhaltensstörung, der verschiedene Ursachen zugrunde liegen", erläutert die Fachfrau. "Man nimmt an, dass das Federpicken mit einem fehlgeleiteten Futtersuch- und -aufnahmeverhalten zusammenhängt."

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Wenn sich die Hühner ans Gefieder gehen, ist das eine Verhaltensstörung. Richtige Haltung wirkt vorbeugend.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Um zu vermeiden, dass sich die Hennen ans Gefieder gehen, müssen bei der Aufzucht der Tiere und in der Legephase viele Aspekte berücksichtigt werden. So muss zum Beispiel, wie die Forscherin ausführt, regelmäßig "manipulierbares Material" im Angebot sein. Damit sind Stroh, Heu oder Sand gemeint. Außerdem müssen die Vögel in Sand baden können, sie brauchen einen überdachten Außenklimabereich, einen gut strukturierten Grünauslauf, gesunde Luft im Stall und erhöhte Sitzstangen. Die Hennen müssen genug Platz haben - gerade beim Fressen und Trinken -, und nährstoffhaltige Nahrung zu sich nehmen, darunter Getreidekörner und Rohfasern. Wichtig ist natürlich auch eine fürsorgliche Betreuung der Tiere.

Und das ist noch nicht das Ende der Liste. Staack nennt noch weitere Faktoren, die erfüllt sein müssen, um ein glückliches Hühnerleben zu ermöglichen: Die Vögel sind sensibel, Stress sollte ihnen erspart bleiben. Das gilt besonders beim Übergang von der Aufzucht in den Legebetrieb. Ferner sollten die Tiere immer in kleinen Gruppen gehalten werden, denn sie können sich maximal 50 Artgenossen merken. Sind mehr Hennen in der Herde, kommt es zu sozialen Konflikten und damit auch zum Federpicken oder gar Kannibalismus. Die Herdengröße ist mitunter auch bei Bio-Hennen ein Problem.

Hühnerhaltung - das zeigt diese Auflistung deutlich - ist keine einfache Angelegenheit. Doch wenn es eine Haltungsform gibt, die am ehesten alle genannten Kriterien erfüllt und damit einer Verhaltensstörung der Vögel vorgebeugt, dürfte es die ökologische sein. Am besten ist, Sie kaufen Eier beim Bauern Ihres Vertrauens. Dann können Sie es sich schmecken lassen.

Quelle: n-tv.de