Frage & Antwort

Frage & Antwort Warum heißt es Hals-Nasen-Ohren-Arzt?

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Beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt wird auch in die Nase geschaut.

(Foto: imago/Westend61)

Warum heißen HNO-Ärzte immer Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, obwohl wir doch nur eine Nase haben? (fragt Anita S. aus Hamburg)

Die Frage unserer Leserin kann noch erweitert werden, denn es heißt ja auch Nasenhaare oder Nasenwurzel. Und auch in diesen zusammengesetzten Substantiven geht es jedes Mal nur um eine Nase, denn: "Das N ist in diesen Fällen kein Pluralzeichen", klärt Dr. Kathrin Kunkel-Razum auf. Die Leiterin der Duden-Redaktion erklärt, dass es sich dabei vielmehr um ein Fugenzeichen oder auch Fugenelement handelt und nicht um eine Form des Plurals. Als Fugenelemente bezeichnet man Buchstaben, wenn sie an den Nahtstellen zweier ursprünglich selbstständiger Worte eingefügt werden.

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Kampf dem Fugen-S: Gefunden im Infanteriewerk Sufers, Kanton Graubünden, Schweiz.

(Foto: Kreteglobi, wikipedia)

Das bekannteste Fugenelement ist im Deutschen das S. Das kennt man von Wörtern wie Erbschaftssteuer oder Schönheitsideal. "Es gibt aber auch andere Fugenelemente, wie das E in Badetuch, oder das ES in Tagesform. Außerdem werden noch EN, wie in Heldentat, ER wie in Kinderdorf und selten auch ENS wie in Herzenswunsch als Fugenelemente verwendet", sagt Sprachwissenschaftlerin Kunkel-Razum. Ungefähr 30 Prozent aller Wortzusammensetzungen, sogenannter Substantivkomposita, haben in der deutschen Sprache ein Fugenelement.

Fugenelemente machen auch Probleme

Menschen, deren Muttersprache Deutsch ist, haben beim Sprechen normalerweise keine Schwierigkeiten, zu entscheiden, wann und wo ein Fugenelement eingesetzt werden muss. Beim meistverwendeten S allerdings kommt es, insbesondere beim Schreiben, immer wieder zu Unsicherheiten. "Das liegt vor allem daran, dass es für den Einsatz von Fugenelementen keine strikten Regeln gibt", erklärt die Expertin. In der Rechtssprache beispielsweise ist das Fugen-S üblich, wie in Schadensersatz, in der offiziellen Benennung von Steuern dagegen nicht (Einkommensteuer). Bei Zusammensetzungen mit -besteuerung dagegen wird das Fugen-S auch hier wieder aktiviert (Vermögensteuer, aber Vermögensbesteuerung).

Das N als Fugenelement, wie beim Hals-NaseN-Ohren-Arzt, ist historisch bereits im Grimm'schen Wörterbuch belegt. "Es wird hier als ein Zeichen für einen alten Genitiv bei der sogenannten schwachen Deklination bezeichnet und ist uns bis heute erhalten geblieben", erklärt die Expertin.

Die Fugenelemente sind also keine sprachliche Erfindung aus den letzten Jahrzehnten, sondern über Jahrhunderte erhalten geblieben, obwohl der Schriftsteller Jean Paul (1763 – 1825) gefordert hatte, den verbindenden S-Laut abzuschaffen, weil er unschön, unregelmäßig und unnötig sei. Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt bleibt damit wohl auch in Zukunft ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der sich bei jedem Patienten um nur eine Nase kümmert.

Übrigens: Mit der Frage, ob das Fugen-S in verfassungsgebende Gewalt (wie es im Grundgesetz steht) tolerierbar ist, haben sich Bundesregierung und Bundestag jahrelang beschäftigt. Man kam zu dem Schluss: Die im Bundesgesetzblatt veröffentlichte Schreibweise mit Fugen-S ist hinnehmbar, selbst wenn sie von einigen als falsch empfunden werden sollte. Die Schreibweisen verfassunggebende Gewalt oder gar Verfassung gebende Gewalt (wie sie in Petitionen gefordert worden waren) konnten sich bisher nicht durchsetzen.

Quelle: n-tv.de

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