Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 116 Warum sehen wir die Aschewolke nicht?

Blauer Himmel und kaum eine Wolke am Himmel, schon gar keine schwarze - warum sehen wir die Aschewolke nicht? (fragt Andreas V. aus Jüterbog)

2qik4721.jpg4703588636797654347.jpg

Die Vulkanwolke besteht – anders als eine Regenwolke – nicht aus Wassertröpfchen.

(Foto: dpa)

"Hier in Süddeutschland sehen wir sie durchaus", antwortet Dr. Hans Volkert vom Institut für Physik der Atmosphäre vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Die Antwort überrascht. Bei strahlend blauem Himmel am Tage und sternenklaren Nächten – wo soll denn da die Wolke sein?

"Dieser Begriff 'Aschewolke' ist ein wenig irreführend", so Volkert. "Wir dürfen uns keine Wolke vorstellen, wie wir sie vom Wetter her kennen. Die Vulkanwolke besteht – anders als eine Regenwolke – nicht aus Wassertröpfchen. Wir müssen bei der Aschewolke eher an eine Sandkiste denken, nur, dass die einzelnen Partikel noch viel kleiner und feiner sind als Sandkörner. Hier, in Oberpfaffenhofen, zieht gerade ein Diesigkeitsschleier am Himmel entlang. Und das ist sehr wahrscheinlich ein Teil der 'Aschewolke'."

Konzentration der Ascheteilchen zu gering

Wenn aber zum Beispiel Berliner nicht den leisesten Schleier am Himmel ausmachen können, dann hat das zwei Gründe: "In Berlin und Brandenburg sehen wir die Aschewolke einfach deshalb nicht, weil hier die Konzentration der Ascheteilchen so gering ist", sagt Prof. Dr. Jürgen Fischer vom Institut für Weltraumwissenschaften der Freien Universität Berlin. Partikel, fachsprachlich Aerosole genannt, haben wir, wie Fischer erklärt, "immer in der Luft". Pollen, Bakterien, Staub, Ruß, Seesalz, Asche, Wassertröpfchen – das alles fliegt in den unterschiedlichsten Mengen beständig durch die Atmosphäre, ohne dass wir deshalb den Eindruck hätten, zu wenig Sonne abzubekommen. Sichtbar werden die Partikel erst, wenn sie in sehr großen Konzentrationen vorkommen. Wenn ein Kubikzentimeter Luft rund eine Million Aerosole enthält, dann nehmen wir das als Smog wahr.

"Und was neben der Konzentration eine große Rolle spielt", ergänzt Volkert, "ist die Größe der Teilchen. Die Partikel, die bei uns ankommen, sind sehr klein. Die großen Teile sind nämlich bereits direkt über Island - oder nicht weit davon entfernt - heruntergefallen."

Island_Vulkan_ISL802.jpg2232703770278002121.jpg

Luftbild der Wolke über dem Eyjafjallajökull.

(Foto: AP)

Für Flugzeuge aber können eben auch diese sehr kleinen Teilchen gefährlich werden. Als 2005 eine elf Kilometer hohe Rauchsäule aus dem Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington aufstieg, wurde ebenfalls ein Flugverbot verhängt. Doch davon betroffen waren nur die umgebenden Bundesstaaten – eine dünn besiedelte Gegend. "Das Dilemma beim Ausbruch des Eyjafjallajökull ist, dass sich die Windrichtung seit Tagen nicht geändert hat und nun dicht besiedelte Regionen von der Asche und damit auch vom Flugverbot betroffen sind", betont Volkert von der DLR. Das Flugverbot hält der Wissenschaftler für richtig. "Bei der Aschewolke des Vulkans handelt es sich um ein Phänomen und um eine Gefahr, an die wir uns erst einmal herantasten müssen." Das bedeutet: Daten müssen gesammelt und ausgewertet werden, und dann gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Wie misst man die Asche-Gefahr?

Wie Fischer von der FU Berlin erklärt, können einige Messungen vom Boden aus vorgenommen werden. So lässt sich die Aerosolkonzentration von der Erde aus bestimmen, indem mit einem Sonnenphotometer die Intensität der Sonnenstrahlung bzw. deren Schwächung festgestellt wird. Auch Laser sind im Einsatz. Sie senden einen Lichtstrahl aus, der von den Aerosolen reflektiert wird. Doch um herausfinden zu können, welche Gefahr für Flugzeuge besteht, sind umfangreichere Datensammlungen nötig. Deswegen hat sich die DLR die Wolke "vor Ort", also in der Luft angeschaut. Wie konzentriert und wie groß sind die Vulkan-Aerosole in welcher Höhe? Diese Frage soll mit den auf dem Forschungsflug gewonnenen Daten beantwortet werden.

Die normale Verweildauer der Vulkanasche-Teilchen in der Atmosphäre beträgt übrigens etwa 14 Tage. "Gelangen die Aerosole nicht in die Stratosphäre, also mehr als zwölf Kilometer hoch, dann werden sie früher oder später durch Regen ausgewaschen oder sinken ab", sagt Fischer von der FU Berlin. Und spätestens dann können die Flieger wieder durchstarten.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema