Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 223 Wie entfernt man Zecken richtig?

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Die Zecke vor dem Stich.

(Foto: www.zecken.de)

Die Zeckensaison hat wieder angefangen, und da kann man ja noch so sehr auf der Hut sein, unter Umständen erwischt einen doch mal so ein Tier. Man hört so vieles: nicht mit Öl betupfen, Pinzette muss nicht sein, mit den Fingernägeln geht es auch usw. Was stimmt denn nun wirklich? (fragt Ingo H. aus Eschwege)

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Hier rot eingefärbt: die FSME-Risikogebiete in Deutschland.

(Foto: www.zecken.de)

Welche Gefahren von Zecken ausgehen können, ist bekannt: Knapp jede dritte Zecke trägt den Borreliose-Erreger in sich. Experten gehen davon aus, dass jedes Jahr 50.000 bis 100.000 Menschen in Deutschland durch einen Zeckenstich mit Borreliose infiziert werden. Borreliose ist nicht regional begrenzt. Erkennt man die Krankheit früh, ist sie im Allgemeinen mit Antibiotika gut zu behandeln.

Bei der gefährlichen, ebenfalls durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ist die Situation eine andere: 2011 wurden hierzulande mehr als 400 FSME-Fälle bekannt, gut 85 Prozent davon in Süddeutschland. FSME kann einen schweren und sogar tödlichen Verlauf nehmen. Nach einer anscheinend gesunden Periode von bis zu 20 Tagen können Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, Hirn-, Hirnhaut- und Rückenmarksentzündung folgen. Es gibt kein Medikament, das gegen die Viruserkrankung hilft.

Zecken sollten unbedingt vom Körper entfernt werden. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, gilt es dabei einiges zu beachten:

Der Zeitpunkt: Je früher die Zecke entfernt wird, umso besser. FSME-Viren können schon wenige Minuten nach dem Einstich übertragen werden, denn sie befinden sich in der Speicheldrüse der Zecke. Borreliose-Erreger aber wandern erst 12 bis 24 Stunden nach dem Einstich durch den Rüssel der Zecke in den menschlichen Körper. Die Gefahr einer Borreliose-Infektion lässt sich also durch rasches Entfernen der Zecke stark reduzieren.

Das Werkzeug: Dem Parasiten lässt sich mit einer Zeckenzange, Zeckenkarte oder auch einer Pinzette zu Leibe rücken. Klebstoff sollte genauso wenig zum Einsatz kommen wie Öl. Denn bevor die Zecke an diesen Stoffen erstickt, gerät sie in Panik und erbricht sich. Dabei scheidet sie Erreger aus, und zwar unmittelbar in die Stichstelle hinein.

Die Vorgehensweise: Es ist wichtig, die Zecke in ihrem eigenen Kopfbereich möglichst nah an der Einstichstelle zu fassen. "Dehnen Sie die Haut vorsichtig im Bereich der Zecke, fassen Sie die Zecke im Kopfbereich so nah wie möglich an der Haut und ziehen Sie sie dann senkrecht vorsichtig heraus", rät Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln. Wenn der Zug gut 60 Sekunden anhält, löst sich die Zecke meist von allein aus der Haut. Auf Drehbewegungen sollte man verzichten, denn sie können dazu führen, dass die Zecke zerreißt und ihr Kopf in der Wunde verbleibt. Und noch etwas ist zu berücksichtigen: Der Zeckenkörper darf nicht gedrückt oder gequetscht werden. Die erregerhaltige Flüssigkeit würde sonst allzu leicht aus dem Zeckenleib in die Stichstelle und damit in die menschliche Blutbahn gelangen.

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Der Westen Europas ist bislang nicht von FSME betroffen.

(Foto: www.zecken.de)

Die Nachbehandlung: Eine Desinfektion der Stichstelle ist ratsam. Stecken noch Reste der Zecke in der Wunde, sollte man einen Arzt aufsuchen. Es ist vorteilhaft, einen Zeckenstich im Kalender zu vermerken, denn es kann Tage oder Wochen dauern, bis sich Symptome zeigen, von denen dann zu klären ist, ob sie mit dem Zeckenstich in Verbindung stehen. Bildet sich um die Stichstelle ein roter Fleck, der sich ausdehnt, kann das ein Anzeichen für eine Borreliose-Infektion sein. Sowohl Borreliose als auch FSME gehen mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder auch Erbrechen einher.
Wer die einst am Körper hängende Zecke aufhebt, kann sie in einem Labor auf Krankheitserreger analysieren lassen. Das Ergebnis ist unter Umständen ein erster Hinweis auf eine eigene Infektion.

Die Vorbeugung: Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Lebt man in einem Risikogebiet, also zum Beispiel in Süddeutschland, sollte man von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Gleiches gilt für alle, die Urlaub in Österreich oder Osteuropa planen. Wer drei Wochen vor Reiseantritt zum Impfen geht, ist auf der sicheren Seite.

Vor Borreliose gibt es einen solchen Schutz nicht. Um ihr auszuweichen, empfiehlt es sich, bei Spaziergängen im Grünen die Socken über die Hose zu ziehen. Lange Ärmel sind hilfreich, ebenso helle Kleidung. Denn darauf lassen sich Zecken gut erkennen und direkt entfernen. Auch insektenabweisende Mittel wirken eine Weile. Da sich Zecken in Gräsern und Gebüsch aufhalten, sollte man sich im Wald nicht durchs Unterholz schlagen, sondern auf den Wegen bleiben. Und bei all diesen Maßnahmen bleibt am Ende des Tages noch eine weitere Aufgabe: Sich abschließend nach Zecken abzusuchen, gehört zum Ausflug dazu.

Quelle: ntv.de