Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 355 Wie geht man mit Wut am besten um?

wut2.jpg

Wer wütend ist, verliert an Souveränität. Das gilt auch, wenn sich Maestria und Miraculix auf Sächsisch anschreien.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Was ist eigentlich besser, wenn man wütend ist: Sollte man seinem Gefühl Luft machen und auf ein reinigendes Gewitter setzen? Oder sollte man die Wut runterschlucken, auch wenn das bedeutet, dass man tagelang schlecht gelaunt ist, weil es in einem gärt? (fragt Katrin P. aus Augsburg)

Wut ist eine schwierige Emotion. Sie scheint einen zur sofortigen Handlung anzutreiben. Wer wütend ist, steht unter Druck – ähnlich wie ein Schnellkochtopf. Und dann hilft eben nur eines: Dampf ablassen. Oder?

Grundsätzlich ist das nicht falsch, allerdings sollte es wohldosiert geschehen. In Rage loszubrüllen, verschafft vielleicht Erleichterung, zielführend ist es jedoch nicht. Allzu oft eskaliert die Situation, selbst wenn das Gegenüber einen kühlen Kopf bewahrt. Denn Wut verleitet rasch zu Äußerungen und Handlungen, die man später bereut. Und auch Respekt verspielen sich die, denen öfter mal der Kragen platzt, recht schnell. Sie gelten als unausgeglichen oder gar cholerisch, man geht ihnen aus dem Weg. Schließlich will niemand beim nächsten Wutanfall in die Schusslinie geraten. Konstruktive Gespräche sind dann ohnehin nicht möglich.

Psychologe Johannes Vennen aus Kiel beschreibt Wut auf unsere Leserfrage hin als "eine übersteigerte und daher unangemessene Ärger-Reaktion". Vennen nimmt eine klare Trennung vor zwischen Wut einerseits und Ärger andererseits: "Wut geht mit einer starken emotionalen Erregung einher", so der Psychologe. "Und die führt dazu, dass ich weniger rational und auch weniger souverän reagiere." Ganz anders der bodenständige Ärger: "Der ist erstmal angemessen, denn er verschafft mir die nötige Energie, um mich zu wehren, wenn ich etwas Störendes erlebt habe", führt Vennen aus.

Singen würde helfen

So weit, so gut. Doch wie staucht man die Wut, die gerade in einem hochkocht, auf ein gesundes Maß an Ärger zusammen? "Da sind bestimmte Atemtechniken hilfreich", sagt der Experte. "Wenn man wütend ist, wird nämlich der Atem flacher." Seinen Klienten bringt der Psychologe daher die Bauchatmung bei. Die wirkt dem Stress entgegen, und die Aufregung lässt nach. "Alternativ könnten Sie auch singen!", sagt Vennen mit einem Augenzwinkern. Er weiß: "Das ist im Fall von Wut schwer zu realisieren …" Wer die Möglichkeit dazu hat, kann die Wut zudem in Bewegung umsetzen und ihr bei einem Spaziergang um den Block die Spitze nehmen. Sich vom Wutauslöser räumlich zu entfernen, tut gut. Und ein wenig Zeit verstreichen zu lassen, bevor man wieder aufeinander trifft, kann die Gemüter ebenfalls beruhigen.

Langfristig sollte dann geklärt werden, warum man überhaupt mit Wut reagiert und nicht bloß mit Verärgerung. "Meistens sind Normen verletzt, die für den Menschen 'heilig' sind, und das treibt ihn dann zur Wut an", erklärt der Psychologe. "Oder aber man benötigt die Wut, um seine Angst vor Konflikten zu überwinden. Dann wird man zum Angstbeißer."

Zu viel Kontrolle ist ungesund

Auch ein Gefühl der Machtlosigkeit und der Eindruck, ohne Wut nicht gehört zu werden, können eine Rolle spielen. Doch ein souveränes, selbstsicheres und wirksames Auftreten in Konflikten lässt sich trainieren. Und das sollte das Ziel sein. Denn den Ärger um des lieben Friedens willen komplett runterzuschlucken und das Wut auslösende Thema gar nicht anzusprechen, ist auf Dauer keine Lösung. "Ein Zuviel an Kontrolle kann tatsächlich krank machen", sagt Vennen. "Das gilt auch für die gesunde Ärger-Reaktion."

Und wie reagiert man umgekehrt am besten, wenn man es mit einem wutschnaubenden Menschen zu tun hat? "Es entschärft die Situation, wenn man Verständnis für die Position des Gegenübers aufbringen kann. Dafür muss man dessen Auffassung gar nicht teilen. Man kann trotzdem Wertschätzung zum Ausdruck bringen", sagt der Psychologe. "Allerdings", das räumt er ein, "gelingt das nur, wenn man selbst einigermaßen ausgeglichen ist."

Womöglich hat man aber Probleme, nach dem übertriebenen Angriff nicht ebenfalls zu explodieren. "Dann empfehle ich einen wie auch immer gearteten Timeout, um sich herunterzufahren", so Vennen. "Zwei wütende Kontrahenten kommen selten zu gut reflektierten Lösungen. Dafür wird ihr Verhalten zu stark von stammesgeschichtlich älteren Hirnregionen gesteuert." Wie oben schon angedeutet: Setzt die Wut ein, zieht der Verstand einfach den Kürzeren.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema