Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 264 Wie ist es im Weltraum?

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Außenbordeinsatz an der ISS: Sähen Astronauten nicht aus wie Michelin-Männchen, würden sich Stickstoffblasen in ihrem Blut bilden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zu dieser Frage gibt es viel zu sagen. Doch erstaunlicherweise kann es gelingen, sie in aller Kürze – in nur 12 ½ Tweets nämlich – zu beantworten. Marcus Chown und Govert Schilling zeigen, wie das geht. Die beiden Wissenschaftsjournalisten erklären die größten Phänomene des Universums via Twitter – und haben daraus ein Buch gemacht.

Heute lassen wir Marcus Chown und Govert Schilling auf die Frage der Woche antworten. Chown schreibt für den britischen "New Scientist". Außerdem ist er geübt darin, alles über Planeten & Co. in nicht mehr als 275 Wörtern zu erklären. Denn nur so passt es auf den Bildschirm eines iPads … Schilling dagegen - er schreibt unter anderem für "National Geographic" - hatte bei der niederländischen Zeitung "De Volkskrant" eine Tweet-Kolumne zur Astronomie.

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"Das Universum twittern" ist bei dtv erschienen.

Schließlich haben es sich beide Wissenschaftsjournalisten gemeinsam zur Aufgabe gemacht, in kurzen Sätzen und ohne überflüssige Worte große Zusammenhänge zu skizzieren: 140 Themen haben sie für ihr Buch "Das Universum t wittern" ausgewählt. In jeweils 15 mal 140 Zeichen (Maximum) bringen Chown und Schilling den Lesern die Phänomene zwischen Himmel und Erde näher. Sie erklären, wie der Mond die Erde beeinflusst und wie das Sonnensystem entstanden ist. Sie erörtern, ob es tatsächlich ein Killer-Asteroid war, der die Dinosaurier aussterben ließ. Und auch vor der Frage, ob die Galaxien, die wir sehen, möglicherweise eine Illusion sind, schrecken sie nicht zurück.

Herausforderung für alle Beteiligten

Komplexeste Sachverhalte stellen Chown und Schilling in aller Kürze dar. Eine Herausforderung – natürlich zunächst mal für die, die da schreiben. Dann aber auch für die Übersetzerin Birgit Brandau. Denn sie musste das "Gezwitscher" aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, ohne dabei die 140-Zeichen-Grenze zu überschreiten. Und dann sind da noch die Leser. Auch sie sind gefordert. Denn natürlich muss das Wissen, damit es in einige wenige Tweets passt, bestmöglich komprimiert werden.

Komplizierte Vorgänge nochmal mit anderen Worten beschreiben? Dafür ist kein Platz. Die Leser Gedankengang für Gedankengang zur Pointe der Erkenntnis führen? Auch das funktioniert nur bedingt. Und dennoch sind die Kurzmitteilungen oft überraschend ausführlich. Ohne Mitdenken geht es nicht, wenn man Chowns und Schillings Tweets folgt. Doch wenn das gelingt, fühlt man sich nach jeweils 15 Tweets tatsächlich informiert – auf amüsante Weise.

"Im Weltraum hört niemand deinen Schrei"

Wie es nun also im Weltraum ist? Chown und Schilling kommen direkt zur Sache. Ihr erster Tweet auf diese Frage lautet:

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Im All gibt es keine Luft und keinen Schall, dafür aber sehr viel Strahlung.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Im Weltraum hört niemand deinen Schrei, denn S chall ist eine Luftvibration, & im All gibt es keine Luft, die vibrieren kann."

Keine Luft, die vibrieren kann? Das allein klingt nicht so dramatisch. Doch wenn man weiß, dass damit jeder Hilferuf im Keim erstickt ist, kann man sich vorstellen, was es bedeutet. Sonderlich einladend hört es sich jedenfalls nicht an. Und die nächste Enttäuschung folgt sofort. Denn im zweiten Tweet auf die Frage, wie es im All so ist, heißt es:

"Laserstrahlen sind unsichtbar (sorry, Star-Wars-Fans). Denn Staub in der Luft streut das Licht von einem Laserstrahl ins Auge."

Wie ernüchternd … In den folgenden Tweets nun wird es ernst:

"Es ist unbeschreiblich kalt. Denn es gibt nur sehr, sehr wenige Atome, die uns treffen & dabei Wärme übertragen können.

Der Raum zwischen den Planeten enthält etwa 10 Atome pro cm3 (ein gutes irdisches Vakuum 100.000 & die Luft auf Meereshöhe 30 Mrd. Mrd.).

Ohne Atome, die Wärme abtransportieren, ist Überhitzung genauso ernst zu nehmen wie Erfrieren. Raumanzüge müssen gewärmt & gekühlt werden.

Ohne Luft zum Atmen müssen Astronauten ihren eigenen Luftvorrat mitbringen; normalerweise in Flaschen wie beim Gerätetauchen.

Es gibt keinen Druck. Wir leben mit einer 50-km-Luftsäule, die auf uns drückt (2 Elefanten) – Raumanzüge müssen unter Druck stehen.

Sähen Astronauten nicht wie Michelin-Männchen aus, würden sich Stickstoffblasen in ihrem Blut bilden (Tiefenrausch) & sie umbringen.

Man ist schwerelos. Im Orbit fällt man ständig Richtung Erde (kommt aber nie an). Im freien Fall verspürt man die Gravitation nicht.

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Zum Mars ist es ein weiter Weg. Wahrscheinlich wäre ein Zwischenstopp auf dem Mond nötig.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Es besteht ständige Gefahr durch Strahlung von der Sonne & we iter weg (kosmische Strahlung). Das Erdmagnetfeld fungiert unten als Schirm.

Astronauten berichten von merkwürdigen Lichtblitzen: wohl sehr schnelle subatomare Partikel, die durch Flüssigkeit im Augapfel schießen.

Strahlengefahr wird als Hauptgegner bemannter Raumerkundung gesehen. Astronauten sind ihr beim Flug zum Mars 6 Monate lang ausgesetzt."

Mensch ist nicht fürs All geschaffen

So weit die Erklärung. Kurz. Faktenreich. Interessant. Aber auch eine Aufforderung, über den einen oder anderen Inhalt, der zu Fragezeichen im Kopf führt, selbst weitergehende Recherchen anzustellen.

Ein Fazit lassen sich die Autoren übrigens trotz aller Kürze nicht nehmen. Der letzte Tweet heißt: "Wird allmählich klar, dass Menschen nicht für das Leben im All geschaffen sind?!"

Das ist doch eigentlich alles, was man wissen muss. Oder?

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Quelle: ntv.de