Frage & Antwort

Reines Nutztierprinzip Wie werden Erdbeeren unter Folie bestäubt?

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In Gewächshäusern und Folientunneln werden oftmals Hummeln zur Bestäubung ausgesetzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Endlich Erdbeerzeit! Damit die begehrten Früchte auch bei tieferen Temperaturen und bedecktem Himmel reifen, werden die Pflanzen in Gewächshäusern oder unter Folien gesetzt. Aber wie kommen dort Bienen und Blüten für die Bestäubung zusammen?

Erdbeeren gehören zum beliebtesten Obst in Deutschland. Bereits ab Ende April kann man einheimische Früchte genießen. Mieze Schindler, Senga Sengana oder Korona sind nur einige Namen der mehr als 1000 Erdbeersorten. Doch bevor man die rote Köstlichkeit ernten kann, muss eine Erdbeerpflanze Blüten bilden und diese müssen wiederum bestäubt werden. Das kann auf mehreren Wegen erfolgen, per Wind-, Insekten- oder Handbestäubung.

Eine Blüte ist bestäubt und bildet eine Frucht aus, wenn der Pollen, also der männliche Teil einer Blüte, direkt auf das Fruchtblatt, also den weiblichen Teil der Blüte gelangt. Das kann durch Insekten wie Bienen und Hummeln passieren, die beim Sammeln von süßem Nektar und eiweißreichem Pollen von Blüte zu Blüte fliegen. Bei dieser Arbeit bleibt ein Teil des Blütenpollens am Haarkleid oder den Beinen der Tiere kleben und fällt beim Sammeln auf der nächsten Blüte wieder ab. Die Bestäubung durch Insekten gilt deshalb als die beste Variante.

Bei der Windbestäubung wird der gelbe Pollen, der umgangssprachlich auch als Blütenstaub bezeichnet wird, erst durch die Luft getragen und landet schließlich auf dem Fruchtblatt einer Blüte. Bei dieser Art der Befruchtung bleiben viele Faktoren willkürlich, das bedeutet, die Erträge der Erdbeerbauern hängen von vielen Zufällen ab.

Auf Nummer sicher

Erdbeerproduzenten vertrauen jedoch ungern auf Zufälle. Sie sind an hohen Erträgen, mit denen Geld verdient werden kann, interessiert. Für bessere Erträge wird nicht nur der Boden mit Vlies, Stroh oder Folie abgedeckt, sondern die Pflanzen werden auch in Folienhäusern,  Wandertunneln oder Gewächshäusern untergebracht. So können die empfindlichen Blüten besser vor Wetterkapriolen wie Kälteeinbrüchen oder Starkregen geschützt und zudem zwei bis drei Wochen früher geerntet werden. Doch wie kommen nun die befruchtenden Insekten zu den Blüten?

Auch da gibt es verschiedene Ansätze. Für Erdbeeren, die unter freiem Himmel wachsen, lassen manche Erdbeerbauern Wind und Insekten freien Lauf, andere bestellen Bienenvölker, um höhere Erträge zu bekommen. Beim Anbau in Folientunneln oder Gewächshäusern werden diese, sobald die Witterung es zulässt, geöffnet, damit Wind und Insekten bestäuben können.

Der Trend geht jedoch zum gezielten Einsatz von Hummeln, die direkt bei Züchtern bestellt und gekauft werden. Die zugesandten Tiere werden in Boxen zu den Pflanzen gesetzt, damit sie dort ihre Bestäubungsarbeit verrichten. "Das ist aus Tierschutzgründen eine üble Entwicklung", sagt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Deutschland im Gespräch mit n-tv.de. Zum einen ist die Herkunft dieser Hummeln völlig ungewiss. Entkommen solche Tiere oder werden sogar absichtlich in die Natur entlassen, kann es zu einer Faunenverfälschung (nachteilige Veränderung der Tierwelt eines Gebiets) kommen. Diese führt im schlimmsten Fall zur vollständigen Verdrängung einheimischer Arten. Auch eine Schwächung der Art durch genetische Vermischungen, Übertragung von Krankheiten oder Parasiten kann das ökologische Gleichgewicht nachhaltig stören. "Wir wissen noch gar nicht, was wir da tun", betont die Biologin im Gespräch mit n-tv.de und fordert gesetzliche Rahmenbedingungen für Züchtung, Verkauf und den Einsatz von Hummeln zur Bestäubung.

Übrigens: Hummeln werden immer häufiger statt Bienen zur Bestäubung eingesetzt. Schätzungen zufolge werden mehr als eine Million Hummelvölker von Züchtern an Landwirte verkauft. Die wesentlich dickeren Brummer haben für Obstbauern einige Vorteile. Sie fliegen schon kurz nach Sonnenaufgang bei wesentlich geringeren Temperaturen los, sind wind- und wetterresistenter als Bienen und bestäuben auch Tomatenpflanzen. Von denen wollen Bienen gar nichts wissen. Sie haben einen größeren Körper mit mehr Haaren als Bienen, woran auch mehr Pollen kleben bleibt - was wiederum einen höheren Bestäubungserfolg verspricht.

Quelle: n-tv.de

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