Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 185 Zunehmen durch Heirat?

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Viele Menschen heiraten heute im bereits fortgeschrittenen Alter.

(Foto: pixelio, Joachim Hörenz)

Es gibt eine Volksweisheit, die besagt, dass Menschen zwischen Hochzeit und Silberhochzeit zehn Kilogramm zunehmen. Stimmt das? (fragt Beatrice M. aus Lübeck)

"Ich kenne das Sprichwort auch", sagt der Fettforscher Professor Johannes Klein vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, "Ich  denke, dass es für unsere Zeit etwas modifiziert werden muss. Heute geht es nicht so sehr ums Heiraten, sondern vielmehr um das Zusammenleben im gemeinsamen Haushalt."

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Unser Energiehaushalt kann schon eine tägliche Messerspitze Butter zu viel nicht tolerieren.

(Foto: pixelio, Cornelia Menichelli)

Erwiesen ist, dass Frauen ohne Partner wesentlich mehr auf ihre Ernährung achten als Frauen mit Partnern. Im Zusammenleben essen Frauen an der Seite von Männern öfter und mehr Fleisch, Wurst und Süßes. Bei Männern allerdings verhält es sich genau umgekehrt. Das Zusammenleben mit einer Frau wirkt sich positiv auf ihr Essverhalten aus. Sie greifen öfter zu Obst und Gemüse. Insgesamt legen die Deutschen jährlich an Körpergewicht zu.

"Das wundert mich nicht", so Klein. "Schon eine Messerspitze Butter täglich über den Energiebedarf hinaus würde ausreichen, um in 30 Jahren 15 Kilogramm an Körpergewicht zuzunehmen. Eine Messerspitze voll sind ein Gramm Butter pro Tag, also neun Kilokalorien. Unser unbewusst (autonom) arbeitendes System zur Regelung des Energiestoffwechsels ist so extrem fein justiert, dass es dem Körper über Jahrzehnte gelingt, täglich bis auf den Energieunterschied von nur einer Messerspitze voll Butter für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen. Das kommt einer Regelunschärfe von nur 0,3 Prozent gleich. Jeder Ingenieur, der sich mit Regeltechnik beschäftigt, wäre hoch zufrieden, wenn er mit 99,7-prozentiger Genauigkeit beispielsweise einen Heizungsregelkreis einstellen könnte", erklärt Klein.

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Professor Johannes Klein arbeitet auch als niedergelassener Endokrinologe in Lübeck.

Das lässt darauf schließen, dass die Regulation des Energiestoffwechsels von zentraler Bedeutung in der Evolution für das Überleben der Menschen gewesen ist.

Übrigens: Wissenschaftler wissen heute, dass Fettzellen nicht nur Speicherfunktionen haben, sondern auch hormonell hochaktiv sind. Fettzellen können Entzündungs- und Entwicklungsprozesse steuern, die beispielsweise die Knochendichte und die Fruchtbarkeit beeinflussen. Greift man in dieses hochsensible System ein, kann es zu diversen Folgereaktionen wie Unfruchtbarkeit oder Osteoporose kommen.

Quelle: n-tv.de

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