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Der Fundort in Dor
Der Fundort in Dor
Samstag, 19. September 2009

Fundsache, Nr. 709: Bildnis Alexander des Großen

Ulrich W. Sahm, Jerusalem

alexander1.jpgNach Angaben der Archäologen der Universität Haifa gelang es dem Künstler, auf einem weniger als einen Zentimeter hohen und nur 5 Millimeter breiten Stein alle typischen Charakteristiken des Gesichts Alexanders darzustellen. "Der Herrscher ist als junger und kräftiger Mann abgebildet mit einem starken Kinn, einer geraden Nase und lockigem Haar unter einem Diadem", sagte die Archäologin Dr. Ayelet Gilboa von der Universität Haifa.

Zwei amerikanische Experten hätten nach Angaben der Universität das Portrait einwandfrei als Abbildung von Alexander dem Großen identifiziert. Der Stein sei in einer zweifelsfrei hellenistischen Schicht gefunden worden. Über alle Welt verteilt, in Museen und Privatsammlungen gebe es ähnliche Portraits Alexanders, doch liege deren Herkunft meist im Dunklen. Einige könnten Fälschungen sein. Der Fund des Steins bei einer wissenschaftlichen Ausgrabung in einer hellenistischen Umgebung sei nach Angaben der Universität sehr selten.

Personenkult zu Propagandazwecken

Alexander der Große war der erste griechische Herrscher, der mit seinem Abbild eine Art Personenkult für propagandistische Zwecke betrieb. Büsten, Statuen, Münzen und Siegel wurden mit seinem Abbild geschmückt und in seinem Reich, das bis Indien reichte, verteilt. Seitdem ahmten viele Herrscher und Diktatoren diese Form der Propaganda nach. Die meisten Alexander-Abbildungen stammen aus großen Städten wie Alexandrien in Ägypten und Seleukia in Syrien. Der Fund in der eher abgelegenen Hafenstadt bedeutet nach Angaben der Universität, dass auch Menschen in der Peripherie einen Sinn für wertvolle Kunst gehabt hätten.

Dor am Mittelmeer war schon seit der Bronzezeit (ab 2000 v. Chr.) eine Hafenstadt und wurde erst in Jesu Zeit durch Caesarea abgelöst. Alexander der Große hatte Dor im Jahr 332 v. Chr. mutmaßlich "ohne Widerstand" eingenommen, nachdem er Tyros im Libanon eroberte und sich auf dem Weg nach Ägypten befand.

Quelle: n-tv.de