Fundsache

Fundsache, Nr. 1127 Flugsaurier bei Regensburg

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Das Flugsaurier-Skelett unter UV-Licht: bis ins kleinste Detail perfekt erhalten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nur 14 Zentimeter lang, große Augen und kurze Hinterbeinchen: Der kleinste je in Europa entdeckte Langschwanzflugsaurier stammt aus dem Oberjura-Plattenkalk nordwestlich von Regensburg und war vermutlich noch ein Baby. Das 150 Millionen Jahre alte Fossil ist in Solnhofen im Bürgermeister-Müller-Museum sehen.

"Die filigranen Knochen dieses Flugsauriers sind bis in feinste Details so perfekt erhalten, dass man meinen könnte, es läge ein heutiges Knochenskelett in der Gesteinsplatte", sagte Museumsleiter Martin Röper. "Dass es sich um ein Jungtier handelt, zeigen unter anderem die relativ großen Augen, die Kopfform sowie die Beschaffenheit der Extremitätenknochen." Funde von versteinerten Jungtieren sind grundsätzlich sehr selten.

Seltsam geformte Flugfingerknochen

Der Flugsaurier namens Bellubrunnus rothgaengeri, den die Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift "PloS ONE" beschrieben, ist der bisher einzige Fund dieser Art und Gattung. Er verfügte über seltsam geformte äußerste Flugfingerknochen. "Die stark nach außen gekrümmten Flügelspitzen könnten bei Flugmanövern eine wichtige aerodynamische Rolle gespielt haben", erläuterte David Hone, der das Forscherteam leitete.

Die teils winzigen Skelettknochen wurden im ultravioletten Licht untersucht. "Unter UV erkennt man viele Details, die im normalen Licht nicht sichtbar sind, wie zum Beispiel den Bau der Schädelknochen, feinste Knochengrenzen oder nur gering verknöcherte Skelettelemente", sagte Helmut Tischlinger, der die Analyse vorgenommen hatte. "Das ist ein sehr wichtiges Stück, weil es der erdgeschichtlich älteste Fund eines Flugsauriers aus den süddeutschen Plattenkalken ist."

Hübsch und gut erhalten

Der Saurier ist nach seiner Finderin, der Regensburgerin Monika Rothgaenger, benannt, die vor zwei Jahrzehnten für die Wissenschaft die Fossillagerstätte Brunn im Landkreis Regensburg erforschte. Der Gattungsname Bellubrunnus (lat. "bellus" hübsch) weist darauf hin, wie ungewöhnlich gut erhalten das Fossil ist.

In Solnhofen ist derzeit auch ein anderer Baby-Saurier ausgestellt: ein ebenfalls sehr gut erhaltener, 150 Millionen Jahre alter Raubsaurier namens Sciurumimus albersdoerferi ("Eichhörnchen-Nachahmer") aus dem Raum Kelheim. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichteten, trug das Tier einen Daunenflaum - die Saurier waren offenbar keine reinen Kaltblüter. Der rund 70 Zentimeter große Raubsaurier, verwandt mit dem berüchtigten Tyrannosaurus, ist zu 98 Prozent vollständig und Experten zufolge eine der weltweit besterhaltenen Saurier.

Quelle: ntv.de, dpa

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