Fundsache

Fundsache, Nr. 749 Galileis Finger gefunden?

2nqf2236.jpg505435447932443630.jpg

Der Mittelfinger Galileos in einem Glas: Nun will das Florentiner "Museum für die Geschichte der Wissenschaft" zwei weitere Finder und einen Zahn wiedergefunden haben.

(Foto: dpa)

Der einst als Ketzer verfolgte geniale italienische Physiker und Mathematiker Galileo Galilei hätte sich wohl zu Lebzeiten nicht träumen lassen, dass seine Körperteile wie Reliquien verehrt und aufgehoben einmal in einem Museum landen könnten. Nun will das Florentiner "Museum für die Geschichte der Wissenschaft" zwei seiner Finger und einen Zahn wiedergefunden haben. Im kommenden Frühjahr sollen die unheiligen Reliquien anlässlich der Namensänderung des Museums in "Museo Galileo" erstmals ausgestellt werden.

"Wir haben die abgeschnittenen Finger und den Zahn von einem Sammler erhalten", erzählt Paolo Galluzzi, seines Zeichens Direktor des "Museo della Storia della Scienza" über den Fund. "Der hat auf einer Auktion eine Galilei-Büste samt Holzkiste mit der Aufschrift "Relikte aus dem 17. Jahrhundert" erworben und beim Anblick des Inhalts Verdacht geschöpft." Da der Sammler anonym bleiben wolle, könne das Museum keine weiteren Details bekanntgeben. Galluzzi selbst hat jedoch keinen Zweifel, dass es sich bei den gruseligen Stücken um Körperteile des berühmten Sternguckers handelt. So war der wegen seines heliozentrischen Weltbildes verfolgte Astronom bei seinem Tod 1642 zunächst unehrenvoll unter dem Glockenturm der Florentiner Kirche Santa Croce begraben worden. Bei seiner feierlichen Umbettung innerhalb derselben Basilika waren ihm 1737 drei Finger, ein Zahn und ein Wirbel "entwendet" worden. Während sich zwei dieser "laizistischen Heiligtümer" - der Mittelfinger und ein Wirbel - seit Jahrzehnten in Florenz und Padua befänden, seien die anderen gruseligen Reste seit 1905 bis heute spurlos verschwunden gewesen.

Bis ins Detail identisch

"Wir hatten aber eine genaue Beschreibung von der Person, die Anfang des letzten Jahrhunderts Galileos Überreste und ihr Behältnis zuletzt gesehen hatte", so der Museumschef. Und das nun aufgetauchte "Marmeladenglas" sei mit der Beschreibung von 1905 identisch bis aufs kleinste Detail.

2nqf3005.jpg5541312512299895078.jpg

Ein zeitgenössisches Bild des Physikers und Mathematikers Galileo Galilei.

(Foto: dpa)

Das Florentiner Museum plant nun die wiedergefundenen Körperteile im März 2010 auszustellen, wenn auch erst nach der Öffnung des Glases und einer gründlichen "Renovierung" der guten Stücke. "Die Menschen haben Galileo gewissermaßen als weltlichen Heiligen angesehen", kommentiert der Museumsdirektor nicht ohne Schmunzeln. "Er war ein Held und ein Martyrer auf dem Altar der Freiheit des Geistes und der Forschung", daher seien ihm auch die Finger abgetrennt worden, mit denen er schrieb: "Genau wie es mit kirchlichen Heiligen gemacht wurde".

1633 gezwungen, seinen Theorien abzuschwören, um der Inquisition zu entgehen, war Galileo 1642 unter Hausarrest auf seinem Anwesen in Arcetri bei Florenz gestorben. Erst im 20. Jahrhundert wurde mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine vorsichtige Rehabilitierung Galileos eingeleitet. Später hatte sich Papst Johannes Paul II. mit einer Prüfungskommission dafür eingesetzt, den Fall Galileo zu untersuchen. Die Untersuchung endete 1992 mit einem öffentlichen "mea culpa" des Papstes: Die Kirche hatte sich geirrt.

Quelle: n-tv.de, Katie Kahle, dpa