Fundsache

Fundsache, Nr. 501 Mittel gegen Prostatakrebs

US-Forscher haben ein neues Mittel gegen Prostatakrebs erfolgreich im Labor getestet. Der Wirkstoff namens MDV3100 könnte für jene zehn Prozent der Patienten interessant sein, die unter einer besonders aggressiven Form des Karzinoms leiden und bei denen herkömmliche Medikamente nicht mehr anschlagen, berichten Forscher um Charles Sawyers vom Memorial-Sloan-Kettering-Krebszentrum in New York im US-Fachjournal "Science". Bei Versuchen mit Mäusen schrumpften transplantierte menschliche Tumore, die sich mit gängigen Mitteln nicht mehr behandeln ließen. "Es ist möglicherweise ein neuer und besserer Weg zur Behandlung von Prostatakrebs", sagte Philip Kantoff vom Dana-Farber-Krebsinstitut in Boston, der an der Veröffentlichung nicht beteiligt ist, dem Journal.

Bei Prostatakrebs führen oft genetische Veränderungen in den Zellen dazu, dass Sexualhormone wie Testosteron ein ungebremstes Zellwachstum auslösen. Die meisten Patienten erhalten dann Medikamente, die die Produktion dieser so genannten Androgene bremsen sollen. Wächst der Tumor trotzdem weiter, werden Medikamente eingesetzt, die an den Rezeptoren für Androgene ankoppeln und diese blockieren. Nach einer gewissen Zeit allerdings wirkt diese Behandlung nicht mehr. An diesem Punkt setzte Sawyers an.

Medikamente regten Wachstum an

Im Jahr 2003 fand er heraus, warum die Medikamente bei fortgeschrittenem Prostatakrebs schließlich versagten. Die Zellen stellten eine so hohe Zahl von Androgen-Rezeptoren her, dass die Medikamente das Tumorwachstum auf diesem Umweg sogar anregen konnten anstatt es zu verhindern. Ein Team um den Chemiker Michael Jung von der Universität von Kalifornien in Los Angeles produzierte 200 androgenähnliche Verbindungen. Darunter wählten sie solche aus, deren Moleküle an dem Androgenrezeptor ankoppelten, ihn aber nicht aktivierten.

In einer klinischen Studie mit MDV3100 sank der Spiegel des prostataspezifischen Antigens (PSA), eines wichtigen Tumor-Indikators, bei 13 von 30 Patienten um mindestens 50 Prozent. Die Probanden litten unter einem fortgeschrittenen Krebs, andere Medikamente hatten bei ihnen bereits versagt, heißt es in "Science" weiter. Doch selbst wenn MDV3100 das Leben solcher Patienten verlängern könnte, erwarten die Forscher, dass der Tumor mit der Zeit auch auf diese Behandlung nicht mehr reagiert. Sie hoffen aber, dass eine kombinierte Therapie mit weiteren Medikamenten erfolgreich sein könnte. Die Wissenschaftler betonen aber, dass zunächst weitere klinische Studien nötig sind.

Quelle: ntv.de