Fundsache

Fundsache, Nr. 1031 Uralt-Viren nachgewiesen

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Florian Witzmann freut sich über den spektakulären Fund.

(Foto: Museum für Naturkunde Berlin)

Der Wirbel eines pflanzenfressenden Dinosauriers, der vor rund 150 Millionen Jahren lebte, erscheint den Forschern des Naturkundemuseums Berlin eigenartig. Florian Witzmann und Oliver Hampe entschließen sich, das Fossil näher unter die Lupe zu nehmen und entdecken die Symptome einer durch Viren hervorgerufenen Knochenerkrankung.

Forscher des Naturkundemuseums Berlin haben an einem Wirbelknochen eines Dinosauriers eigenartige Verformungen entdeckt und konnten diese mit Hilfe modernster Technik und Experten der Charité als Paget-Krankheit identifizieren. Florian Witzmann und Oliver Hampe weisen damit indirekt die Existenz von Viren vor 150 Millionen Jahren nach. Das ist der bisher älteste gefundene Beleg für die lange Existenz krankmachender Keime auf der Erde. Die Ergebnisse werden in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Current Biology" veröffentlicht.

"Das war ein reiner Zufallsfund", erzählt Oliver Hampe, Paläontolge am Naturkundemuseum Berlin, im Gespräch mit n-tv.de. "Wir haben nicht speziell nach Erkrankungen bei der Sichtung der Knochen gesucht. Meinem Kollegen Florian Witzmann fiel der Wirbelknochen wegen seiner besonderen Form auf und so entschieden wir, diesen Wirbel mit der Mikro-Computertomografie zu durchleuchten."

Dino mit Knochenkrankheit

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Die Grafik zeigt Strukturveränderungen durch die Paget-Krankheit an einem Dinosaurierknochen.

(Foto: F. Wieder, A. Hilger, HZB)

Und tatsächlich wurden die Forscher fündig. An dem pathologisch veränderten fossilen Knochen des Dysalotosaurus lettowvorbecki erkannten sie Merkmale, die charakteristisch für die gutartige Knochenerkrankung mit dem Namen Paget sind. Der untersuchte Wirbelknochen des Pflanzenfressers zeigte eine gleichmäßige Verdickung im mittleren Abschnitt sowie eine blumenkohlförmige Oberflächenstruktur. Beim radiologischen Durchleuchten konnten die Experten einen Knochenabbau im inneren Bereich und einen Knochenanbau im äußeren Bereich erkennen, der schließlich zur Verdickung der Außenschicht geführt hat. Mediziner der Charité und Spezialisten des Helmholtz-Zentrums Berlin für Materialien und Energie bestätigten schließlich die Vermutungen, dass eine Paget-Erkrankung beim Saurier vorgelegen haben muss.

Paget ist eine Knochenerkrankung, die bisher nur beim Menschen und bei Primaten bekannt war. Sie wird durch masernähnliche Viren ausgelöst. Humanmediziner vermuten, dass auch genetische Defekte an einer Erkrankung beteiligt sind. Auch bei Paget-Kranken vergrößern sich die Knochen und werden im Laufe des Krankheitsprozesses immer schwächer. Hauptsächlich der Schädel, die Wirbelsäule und die Beckenknochen verändern sich bei Paget-Patienten.

Einschränkungen durch Paget

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Florian Witzmann (l.) und Oliver Hampe vor einem Skelettaufbau des Dysalotosaurus lettowvorbecki im Naturkundesmuseum Berlin.

(Foto: Museum für Naturkunde)

Der befallene Wirbelknochen stammt von einem kleinen, pflanzenfressenden Saurier, der sich auf zwei Beinen ziemlich schnell, wahrscheinlich auch springend, fortbewegt haben muss. Er wird der Gattung Dysalotosaurus lettowvorbecki zugeordnet, umgangssprachlich auch als Gazellensaurier bezeichnet und lebte in Herden mit vielen Tieren zusammen. "Es ist nicht eindeutig zu klären, woran das Tier mit der Paget-Krankheit gestorben ist. Mit hoher Sicherheit kann man jedoch annehmen, dass es die knöchernen Veränderungen zumindest auf irgendeine Art im Leben behindert haben muss und wahrscheinlich auch das Leben verkürzt haben kann", sagt Hampe über die Auswirkungen der Erkrankung.

Insgesamt wurden, auch zu Vergleichszwecken, mehrere Knochen untersucht. "Wir verfügen hier im Naturkundemuseum über eine sehr große Sammlung von fossilen Knochenresten, die von den Tendaguru-Grabungen aus dem Jahre 1913 in Tansania stammen. Der Wirbelknochen stammt aus einer Fundstelle, an der über 20.000 Knochenreste von Dysalotosaurus geborgen werden konnten. Aus der nach dem Zweiten Weltkrieg übrig gebliebenen Knochenresten haben wir alle gesichtet, zahlreiche untersucht und keine weiteren Hinweise auf Paget-Erkrankungen gefunden", so Hampe.

Quelle: n-tv.de

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