Riekes Rückspiegel

Was war am 28. Oktober? Als der Kongress die USA trockenlegte

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Und weg damit: Während der US-Prohibition wurde hektoliterweise Alkohol vernichtet.

(Foto: imago/United Archives International)

Armut, Prostitution, Kriminalität - doch wie diesen Sündenpfuhl trockenlegen? Vor 100 Jahren leitet der US-Kongress die Ära der Prohibition ein. Die Gesetze haben nicht nur Geburtsfehler, sondern verfehlen auch noch ihre Ziele.

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Wussten Sie, dass … eines der berüchtigtsten US-Gesetze heute vor 100 Jahren verabschiedet worden ist? Am 28. Oktober 1919 beschloss der Kongress den "National Prohibition Act" und stellte so die finale Weiche auf dem Weg zur Ära der Prohibition.

Armut, Prostitution, Kriminalität - den Initiatoren der Prohibitionsgesetze wurde es mit Fortschreiten des 20. Jahrhunderts zu bunt und ihnen dämmerte: die Wurzel allen Übels muss im Alkohol liegen. Und damit der US-amerikanische Sündenpfuhl ein für alle Mal trockengelegt werde, ersannen sie den 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Zwar war dieser bereits am 16. Januar 1919 ratifiziert worden, doch wies er eine entscheidende Lücke auf: Auch wenn die Herstellung, der Verkauf und der Transport "berauschender Getränke" verboten war, stand nirgendwo, was "berauschende Getränke" überhaupt sind.

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Prost, Andrew Volstead.

(Foto: AP)

Eine Strafverfolgung auf Grundlage der ursprünglichen Verfassungsänderung war somit knifflig. Ein Graus für die immer weiter erstarkende Abstinenzbewegung. Deshalb legte der Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses unter Leitung des Republikaners Andrew Volstead fest: "Berauschende Getränke" überschreiten einen Alkoholwert von 0,5 Prozent. Die Durchsetzung des sogenannten Volstead Act war den Kongress-Abgeordneten derart wichtig, dass sie an besagtem 28. Oktober 1919 auf das zuvor eingelegte Veto von Präsident Thomas Woodrow Wilson pfiffen.

Der Werdegang des Anfang 1920 in Kraft getretenen Prohibitionsgesetzes ist bekannt: Zwar sinkt der allgemeine Alkoholkonsum, doch der von den Parlamentariern in Washington angepeilte Stopp des moralischen und sozialen Verfalls gelingt nicht. Im Gegenteil: Die Gewaltkriminalität erstarkt, der Schmuggel und der Schwarzmarkt gedeihen prächtig, Gangster wie Al Capone frohlocken. Am 5. Dezember 1933 wird das "Noble Experiment" beendet.

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de