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Einfach nur entspannen Erste Fahrt im Renault Symbioz Demo Car

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Noch kann der Renault Symbioz nicht selbständig durch herbstliche Landschaften fahren. Aber lange wird es nicht mehr dauern.

(Foto: Renault)

Auf der IAA im Herbst hat Renault den Symbioz als aufregendes Showcar mit dazugehörigem Haus gezeigt. Jetzt demonstriert das weiterentwickelte Demo-Car, dass es mehr kann als mit stoischer Ruhe autonom fahren.

Einige waren ganz aus dem Häuschen, andere haben das Konzept eher belächelt: Die Rede ist vom Renault Symbioz, der seinen ersten Auftritt als Showcar auf der IAA in Frankfurt im vergangenen Herbst gefeiert hat. Dass die Franzosen ein selbstfahrendes, elektrisch angetriebenes Auto auf die Räder gestellt haben, ist das eine. Dass zu dem Konzept ein ganzes Haus gehört, das andere. Der Name deutet es schon an, beim Symbioz geht es um eine Symbiose, aus Auto und Haus, aus Unterwegs und Daheim, aus Fahren und Freizeit.

Was tun mit der Zeit?

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Den vorgegebenen Weg auf der Autobahn legt der Renault Symbioz ganz ohne menschliches Zutun zurück.

(Foto: Renault)

Fast alle Hersteller beschäftigen sich mit der Frage, wie die Zeit, die wir heute aktiv hinterm Steuer verbringen, zukünftig genutzt werden kann. Wenn der Computer lenkt und denkt, kann der Ex-Fahrer sich entspannt zurücklehnen. Wie sich das anfühlt, hat Renault jetzt mit dem weiter entwickelten Symbioz Demo Car vorgeführt. Der 4,92 Meter lange Stromer unterscheidet sich optisch von der IAA-Studie durch sein deutlich serienreiferes Design. Das C-förmige Tagfahrlicht ist bekannt und wird jetzt am Heck wieder aufgegriffen, die Proportionen erinnern an eine Mischung aus Van, Limousine und Coupé – ungewohnt, aber nicht zu futuristisch. Am weitesten von einer möglichen Serienfertigung sind wahrscheinlich die ausgestellten Windabweiser an der C-Säule entfernt. Allerdings haben die Franzosen nicht vor, den Symbioz in ein straßenfertiges Auto zu verwandeln.

Das Concept Car soll lediglich demonstrieren, was möglich ist, einzelne Teile und vor allem Techniken davon werden wir in zukünftigen Renault-Modellen wieder finden. Das dürfte unter anderem für den Antrieb gelten: Zwei E-Motoren an der Hinterachse schicken ihre Kraft jeweils an ein Rad und entwickeln zusammen im Dauerbetrieb 490 PS und 550 Newtonmeter Drehmoment; die Spitzenleistung liegt bei 680 PS und 660 Newtonmeter. Das reicht, um das vor allem wegen der Akkus im Fahrzeugboden 2,2 Tonnen schwere Concept Car in sechs Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Anders als bei so manch klappriger Fingerübung, die mehr rollt als fährt, wirkt der Symbioz-Antrieb schon recht ausgereift, und auch flotte Beschleunigungsmanöver macht die Studie problemlos mit.

Ganz neues Sitzkonzept

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Beim Wechsel der Fahrmodi wechseln auch die Lichtstimmungen im Renault Symbioz.

(Foto: Renault)

Wie fast alle modernen Autos verfügt auch der Symbioz über mehrere Fahrprogramme. Wechselt man vom Classic- in den Dynamic-Modus, verändern sich die Anzeigen, das große Glasdach wird milchig, aber vor allem das Gaspedal reagiert plötzlich deutlich bissiger auf kleinste Zuckungen im rechten Fuß. Wer jetzt ordentlich Strom gibt, wird heftig in den bequemen Sitz gepresst. Apropos Sitze: Die sind im Symbioz ganz besonders gestaltet, schließlich will Renault ja, dass sich die Passagiere so wohl wie nur möglich fühlen, und die Lieblings-Sitzposition wird zusammen mit anderen Präferenzen auf dem Smartphone gespeichert – der Symbioz erkennt so schon beim Einsteigen seinen Passagier.

Um das Ein- und Aussteigen zu erleichtern, fahren in der Parkposition außerdem die Seitenwangen nach unten; so entsteht eine nahezu ebene Fläche. Erst beim Motorstart kommen die seitlichen Polster wieder zum Vorschein, und im Sportmodus bietet der Sitz extra viel Seitenhalt. Das eigentliche Highlight spürt man erst beim Wechsel in den autonomen Fahrmodus: Sobald der Symbioz auf der Autobahn angelangt ist, erscheint im Kombiinstrument der Hinweis, dass der Autopilot jetzt bereit sei. Um ihn zu aktivieren, muss der Fahrer gleichzeitig zwei Tasten am Lenkrad für zwei Sekunden drücken. Dann fahren schlagartig Lenkrad und Instrumententafel um zwölf Zentimeter zurück – und der Sitz bringt sich und den Fahrer in eine Relaxposition. Ein bisschen erinnert die an einen Zahnarztstuhl, bequem ist sie aber allemal!

Lounge-Atmosphäre und Virtual Reality

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Hier lässt der Autor alle Fünfe gerade sein und denkt sich: "Der Symbioz soll mal machen".

(Foto: Renault)

Wer sich stattdessen lieber mit seinen Beifahrern unterhält, kann die Loungeposition wählen, bei der die Sitze ein wenig zueinander gedreht werden, damit man besser plauschen kann. Ganz mutige und alle die, die keine Lust auf Unterhaltung haben, können im Symbioz sogar eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen. Zusammen mit dem Spielehersteller Ubisoft hat Renault ein Entertainment-Programm entwickelt, das den Fahrer in fremde Welten eintauchen lässt. Der Clou: Die Bewegung des Symbioz wird in die Animation integriert und selbst der Autor dieser Zeilen, dem mit VR-Brillen regelmäßig übel wird, konnte das Unterhaltungsprogramm problemlos genießen.

Während der Renault also völlig autonom – und im ersten Test natürlich von einem Supervisor am Beifahrersitz, der zur Not eingreifen konnte, bewacht – durch den dicken Nebel über die Autobahn rollt, reist der Fahrer durch eine Zukunftsstadt, in der die anderen Verkehrsteilnehmer zu Lichtpunkten werden, bis das eigene Auto schließlich abhebt und mit einem Vogelschwarm durch blühende Landschaften fliegt. Das mag eine Spielerei sein, doch demonstriert es, was in Zukunft alles möglich sein wird. Zumal die VR-Brille nur ein Übergangslösung ist, irgendwann wird wohl die gesamte Windschutzscheibe als Display ausgelegt werden.

Der Symbioz zeigt an, was er vor hat

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Im Symbioz kann man sich während der autonomen Fahrt mit einer 3D-Brille unterhalten lassen.

(Foto: Renault)

Schon heute informiert sie darüber, was der Symbioz im autonomen Modus vorhat: Das Head-up-Display wird beim Umschalten in den AD-Mode um eine Augmented-Reality-Funktion erweitert und der Renault malt seinen geplanten Weg sprichwörtlich auf die Straße. So hat der Fahrer immer im Blick, ob der Wagen zum Beispiel gerade einen Spurwechsel plant.

Dass der Symbioz überhaupt ohne menschliches Zutun über die Autobahn düsen kann, liegt vor allem an den 36 verbauten Sensoren: Radar-, Laser-, Ultraschall- und Kameratechnik überwachen die Umgebung rund um den Renault, erfassen andere Verkehrsteilnehmer, Hindernisse und Fahrspuren. Zudem steuern sie Gas, Bremse, Lenkung und Blinker. Momentan geht das allerdings nur auf einem kurzen Autobahnabschnitt in der Normandie, gut anderthalb Stunden von Paris entfernt: Diese Strecke wurde gemeinsam mit TomTom in HD-Auflösung kartographiert, damit der Symbioz auf 15 Zentimeter genau seine Position bestimmen kann und genau weiß, wohin der Weg führt.

Sogar Mautstationen schafft er allein

Zusätzlich hat Renault gemeinsam mit dem Autobahnbetreiber den Streckenabschnitt mit ein paar Antennen ausgerüstet, die den Symbioz unter anderem darüber informieren, dass er sich einer Mautstation nähert. Die wiederum funkt dem Renault die GPS-Koordinaten einer freien Bezahl-Station zu. Die größte Herausforderung muss er aber selber meistern: Die zwei, drei regulären Spuren lösen sich vor der Mautstation in gut ein Dutzend Linien auf, und das ohne Fahrbahnmarkierung.

Der Renault kennt nur sein Ziel, und muss sich allein mit Hilfe seiner Sensoren den Weg zum Mauthäuschen bahnen. Das ist nicht immer leicht, weil der Symbioz zum einen in der Regel der einzige ist, der sich an das Tempolimit hält und dementsprechend oft abgedrängt wird. Zum anderen herrscht vor französischen Mautstellen oft ein derartiges Kuddelmuddel, dass man selbst als menschlicher Fahrer häufig ins Schwitzen kommt. Wie gut, dass der Renault hier eine stoische Ruhe an den Tag legt und nicht zu cholerischen Ausbrüchen neigt.

Quelle: n-tv.de

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