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Fahrspaß liegt in der Hand Mazda MX-5 RF - offen und ehrlich

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Mit dem MX-5 RF will Mazda die etwas anspruchsvollere Kundschaft in den Bann ziehen.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem MX-5 schreibt Mazda eine Erfolgsgeschichte. Seit der fünften Generation kommt zum puren Fahrspaß auch noch eine herausragende Optik. Die verschärft der MX-5 RF als Roadster im Fastback-Design. Doch der schöne Purist hat eine Tücke.

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Die Fahrgastzelle rückt beim MX-5 RF optisch weit nach hinten. Das verbreitert das Heck und verlängert die Front.

(Foto: Holger Preiss)

Es ist, wie es ist: Der Mazda MX-5 ist seit seiner Erfindung im Jahr 1989 ein Erfolgsmodell. Natürlich hat auch die Ikone moderner Roadster seine Höhen und Tiefen gehabt. Dass er die Jahrzehnte aber mit einer festen Fangemeinde überlebte, ist wohl auch dem Umstand zu verdanken, dass der Wagen über fünf Generationen immer weiterentwickelt wurde, seinen Grundfesten aber treu bleibt: ein echter, aber preiswerter Roadster, der geschlossen und offen Fahrspaß bis an die Grenzen der Fahrdynamik bietet.

Seit Ende 2015 ist die fünfte Generation des MX-5 im Handel. Im sogenannten Kodo-Design gezeichnet, präsentiert sie sich schärfer, schwungvoller und dynamischer als alle Vorgängermodelle. Allein in Deutschland verkaufte Mazda bis heute 5350 Stück seiner offenen Flitzer. Jetzt gehen die Japaner mit dem MX-5 RF noch einen Schritt weiter. Der RF soll die Kundschaft im Stil eines Fastbacks in den Bann ziehen. Dazu haben sich die Ingenieure eine Dachkonstruktion aus Aluminium, Stahl und "Bio-Kunststoff" einfallen lassen, die einzigartig ist.

Wie ein Origami

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Wie ein Origami faltet sich das Dach des MX-5 RF in den Kofferraum.

(Foto: Holger Preiss)

Der mittlere und hintere Teil des Dachs verschwindet auf Knopfdruck innerhalb von 13 Sekunden wie ein Origami vollständig hinter den Sitzen, wobei das Kofferraumvolumen von 170 Litern erhalten bleibt und die Dachfinnen geradezu malerisch stehen bleiben. Das erinnert zum einen an die traditionellen britischen Sportwagen, zum anderen an das Prinzip des Targa, das Porsche 1965 für den 911 und 912 aufbrachte. Aber ganz ehrlich: Beim Mazda hat das mehr Schmiss. Denn das, was beim Targa wie ein "Henkel" den Korpus überspannt, sieht beim Japaner irgendwie eleganter aus.

Nun ist es nicht ungefährlich, den Vergleich mit der Sportwagenikone anzustellen. Das soll auch gar nicht geschehen, denn der MX-5 RF fährt in einer ganz anderen Leistungsklasse als ein 911. Unter seiner extrem lang wirkenden Haube pumpt ein Zweiliter-Vierzylinder-Benziner, der in seiner stärksten Ausführung lediglich 160 PS leistet. In Deutschland wird es anders als beim Roadster auch nur diese Motorisierung geben. Das ist weniger den knapp 1130 Kilogramm geschuldet, die der RF wiegt, sondern vielmehr dem Umstand, dass sich hierzulande ohnehin 60 Prozent beim Kauf des MX-5 für die kräftigste Motorisierung entschieden haben.

Automatik nicht für Sportfreunde

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Die klassische Form des Fastback wird mit dem Mazda MX-5 RF modern interpretiert.

(Foto: Holger Preiss)

Aber noch etwas ist anders als beim Roadster: Im MX-5 RF wird hierzulande erstmals ein Automatikgetriebe angeboten, das die Kraft von 200 Newtonmetern Drehmoment über sechs Schaltstufen an die Hinterräder leitet. Das mag die Fraktion der Cruiser freuen, Fahrer mit dynamischen Ambitionen sollten die Sache für sich prüfen. Bei bergigen Passagen fehlt dem Wagen nämlich auf der Suche nach dem richtigen Gang die Kraft, um flott über die Kuppen zu schießen. Außerdem wirkt das Triebwerk dabei sehr bemüht. Erstaunlicherweise fällt das besonders im Sportmodus auf, der für das Automatikgetriebe neben Drive angeboten wird. Auf gerader Strecke gibt es hingegen nichts auszusetzen. Bei einem spontanen Kraftaufruf schaltet die Automatik zwei Stufen zurück und schiebt wieder an. Das erfolgt mit einer kurzen Verzögerung, aber ruckelfrei.

Erfreulich ist in jedem Fall der Spritverbrauch. Trotz stellenweise übermütiger Gaspedalbewegungen wurden über etwas mehr als 100 Kilometer lediglich 8,4 Liter verbrannt. Gleiches gilt für den Handschalter, der mit 8,7 Litern ebenfalls kein "Suffkopp" war. Eine echte Überraschung gibt es dann beim Vergleich beider Getriebearten dennoch: Beim Automaten liegt die Endgeschwindigkeit nämlich nur bei 194 km/h, während sich der Handschalter bis auf stattliche 215 km/h beschleunigen lässt. Grund ist die Übersetzung der Gänge. Während der erste noch gut ausdreht, folgen auf zwei und drei ein kurzer vierter und ein extrem kurz übersetzter fünfter Gang. Das Ende bildet die sehr lang übersetzte sechste Schaltstufe.

Für Japan und die USA

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Das Cockpit des MX-5 RF hat alles, was der puristische Sportwagen braucht und sogar ein wenig mehr.

(Foto: Holger Preiss)

Warum die Automatik so abgestimmt ist? Das Getriebe wurde in Japan entwickelt und explizit auf die Bedürfnisse der Kundschaft im "Land der aufgehenden Sonne" und den USA zugeschnitten. In beiden Ländern lassen die Beschränkungen auf den allgemeinen Fahrwegen das "deutsche Rasen" nicht zu. Außerdem ist die Automatik in diesen beiden Ländern bereits seit Längerem im MX-5 zu finden und hat für die hier angebotene Ausführung keine weitere Modifikation erfahren. Wer also mit der Automatik liebäugelt, sollte sie vorher unbedingt ausprobieren und sehen, ob ihre Arbeitsweise mit dem persönlichen Fahrstil und den Erwartungen an einen MX-5 RF in Einklang zu bringen ist.

Die Empfehlung geht an dieser Stelle ganz klar in Richtung Handschalter. Hier ist die Tugend gewahrt, die den MX-5 schon immer auszeichnete: unverfälschtes Fahrvergnügen. Um das zu garantieren, wurde beim RF nicht nur der Motor ein wenig weiter in Richtung Fahrgastzelle verschoben, sondern auch die Dämpferkennung und das Fahrwerk angepasst. Der Handschalter hat die gewohnt knackig kurzen Wege, die Lenkung übersetzt die Fahrbefehle ohne Verzögerung und der Motor singt ein sportliches Lied, das man auf Dauer mögen muss, aber selbstredend zu diesem Auto gehört wie die Gier nach Kurven.

Die Kurven sind sein Zuhause

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Die Recaro-Sportsitze fesseln Fahrer und Beifahrer vor allem bei Kurvenfahrten.

(Foto: Holger Preiss)

Denn genau hier ist der MX-5 RF zu Hause, vor allem, wenn die Bilstein-Stoßdämpfer und zusätzliche Domstreben an der vorderen Radaufhängung verbaut sind wie in der Sports-Line-Ausstattung. Ohne sich auch nur im Ansatz zu neigen oder die ihm vorgegebene Spur zu verlassen, durchläuft der Nippon-Sportler die Kehren mit Geschwindigkeiten, die mit Straßen-Normalos nur halb so viel Spaß machen oder gar nicht zu erreichen sind. Wer will, kann bei ausgeschalteten ESP, aber aktivem Sperrdifferenzial auch das Heck ein wenig fliegen lassen, ohne befürchten zu müssen, dass einen das Hinterteil an der falschen Stelle überholt. Und wer tatsächlich den verschärften Ampelstart sucht, der ist dann auch in 7,5 Sekunden an der 100-km/h-Marke vorbeigeflogen. Für den Seitenhalt sorgen im Sports-Line auf Wunsch für 1800 Euro extra sehr zu empfehlende Recaro-Sitze, die Fahrer und Beifahrer richtig festnageln. Aber auch das Serien-Gestühl wirft den Reiter nicht ab.

Apropos Reiter. Mazda sieht mit dem MX-5 RF sein Konzept vom "Jinba Ittai" verwirklicht. Das beschreibt den Einklang von Pferd und Reiter beim Yabusame-Ritual. Bei dieser traditionellen Art des Bogenschießens kontrolliert der Schütze sein Pferd nur mit den Knien, während er das Ziel im vollen Galopp anvisiert. Nur wenn Pferd und Reiter in perfekter Harmonie agieren, wird der Pfeil sein Ziel treffen. Das Bild ist passend, denn auch im MX-5 RF verschmilzt der Fahrer über die Kilometer mit seiner Maschine auf eine sehr gelassene und einfache Art und Weise.

Purismus bleibt das Zauberwort

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170 Liter Kofferraum sind nicht viel, aber immer noch genug für zwei Handkoffer und etwas Kleinkram.

(Foto: Holger Preiss)

Und so ist auch im RF Purismus das Zauberwort, obgleich die Japaner für ihren schicken Fastback - allein durch die Ganzjahrestauglichkeit - mehr Komfort bieten. Man sollte es aber meiden, das Dashboard zu liebkosen, denn hier ist die pure Plastik verbaut. Das Lenkrad wirkt ein wenig dünn, könnte etwas griffiger sein und lässt sich nur in einem sehr beschränkten Winkel in der Höhe verstellen. Der Blick des Fahrers fällt auf die typischen Rundinstrumente und ein aufrecht stehendes Multimediadisplay oberhalb der Mittelkonsole, das über die Fahrstrecke, das Radioprogramm oder die Lieblings-Musik vom Smartphone informiert und über Bluetooth oder USB eingespielt wird.

Wer sich für den Klangexzess interessiert, bekommt ihn in der schon erwähnten Sports-Line-Ausstattung mit einem Bose-Soundsystem. Neun Lautsprecher feuern einem hier die Beats auf die Ohren, zwei davon befinden sich in den Kopfstützen. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass auch Telefonate bei offenem Verdeck kein Problem sind. Hilfe erfährt der Fahrer durch die inzwischen üblichen Sicherheitssysteme. Mazda verspricht hier keine Wunder, sondern sagt sehr richtig, dass sie den Fahrer "unterstützen, aber nicht bevormunden" sollen. Insofern bleibt es hier beim Spurhalte- und Totwinkelwarner, einer akustischen Einparkhilfe für hinten und einem Licht- und Regensensor. Das war es und das reicht auch.

Bleibt noch zu klären, was der puristische Fahrspaß in seiner optisch gelungensten Form kostet: Da der MX-5 RF ausschließlich ab der Ausstattung Exclusive-Line angeboten wird, ist der Einstiegspreis natürlich etwas höher als beim Roadster. Mindestens 29.850 Euro werden fällig. Wer die Fahrspaß-Maschine als Sports-Line ordert, muss mit 32.090 Euro rechnen. Wer die Automatik ins Auge fasst, sollte weitere 1900 Euro bereithalten, aber das Geld kann man auch getrost in die Recaro-Sitze investieren.

Quelle: n-tv.de

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