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So sieht Opel seine "X"-Familie: Sportlich, dynamisch und mit breit gefächertem Antriebsangebot.
So sieht Opel seine "X"-Familie: Sportlich, dynamisch und mit breit gefächertem Antriebsangebot.(Foto: Thorsten Weigl)
Samstag, 07. Juli 2018

Noch mehr aus dem PSA-Regal: Neue Antriebe für die X-Familie von Opel

Von Axel F. Busse

"Wenn doch bloß mehr über unsere Autos gesprochen würde", dürfte sich das Opel-Marketing dieser Tage gedacht haben. Man hätte die Aufmerksamkeit lieber auf die Erweiterung der SUV-Palette gelenkt, als auf den mutmaßlichen Verkauf der Entwicklungsabteilung.

Für den seit Oktober 2017 gehandelten Grandland X verzeichnete Opel bisher 85.000 Bestellungen.
Für den seit Oktober 2017 gehandelten Grandland X verzeichnete Opel bisher 85.000 Bestellungen.(Foto: Textfabrik/Busse)

Just in der Woche, da die Rüsselsheimer die Erweiterung des Angebots ihrer "X"-Modelle und die vielfältigen Anstrengungen, künftigen Abgas-Richtlinien Genüge zu tun, präsentieren wollen, platzen Spekulationen über den eventuellen Teilverkauf der Entwicklungsabteilung dazwischen. Dabei hätten es Grandland X, Crossland X und Mokka X durchaus verdient, dass ihnen uneingeschränkte Beachtung zuteilwird. Mit zusätzlichen Motoren und einem neuen Achtgang-Automatikgetriebe stellen sich die Rüsselsheimer der anhaltend hohen Nachfrage bei Crossover- und SUV-Modellen.

"Die X-Familie" nennen die Opelaner das Sortiment, wobei der kennzeichnende Buchstabe nicht grundsätzlich als Zusicherung eines Allradantriebs verstanden werden sollte. Zwar ordern nach Auskunft von Andreas Marx, Opels Leiter Produktmarketing, beim Mokka noch immer mehr als die Hälfte der Kunden 4x4-Antrieb, wie viele es bei Crossland oder Grandland wären, ist ungewiss. Sie gibt es nämlich nur als Fronttriebler, auch wenn sie sich mit robuster Optik, Beplankung und höherem Fahrwerk wie Allradler schmücken. Lediglich bei Crossland X soll "sehr bald" eine Plug-In-Variante folgen, die durch den Elektromotor an der Hinterachse zu einem Allradfahrzeug wird. Vom Escheinungsjahr 2020 und einem Bau in Eisenach ist die Rede.

Acht Gänge im Grandland

Der 1.2-Liter-Dreizylinder leistet je nach Modell und Ausführung zwischen 81 und 130 PS.
Der 1.2-Liter-Dreizylinder leistet je nach Modell und Ausführung zwischen 81 und 130 PS.(Foto: Thorsten Weigl)

Bisher scheint das Konzept aufzugehen, denn nicht ohne Stolz verkündet Opel, dass man bei den SUV des B-Segments, also den kompakten Fahrzeugen, in den ersten vier Monaten dieses Jahren europaweit die Nummer 1 gewesen sei. Die Position sollen nun zum Beispiel im Crossland X ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner sowie ein 1,5 Liter-Diesel festigen. Beim Grandland X wird das Angebot um einen Zweiliter-Selbstzünder erweitert. Dieser kann ebenso wie der 1,5er-Diesel mit einer Achtgang-Automatik kombiniert werden, die neu im Programm ist und vom japanischen Getriebespezialisten Aisin eingekauft wurde.

Das Bemühen der Opel-Sprecher, die Neuerungen als lupenreine Produkte ihrer Marke erscheinen zu lassen, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die nunmehr in Paris operierende Konzernleitung in reichem Maße französische Technik ins Produktportfolio einstreut. Den 177 PS starken Zweiliter-Diesel hat man schon im Grandland-Pendant Peugeot 5008 gesehen und auch die Verwendung der Typenbezeichnung BlueHDI für den 1,5-Liter Selbstzünder (102 oder 130 PS) kannte man bisher nur von Aggregaten mit Ursprung jenseits des Rheins.

Dass die Antriebe gut zu den gezeigten Fünftürern passen, steht auf einem anderen Blatt. Der Zweiliter-Selbstzünder geht mit seinen 400 Newtonmetern Drehmoment (ab 2000 Umdrehungen) zupackend zu Werke. Er könnte dies vielleicht etwas weniger geräuschvoll tun, doch auch das Weglassen von Dämm-Material lässt sich als Fortschritt deuten: Es mindert das Gewicht des Fahrzeugs, was wiederum dem Verbrauch zugutekommt. Der leistungsstärkste Grandland X tritt mit einem Leergewicht von 1575 Kilogramm an.

Der 2,0 Liter Diesel verrichtet seine Arbeit bereits im Peugeot 5008.
Der 2,0 Liter Diesel verrichtet seine Arbeit bereits im Peugeot 5008.(Foto: Thorsten Weigl)

In der Kombination mit der Achtgang-Automatik soll er mit weniger als fünf Litern Diesel je 100 Kilometer auskommen. Sie sind nach dem neuen WLTP-Verfahren ermittelt, das umfangreicher ist und mehr Praxisnähe verspricht. Im Vergleich zum bisher verwendeten NEFZ-Verfahren ist WLTP deutlich dynamischer, hat weniger Haltephasen und verwendet höhere Geschwindigkeiten über längere Zeiträume, was heutige Fahrsituationen realistischer widerspiegeln soll. Die dort protokollierten Daten wurden anschließend in NEFZ-Verbräuche umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit mit anderen Fahrzeugen zu erleichtern.

Verzicht auf Lenkradwippen

Die Achtstufen-Automatik hinterließ im ersten Test einen überzeugenden Eindruck, schaltet schnell und bedarfsgerecht, wenngleich die Handhabung durch die verwinkelte Schaltkulisse etwas an früher gebräuchliche Getriebe erinnert. Wer manuell die Gänge wechseln möchte, kann dies ebenfalls am Schalthebel tun, auf Lenkradwippen wurde verzichtet. Während der Zweiliter-Diesel im Grandland X ausschließlich mit der Achtgang-Automatik zu haben ist (ab 37.720 Euro), kann das Fahrzeug bei Bestellung des 1,5-Liter-Diesels wahlweise auch mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung ausgeliefert werden. Das ist dann 2300 Euro günstiger als mit Automatik.

Als gemeinsame Neuerung für Crossland und Grandland wurde ein 1,2 Liter großer Dreizylinder-Benziner in die Preisliste mit aufgenommen. In der Basisvariante leistet er 81 PS, als aufgeladener Direkteinspritzer gibt er wahlweise 110 oder 130 PS ab. Beim Grandland X wird er nur in der leistungsstärksten Version angeboten, die dann maximal 230 Newtonmeter Drehmoment an die Kurbelwelle drückt. Der Motor tut dies in der erwartet rustikal-knurrigen Art, wie man sie von Dreizylindern kennt, aber auch mit einer ordentlichen Portion Temperament. Ihrer unterschiedlichen Positionierung werden der kleinere Crossland X und der Grandland X durch einen beträchtlichen Preisunterschied gerecht: Versehen mit 130 PS-Benziner und Handschaltung sind in der Ausstattungslinie Edition 21.470 Euro (Crossland) bzw. 26.500 Euro fällig.

Mit fast 900.000 Bestellungen seit 2012 haben der Mokka und sein Nachfolger Mokka X der Marke Opel bisher viel Freude gemacht. Nach und nach mit Assistenzsystemen aufgerüstet und zeitgemäß vernetzt, bildet er das Rückgrat der "X"-Familie. Aktuell konzentrierten sich die technischen Anpassungen auf die Erfüllung der Euro 6d-TEMP-Abgasnorm. Sie definiert für Benzin-Motoren neue Stickoxid-Grenzwerte und wird ab Januar 2020 für neue Typgenehmigungen verbindlich. Über alle Modelle hinweg gerechnet seien bereits heute 85 Motorvarianten an diesen künftigen Standard angepasst worden, heißt es von Seiten des Herstellers.

Quelle: n-tv.de