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Nissan macht Pick-up salonfähig Neuer Navara kommt aus zwei Welten

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Der Nissan NP300 Navara ist als Double Cab die Symbiose aus Kleinlaster und SUV.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn man einen Kleinlaster und ein SUV paart, dann kommt ein Pick-up heraus. Bis dato in Europa keine Option für den Alltag. Jetzt schon, denn Nissan hat dem Navara einiges gegeben, was ihn komfortabel und vielleicht sogar familientauglich macht.

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Auf der 1,54 Meter langen Ladefläche lässt sich bis zu eine Tonne zuladen.

(Foto: Holger Preiss)

Bereits auf der IAA war ein neuer Trend zu erkennen. Vorerst verhalten, aber er kündigt sich an: Die Domestizierung der Pick-ups. Vorreiter auf diesem Gebiet ist Nissan mit dem NP300 Navara. Er ist die Symbiose aus zwei Welten. Da sind zum einen die Kleinlaster, Arbeitstiere, die durch hohe Zugkraft und ordentlich Zuladung glänzen. Dann die SUV, die, wie jedermann weiß, derzeit zur beliebtesten Fahrzeuggattung weltweit zählen und neben möglicher Geländetauglichkeit auch den Komfort eines Pkw versprechen.

Bereits mit der Erfindung des Crossover, namentlich dem Qashqai, hatte Nissan den wohl größten Wurf in der eigenen Geschichte gelandet. Genau das macht die Japaner zuversichtlich, dass auch ein Pick-up, der mit den oben genannten Vorzügen garniert werden kann, ein Erfolg wird. Zumal es in Nordamerika schon seit Jahrzehnten funktioniert. Allerdings sind derartige Fahrzeuge im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch anders dimensioniert als der 5,33 Meter lange NP300 Navara, der den Kunden in Europa den Wechsel zum Pick-up schmackhaft machen soll.

Laster mit Turbo-Unterstützung

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Als King Cap ist der NP300 gut 20 Zentimeter kürzer als mit Doppelkabine.

(Foto: Holger Preiss)

Was kann so ein Navara aber besser? Nun, zum einen glänzt er mit einer möglichen Aufladung von einer Tonne auf die 1,54 Meter lange Ladefläche. Umgerechnet bedeutet das, dass entweder 42 Zementsäcke, 1000 Liter Wasser, 2,2 Kubikmeter Holz oder gar ein Nashorn transportiert werden können. Nicht minder interessant ist die Zugkraft des Navara. Ganze 3,5 Tonnen schleppt der in der Nähe von Barcelona gebaute Japaner weg. Das ist immerhin ein Anhänger, in dem drei Pferde Platz finden oder ein etwa acht Meter langes Motorboot. Das ist mehr als der VW Amarok oder der Ford Ranger zieht.

Um eine derartige Zugkraft zu gewährleisten, hat Nissan dem Pick-up einen 2,3-Liter-Diesel mit zwei Leistungsstufen unter die Haube gepackt. Einfach beatmet leistet der Japaner 160 PS, mit doppelter Aufladung sind es 190 PS. Die Empfehlung geht eindeutig in Richtung des mindestens 27.756 Euro teuren Twin Turbo, der allerdings nur für das Double Cab zu haben ist. Die 450 Newtonmeter drücken im Normalbetrieb kraftvoller auf die Hinterachse und machen sich auch im Allradbetrieb bezahlt. Der "gedrosselte" Diesel bringt es auf 403 Newtonmeter, was immer noch ausreicht. Der eigentliche Unterschied ist die unterschiedliche Laufkultur beider Triebwerke. Die 190 PS schmeicheln den Ohren, während auf der anderen Seite ein raues Lied gesungen wird, das die Herkunft des Arbeitstiers betont.

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Was man aus Qashqai und X-Trail kennt, erfreut auch im Navara.

(Foto: Holger Preiss)

Hinzu kommt die Endgeschwindigkeit. Die liegt beim 190-PS-Diesel bei 184 km/h. Damit übertrumpft er nicht nur den kleinen Bruder um 14 km/h, sondern auch die Konkurrenten Toyota Hilux und Ford Ranger. Beim Verbrauch verspricht Nissan 24 Prozent weniger als der Vorgänger und errechnet im Vergleich eine Ersparnis von 1500 Euro in drei Jahren. Ob das tatsächlich so ist, muss individuell ermittelt werden.

Der braucht nicht viel

Auf der ersten Ausfahrt mit dem Twin Turbo wies der Bordcomputer einen Verbrauch von 8,9 Litern aus. Nissan hat auf dem Rollenprüfstand 6,4 für den Handschalter und 7,0 Liter für den Automaten ermittelt. An dieser Stelle muss aber angemerkt werden, dass die Triebwerke im Augenblick nur die Euro-5-Norm erfüllen. Erst ab Herbst kommenden Jahres wird auf EU6 umgestellt. Dann sollte auch eine Start-Stopp-Automatik an Bord sein, die im Augenblick noch fehlt. Dennoch ist der Nissan mit einem CO2-Ausstoß von 167 g/km der Beste seiner Klasse.

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Mit der Multi-Link-Achse lässt sich im Navara fast alles überfahren.

(Foto: Holger Preiss)

Womit wir auch bei den Getrieben sind. Gekoppelt wird der Diesel wahlweise an eine Siebengang-Automatik oder ein manuelles Sechsganggetriebe. Beim Handschalter sind die Wege etwas lang, lassen sich aber sauber durch die Gassen schieben. Geschmeidiger ist natürlich die Automatik, die nur wenig Verzug bei den Schaltvorgängen zulässt. Wer also mit dem Gedanken spielt sich einen solchen Luxus-Laster zuzulegen, der sollte zur Automatik greifen.

Offroad-Spaß mit Zugkraft

Letztlich ist das aber eine Frage des Geldes und des Geschmacks, denn für den Luxus im Double Cab sorgen ganz andere Feature. Die wichtigste Beigabe für ein komfortables Fahren in einem Pick-up ist die Multi-Link-Achse, die statt der üblichen Starrachse nicht nur ein komfortables Ausfedern gewährleistet, sondern auch die Spurtreue um ein Vielfaches verbessert. Außerdem bleibt der typische Sprung des Hecks beim Überlauf von Unebenheiten aus. Auch Offroad-Freunde dürften hier ihren Spaß haben. Zum einen kann man den NP300 - im Gegensatz zu vielen SUV dank zuschaltbarem Allradantrieb, serienmäßigen Bergan- und Bergabfahrassistenten und einer Bodenfreiheit von 22,3 Zentimetern - wirklich über Stock und Stein prügeln, ohne Angst vor Ungemach und Komfortverlust zu haben.

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Ordentlich Platz gibt es in der zweiten Reihe des Double Cab.

(Foto: Holger Preiss)

Auch das Handling des Navara hat sich deutlich verbessert. Trotz seiner 5,33 Meter schiebt sich der Japaner nicht wie ein Panzer ums Eck, sondern gibt sich geschmeidig und mit einem Wendekreis von 12,4 Metern deutlich agiler als der Vorgänger. Komfort bietet auch die Breite von 1,85 Meter und die Kabinenhöhe von 1,57 Meter. Mitreisende in der zweiten Reihe brauchen sich also keine Gedanken über zu wenig Knie- oder Kopffreiheit zu machen, die ist ausreichend vorhanden.

NASA-Sitze mit Rundumsicht

Weitere Annehmlichkeiten sind die Vordersitze, die - so Nissan - "inspiriert von Technologien der US-Weltraumbehörde NASA" sind. Sie unterstützen die natürliche Form der Wirbelsäule und sollen vor allem verhindern, dass durch eine falsche Sitzhaltung die Beine einschlafen. Für die zweite Reihe wurde der Winkel der Rücksitzlehne von 18 auf 23 Grad vergrößert. Hinzu kommt, dass sich die Passagiere je nach Ausstattung auf Lederpolster strecken können. Dank einer Zweizonen-Klimaautomatik ist der Innenraum angenehm temperiert. Gleichzeitig wird der Fond belüftet. Auch das ein Umstand, den man in diesem Segment so nicht kennt.

In puncto Sicherheit setzt  Nissan im Navara Maßstäbe. Als erster Pick-up offeriert er neben einem adaptiven Notbremsassistenten auch eine 360-Grad-Rundumsicht. Wobei die Bilder, die auf ein 7 Zoll großes Display projizierst werden. Um auf seinen Arbeitsplatz zu gelangen, muss der Fahrer im Übrigen nicht mehr den Schlüssel zücken, sondern braucht durch den optionalen schlüssellosen Zugang nur an der Türklinke zupfen.

Fünf Jahre Garantie

Wer das Double Cab zu wuchtig findet, aber dennoch die Vorzüge eines Pick up nicht missen möchte, der kann es ab einem Einstiegspreis von 22.517 Euro auch mit dem Single Cab versuchen. Der Zweisitzer wird allerdings nur mit der kleineren Variante des 2,3-Liter-Diesel angeboten, besitzt vorerst kein Automatikgetriebe und bleibt bei der bewährten Starrachse am Heck. Die Folge ist ein Komfortverlust in allen Belangen, was den King Cab wieder in Richtung Arbeitstier rückt. Aber eines sehr attraktiven. Bei der Optik setzt Nissan auf das, was sich bei Qashqai und X-Trail bereits bewährt hat. Dazu gehören die konkaven und konvexen Oberflächen ebenso wie das typische "V" im Kühlergrill und das bumerangförmige LED-Tagfahrlicht. Hinzu kommt die in beiden Fällen schnittige Kabine, die so gestaltet ist, dass der Luftstrom zur Ladefläche nicht abreißt und zu unvorteilhaften Verwirbelungen führt.

Ob ein Pick-up etwas für den Alltag ist, ist auch eine wirtschaftliche Entscheidung. So wie alle seiner Klasse wird auch der Navara als Lkw zugelassen und ist so im Unterhalt um einiges billiger als ein SUV mit diesen Leistungsparametern. Bei Nissan kommen aber fünf Jahre Garantie oder eine Laufleistung von 160.000 Kilometer zum Tragen. Dass in absehbarer Zukunft auch in Deutschland mehr Pick-ups unterwegs sein werden, beweisen auch die Anstrengungen anderer Hersteller. Renault wird demnächst mit dem Alaska auf den Markt drängen. Mercedes bringt das GLT Pick-up und Fiat stellt auf der Automesse in Dubai gerade den Fullback vor. Wer jetzt schon zuschlagen möchte, gehört wie Nissan zu den Vorreitern und kann seinen Navara bereits bestellen, Marktstart ist im Januar 2016.

Quelle: n-tv.de

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