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Einmal mehr ein Premiumgegner Opel Insignia mit neuem Benziner und 200 PS

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Von außen sieht man dem Opel Insignia das neue Triebwerk nicht an und so ist er einfach nur schick.

(Foto: Christian Bittmann)

Wer ein Auto in der Klasse der Fünf-Meter-Schiffe sucht, landet vermutlich zuerst bei der Mercedes E-Klasse oder dem 5er BMW. Dabei gibt es eine Alternative von Opel, den Insignia. Der hat jetzt einen neuen Benzinmotor mit 200 PS. n-tv.de durfte diese Kombination schon fahren.

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170.000 Mal hat sich der Insignia seit seinem Marktstart im vergangenen Jahr bereits verkauft.

(Foto: Christian Bittner)

Der Opel Insignia ist wohl das gelungenste Auto im Portfolio der Rüsselsheimer. Als echter Konkurrent der Premium-Liga hat sich das Flaggschiff aus Rüsselsheim seit seinem Marktstart im Februar 2017 bereits 170.000 Mal verkauft. Und hier sind die unter dem Label Buick Regal verkauften Modelle auf dem US-Markt und in China gar nicht mitgerechnet. Insofern freut es, dass das jüngste Kind der gescheiterten Ehe zwischen Opel und GM jetzt noch ein weiteres Triebwerk bekommt: einen 1,6-Liter-Turbobenziner mit 200 PS.

Eine wuchtige Zahl, die allerdings nicht überbewertet werden darf. Es handelt sich hier nämlich nicht um einen Bodybuilder, sondern eher um einen gepflegten Dauerläufer. Vom Start weg flüstert sich das Triebwerk in die Herzen und Ohren der Insassen und wird selbst bei einem beherzten Tritt auf das Gaspedal nicht wirklich laut. Bereits ab 1650 Kurbelwellenumdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 280 Newtonmetern an und schiebt die immerhin 1,8 Tonnen recht flott voran. Wirklich bemerkbar macht sich das Gewicht immer dann, wenn ein spontaner Zwischensprint eingelegt werden soll. Zwischen Tempo 60 und 120 tut sich der schöne Rüsselsheimer dann im wahrsten Sinne des Wortes etwas schwer.

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Der Insignia ist auch mit dem neuen 1,6 Liter Benziner ein Langläufer.

(Foto: Christian Bittner)

Unten heraus geht es, wenn die Kraft über den Sechsgang-Handschalter verteilt wird, ganz flott voran. Für die Motorisierung bietet Opel selbstredend auch eine Sechsgang-Automatik von GM. Ja, Opel hat hier anders als beim 2.0 Liter Diesel mit 170 PS und 210 PS nicht die Acht-Stufen-Automatik von AISIN verbaut. Während die letztgenannte frei von jedem Zweifel ist, kann über den Sechs-Gang-Automaten hier nicht referiert werden. Er stand zur Fahrvorstellung schlicht nicht zur Verfügung. Insofern können nur die im Datenblatt verzeichneten Werte zurate gezogen werden, die aber nichts über ein mögliches Gummiband oder andere mögliche Leiden eines solchen Getriebes verraten. Und noch etwas: Die Kraft wird beim 1,6 Liter Benziner nur an die Vorderräder geleitet. Wer die Allradsicherheit sucht, der wird bei den 2.0-Liter-Benzinern mit 260 PS oder 210 PS fündig, respektive beim 170 PS starken Diesel.

Ohne Bleifuß smarter Verbrauch

Doch zurück zum neuen 1,6 Liter Benziner und dem Datenblatt. Je nach Fahrzeugvariante dauert es 7,7 bis 8,4 Sekunden bis die 100 km/h-Marke geknackt ist. Für die Spitze verspricht das Datenblatt Tempo 235. Aber wie gesagt, trotz der 200 PS ist der Motor kein Renntriebwerk. Wer das Gaspedal mit Bedacht Richtung Bodenblech führt, erlebt eine sehr lineare Kraftentfaltung und eine Leichtfüßigkeit, die sich auch im Kraftstoffverbrauch niederschlägt. Smarte 7,2 Liter sind bei zurückhaltender Fahrweise keine Zauberei. Ein für einen Benziner mehr als akzeptabler Wert. Wer hingegen den Asphalt Hulk gibt und die Tachonadel häufiger in Richtung 235 zwingt, der muss sich zwangsläufig mit einem zweistelligen Ergebnis nach 100 Kilometern Wegstrecke abfinden.

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Aus 1,6 Liter Hubraum werden dank Turboaufladung 200 PS generiert.

Dem Fahrwerk ist es hingegen egal, ob der Pilot mit dem Bleifuß unterwegs ist oder ob er den Smooth Operator gibt. Das Geheimnis heißt hier Flex Ride. Das adaptive Fahrwerk passt die Dämpfung in Sekundenbruchteilen den Gegebenheiten der Straße an und frisst, wie der Pilot die Kilometer, alle Unbill auf. Natürlich hat der Fahrer auch hier Mitbestimmungsrecht. Er kann - und das muss nicht demokratisch sein - wählen, ob er sich für den Sport- oder Touren-Modus entscheidet. Wirklich spürbar ist das aber nicht. Genauso wenig wie das, was aus den schick verblendeten Endrohren kommt. Um etwaigen Diskussionen um Feinstaubemissionen aus dem Weg zu gehen, hat Opel ans Ende seines Triebwerks einen Benzinpartikelfilter gehängt, der eine optimale Oxidation der im Filter eingelagerten Partikel ermöglichen soll. 6d-temp ist also als kommende Abgasvorgabe für den 1,6 Liter Benziner kein Problem, verspricht der Hersteller.

Neue Multimediaeinheit

Über Platz und Sitzkomfort muss man im Insignia kein Wort mehr verlieren, schon gar nicht, wenn man sich für den Sports Tourer und die mit Nappa bespannten AGR-Sitze entschieden hat. Letztgenannte gehören mit zu dem besten Gestühl, dass man in dieser Klasse findet und Platz hat es für die erste Reihe ebenso wie für die Fondpassagiere. Auch der Kofferraum ist im Kombi mit 560 Litern reichlich und im Grand Sport mit 490 Litern recht ordentlich bemessen.

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Auch die Multimediaeinheit für den Insignia wurde von Opel aufgefrischt.

(Foto: Christian Bittner)

Aufgefrischt hat Opel auch das Multimedia-System. Zum einen erfreut es mit neuen Piktogrammen für die einzelnen Funktionen wie Telefon, Klima, Audio und Navi. Zum anderen wurde auch hinter den Kulissen geschraubt. Wer sich zum Beispiel für die neueste Generation des Navi Pro entscheidet, bekommt eine optimierte Zielsuche ebenso wie Informationen über den Verkehr, Kraftstoffpreise oder Parkmöglichkeiten in Echtzeit. Mit dem Navi-Pro, das in der Ausstattungslinie Innovation Serie ist, gibt es auch ein brillantes Head-Up-Display, das die wesentlichen Fahrdaten bis hin zur Navigation in die Frontscheibe projiziert.

Nimmt man jetzt den Preis für den Insignia ins Visier, mag man bei ziemlich genau 50.000 Euro schmerzlich das Gesicht verziehen. Wer aber versucht ein Fahrzeug mit gleichwertiger Ausstattung bei den Premiumherstellern zu konfigurieren, der wird schnell feststellen, wie wenig Geld das für ein solches Auto ist. Ob der Nachfolger des Insignia, der zweifellos unter dem Dach von PSA entstehen wird, qualitativ ebenso hochwertig ist und zu diesen Preisen angeboten wird, darf gerne bezweifelt werden. Doch bis es soweit ist, wird noch einiges Wasser die Seine hinunterlaufen. Denn vor 2023 ist kein neues Schlachtschiff aus Rüsselsheim zu erwarten. Aber bis dahin sollte man mit dem derzeitigen Angebot auch ausreichend Staat machen können.  

Quelle: n-tv.de