Auto

Bei unvermeidbarer Kollision Wen schützt das autonom fahrende Auto?

150670_Volvo_XC90_City_Safety.jpg

Wen soll das autonom fahrende Auto in Gefahrensituationen retten, den Fahrer oder die Fußgänger?

Lieber in die Menschengruppe fahren oder das Auto gegen die Wand lenken? Entscheidungen, vor denen in Zukunft computergesteuerten Autos stehen könnten. Doch so leicht lässt sich die Frage nicht beantworten, gleichwohl einige meinen, die Lösung sei gefunden.

TMDE_1037997.jpg

Das Auto selbst ist das Letzte, was es bei einem Unfall zu retten gilt.

Wen sollte ein autonom fahrendes Auto schützen? Primär die Insassen oder Menschen, die außerhalb des Geschehens stehen? Eine Frage die nur allzuschwer zu beantworten ist. Ein Interview mit Christoph von Hugo, Abteilungsleiter für aktive Sicherheit bei Daimler, und dem US-Magazin "Car and Driver" sorgt mit Blick auf dieses Thema im Moment für Verwirrung.

Darin soll es eine vermeintlich klare Antwort auf die Frage geben: "An erster Stelle stehen die Insassen", zitiert das Magazin von Hugo. Auf Nachfrage in Stuttgart sei das Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Für Daimler steht fest, das es weder Programmierern noch automatisierten Systemen zusteht über Menschenleben zu entscheiden. Egal, ob sie sich im oder außerhalb eines Fahrzeuges befinden.

Damit hat auch Daimler keine Entscheidung zu Gunsten der Fahrzeuginsassen getroffen, sondern hält an dem Grundsatz der möglichst hohen Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer fest. Laut des Magazins hält von Hugo hält "Dilemma-Situationen" prinzipiell für sehr unwahrscheinlich, da autonome Fahrzeuge, wenn sie denn im Straßenverkehr unterwegs sein werden, höchst selten in Unfälle verwickelt sein sollten. "Der Fokus unserer Entwicklungsarbeit liegt darauf, sogenannte 'Dilemma-Situationen' gänzlich zu vermeiden, indem beispielsweise die Fahrzeuge auf eine entsprechend risikoarme Fahrstrategie ausgelegt werden", so von Hugo.

audi-digital.jpg

Die immer fortschreitende Vernetzung soll Unfälle im Vorfeld verhindern.

Komme es dennoch zu einer Kollision, bestünde für die Fahrzeuge die größte Chance darin, das Leben der Insassen zu retten ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Dabei wird man immer das Auto opfern, bevor ein Mensch zu Schaden kommt. Natürlich könnten durch die Folgen eines unkontrollierten Ausweichmanövers die Geretteten verletzt werden. Aber das sind bis zu diesem Zeitpunkt alles Planspiele, die notwendigerweise durchgeführt werden müssen, wenn man sich mit dem Thema des autonomen Fahrens beschäftigt.

"Um diese Fragen von Recht und Ethik langfristig zu klären, brauchen wir einen breiten und internationalen Diskurs. Nur so bekommen wir ein umfassendes Bild und fördern die Akzeptanz für die Ergebnisse", so ein offizielles Statement von Daimler zu dem Thema. Als Hersteller wollen die Stuttgarter das umsetzen, was der jeweilige rechtliche Rahmen und das gesellschaftlich Akzeptierte gestatten.

Niemand darf über Menschenleben entscheiden

Die Diskussion um die Moral autonomer Autos nimmt aktuell Fahrt auf. Seit Ende September beschäftigt sich eine Ethik-Kommission der Bundesregierung unter der Leitung des ehemaligen Verfassungsrichters Udo Di Fabio mit Fragen rund um automatisierte Fahrsysteme. Das Gremium will unter anderem Leitlinien für den Einsatz von Autopiloten festlegen, die den Menschen in seiner körperlichen Integrität und als selbstbestimmte Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Klärungsbedarf gibt es auch in einer grundsätzlichen Frage. Denn bislang ist strittig, wer für die Programmierung der Entscheidungsfindung eines Autos überhaupt zuständig sei. Außer dem Hersteller könnten das der Fahrer oder auch der Gesetzgeber sein.

Ethische Fragen haben bei autonomen Autos große Relevanz, auch wenn sie auf den ersten Blick konstruiert erscheinen mögen. Selbst wenn autonome Autos wohl extrem selten vor Entscheidungen auf Leben und Tod gestellt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit eines derartigen Falles mit der Zahl der Fahrzeuge. Und die wird langfristig weltweit in die Millionen gehen.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.