Praxistest

Mini-Offroader mit Potenzial Geschrumpfter Mazda CX-5 im Test

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Schwarze Applikationen und Radläufe verschaffen dem Mazda CX-3einen robusten Auftritt.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Das Angebot wird stetig größer, die SUV immer kleiner: Der Mazda CX-3 bringt es auf Golf-Format. Seinen technischen Ursprung hat er aber eine Fahrzeugklasse tiefer. Ob das funktioniert, klärt der n-tv.de-Praxistest.

Zu heiß gewaschen? Nein, das Auto ist kein versehentlich in den Kochwaschgang geratener CX-5, sondern Mazdas Antwort auf den ungebrochenen SUV-Boom, der inzwischen auch vor dem Kleinwagen-Segment nicht mehr Halt macht. Der Mazda 2 wurde höher gelegt und schon gibt es ihn wahlweise mit Allrad- und Vorderradantrieb. Seine Wettbewerber findet der kleine Bruder des CX-5 bei Opel Mokka, Fiat 550 X, Nissan Juke oder Ford EcoSport.

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Der Dachspoiler zieht sich weit in die Heckscheibe des Mazda CX-3, was die Sicht nach hinten schmälert.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Bislang wurde in Deutschland nur etwa ein Drittel der neu angemeldeten CX-3 mit 4x4-Antrieb verkauft, doch die besseren Überblick schaffende hohe Sitzposition, das leichtere Ein- und Aussteigen machen das Auto attraktiv. Dafür kostet es in der 105-PS-Diesel-Variante auch gleich 4500 Euro mehr als ein gleich motorisierter Mazda 2. Beim CX-3 haben sich bislang nur etwa 17 Prozent der deutschen Kunden für einen Dieselantrieb entschieden, was einen genaueren Blick auf den Selbstzünder rechtfertigen sollte.

Familien-konformes Styling

Die Kodo-Designsprache, die Mazda nach und nach über alle Baureihen verteilt hat, bestimmt natürlich auch die Formgebung des CX-3. Seine robuste Erscheinung verdankt er der schwarzen Bugschürze, den ebenfalls dunkel eingefärbten Schwellern und nicht zuletzt den schwarzen Einfassungen der Radläufe. Prägend für die Silhouette ist dabei die relativ lange Motorhaube. Sie führt zwangsläufig dazu, dass zwischen den Rädern nicht mehr so viel Platz für Passagiere bleibt wie bei einer anderen Verteilung der Proportionen. Nimmt man hier erneut den Golf als Bezugsgröße, hat der Mazda-Neuling sieben Zentimeter weniger Radstand zu bieten. 2,57 Meter sind das Maß, das die Plattform des 2er-Modells vorgibt. Folglich sind die Platzverhältnisse in der zweiten Reihe nicht eben üppig zu nennen. Über dem Scheitel ist der Raum noch ausreichend, aber um als Erwachsener die Knie zu verstauen, muss man zuweilen den Vordermann um Nachsicht und Verkürzung seiner eigenen Beinfreiheit bitten.

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Leichte Klappe: Beim Gepäckvolumen erreicht der CX-3 Kompaktklasse-Niveau.

Das Gepäckabteil gefällt vom ersten Augenblick, denn die Klappe ist so gut austariert, dass sie federleicht nach oben und wieder zurück schwingt, der Kraftaufwand bleibt damit minimal. Die Ladekantenhöhe von 80 Zentimetern ist zwar nicht vorbildlich, aber weil es dahinter einen beweglichen Ladeboden gibt, ist das Positionieren der Lasten kinderleicht. 350 Liter Volumen bedeuten Kompaktklassen-Niveau, jedoch hat die Sache einen kleinen Haken: Das sehr nützliche Technikpaket mit adaptiver Geschwindigkeits-Regelanlage, Kollisionswarner, dynamischem Kurvenlicht, Fernlicht- und Spurwechsel-Assistent – für zusätzliche 1300 Euro - enthält auch ein Bose-Soundsystem für hervorragenden Klang. Dieser Klang wird unter anderem durch einen Subwoofer erzeugt, der dann seinen Platz hinter den Passagieren einnimmt. Und dort reduziert er den verfügbaren Stauraum auf 278 Liter. Klappt man die Rücksitze um, sind maximal 1260 Liter nutzbar. Die erlaubte Zuladung ist mit mehr als 500 Kilogramm für ein Auto dieses Kalibers enorm hoch.

Umfangreiches Assistenz-Angebot

Dass so viele elektronische Helferlein überhaupt verfügbar sind, ist in dieser Fahrzeugklasse noch längst nicht selbstverständlich und deshalb für den CX-3 in jedem Fall auf der Habenseite zu verbuchen. Wer möchte, kann auch noch ein Head-Up-Display bekommen, muss dazu aber die "Sports-Line"-Ausstattung wählen, denn als einzelnes Feature ist Projektion von Fahr- und Navi-Informationen in die Frontscheibe nicht bestellbar. Diese Version ist dann aber auch mit LED-Scheinwerfern bestückt. Schon ab der Basisausführung sind Berganfahrhilfe, Klimaanlage, Audio-System mit USB-Anschluss, Notbrems-Warnblinkautomatik, Reifendruck-Kontrollsystem, Isofix-Kindersitzhalterungen, elektrische Fensterheber rundum sowie das Start-Stopp-System an Bord.

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Der aufrecht stehende Monitor über der Mittelkonsole bestimmt das Bild der Armatur im CX-3.

Das Cockpit wird bestimmt durch den aufrecht stehenden Monitor, der Kommunikations- und Entertainment-Funktionen steuert und bei Anschaffung des Navigationssystems für 690 Euro auch die Routenführung. Mittels eines kompatiblen Smartphones können ab der "Center-Linie"-Ausstattung verschiedene Apps und Social-Media-Funktionen aktiviert werden. Die Bedienung erfolgt über einen Dreh-Drücksteller zwischen den Vordersitzen, wo auch die Radio-Lautstärke geregelt wird, sofern man dies nicht über die Lenkrad-Tasten tut. Zwar liegt der Startknopf im Lenkradschatten, aber nach kurzer Zeit ertastet man ihn genauso zuverlässig, wie man einst den Schlüssel blind ins Zündschloss bugsierte.

Ein Schwachpunkt des Klima-Managements offenbart sich an besonders kalten Tagen: Um die Frontscheibe von Reif oder Beschlag zu befreien, lenkt man sinnvoller Weise die maximale Gebläseleistung nach oben. Soweit normal. In den ersten Minuten wird die Luft kaum erwärmt, auch normal. Die Zwangsbelüftungen an den äußeren Enden des Armaturenbretts sind aber nicht verschließbar, so dass der eisige Luftstrom auch die Insassen trifft und das ist lästig. Ein Klappenmechanismus könnte Abhilfe schaffen.

Kultivierter, laufruhiger Diesel

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Viel Platz gibt es im CX-3 nicht. Wenn Gäste in der zweiten Reihe Platz nehmen gilt: gegenseitige Rücksichtnahme.

Der 1,5-Liter-Motor harmoniert gut mit dem manuellen Sechsgang-Getriebe. Allerdings fühlt sich die Schaltung nicht so knackig an, wie man das von anderen Mazda-Modellen her gewohnt ist. Das Aggregat baut sehr schnell Betriebstemperatur auf und arbeitet dann äußerst ruhig und zurückhaltend. Teilweise merkt man gar nicht, dass man in einem Diesel unterwegs ist. Da der Wagen nicht mehr als eine Kompakt-Limousine wiegt, ist man mit 105 PS ganz munter unterwegs. Vor allem die 270 Newtonmeter, die ab 1600 Umdrehungen zupacken, vermitteln ein waches Temperament und guten Anzug.

Der Fronttriebler gab sich im Hinblick auf Traktion oder Antriebseinflüssen in der Lenkung keine Blöße. Die Agilität der Allradversion dürfte hinter das Erlebte kaum zurück fallen, denn die zusätzlich angetriebene Achse bringt lediglich 75 Kilogramm Mehrgewicht ins Auto. Im Übrigen ist das System so ausgelegt, dass auf trockener Straße keine Kraft auf die Hinterräder übertragen wird. Mit dem optimistischen Prospektwert von vier Litern Diesel je 100 Kilometer war bei den Testfahrten allerdings nicht auszukommen. Die 5,8 Liter, die der Bordcomputer schließlich ausrechnete, sind jedoch für eine nicht immer spaßgebremste Fahrweise angemessen.

Federungskomfort und Einlenkverhalten sind ohne Tadel, ebenso der Geräuschkomfort in höheren Tempobereichen. Die Sitze sind bequem, die Ablagen und Verstaufächer ausreichend bemessen. Die flachen Scheiben und die dicke B-Säule schränken die Rundumsicht etwas ein. Eine Rückfahrkamera gibt es nur für die "Sports-Line", dort allerdings ohne Aufpreis.

Fazit: Das Experiment, aus einem Kleinwagen ein (fast) kompaktes SUV zu machen, ist geglückt. Der CX-3 ist ein unkompliziertes und vielseitiges Allzweckauto, das zwar nicht durch außergewöhnliche Eigenschaften auffällt, aber ein stimmiges Gesamtkonzept bietet und deshalb in der engen Marktnische seinen Platz behaupten wird.

DATENBLATTMazda CX-3 D 105 FWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,26 / 1,77 / 1,54 m
Radstand2,57 m
Leergewicht (DIN)1200 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen350 - 1260 Liter
Maximale Zuladung535 kg
Motor4-zylinder Turbodiesel, quer eingebaut mit 1499 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang manuell
Systemleistung77 kW/ 105 PS
KraftstoffartDiesel
Tankinhalt48 Liter
AntriebVorderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit177 km/h
max. Drehmoment270 Nm bei 1600 - 2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,1 s
Normverbrauch (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km3,8 / 4,4 / 4,0 l
Testverbrauch5,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
105 g/km
CO2-Emission105 gIkm
Bodenfreiheit27,8 cm Geländeniveau
21,3 cm Standard-Bodenfreiheit
Grundpreis21.990 Euro
Preis des Testwagens25.210 Euro

 

Quelle: ntv.de