Leben

Die Anti-Corona-Strategie Immunsystem und Beziehung stärken

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Die Liebe in den Zeiten der Corona - überlebt mancherorts doch.

(Foto: dpa)

Was macht Corona mit den Menschen? Werden Singles noch einsamer, Familien noch verrückter? Das Immunsystem noch schwächer? Oder lernen Menschen einen neuen Umgang mit sich und dem Leben? Therapeuten und Heilpraktiker sind jedenfalls gefragter denn je.

Corona hat eindeutig Spuren hinterlassen. Und tut es noch. Der Mensch ist für das Miteinander gemacht, er braucht soziale Kontakte, seine Familie, seine Freunde. Aber welche Überschrift steht im Jahr 2020 über allem? "Social Distancing", denn nur wer Abstand hält, ist ein verantwortungsvoller Mensch. Das mag nicht jedem gefallen, ist aber so. Das Coronavirus macht vielen Menschen nicht nur im physischen Erleben einen Strich durch die Rechnung, es schlägt auch aufs Gemüt. Einige checken täglich, ob sie Halsschmerzen haben oder ob ihr Geruchs- und Geschmackssinn noch funktioniert. Andere stellen ihre bestehende Partnerschaft infrage - wieder andere fragen sich, warum sie keine haben. Eltern sind leicht überfordert, vor allem, weil sie für vieles keine Perspektive sehen. Menschen brauchen Alltag, Verlässlichkeit und Ziele - aber wie soll man sich die stecken, wenn nicht klar ist, wie es weitergeht?

"Ich bin viel sensibler als sonst", erzählt die Chefin einer Marketingagentur ntv.de. "Nichts ist mehr selbstverständlich. Mein Mann macht sich große Sorgen darum, wie es bei ihm im Job weitergeht, aber er will es nicht so zeigen. Genau wie ich." Das bringt uns aber nicht weiter, wenn wir alles in uns hineinfressen, oder? "Ganz sicher nicht", sagt Lotta Herrgesell, Heilpraktikerin, Gesundheitscoach und Autorin. Ihre Schwerpunkte sind zwar die Homöopathie, Bioresonanztherapie und das Gewichtsmanagement, aber: "Die Nachfragen waren und sind in den letzten Monaten auf vielen Ebenen sehr stark." Das Spektrum der Ratsuchenden und auch der Ratgebenden hat sich zwangsweise erweitert.

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Lotta Herrgesell muss gerade viel Rat geben.

(Foto: Kristin Schnell)

"Ein Schwerpunkt in meiner Praxis ist seit vielen Jahren die Prävention und Stärkung des Immunsystems. Das ist etwas, was natürlich immer wichtig ist, aber in Zeiten von Corona und mit Beginn des nahenden Herbstes ganz besonders", so Herrgesell. "Und es kommen viele andere Themen hinzu: Eine Frau um die 40, die als freie Beraterin arbeitet, macht sich nach einem halben Jahr mit Corona größte existenzielle Sorgen", erzählt sie ntv.de. "Ein Mann Mitte 30 mit Tinnitus und Hörsturz kommt zu mir, eine Friseurin Anfang 30, die an einem durch das ständige Maskentragen ausgelösten Mundpilz leidet."

Migräne, Schwindel, Depression, Angstzustände, Schlafstörungen, Unruhezustände, Panikattacken - das ganze Spektrum: Corona löst einfach Angst aus. Die sich auch auf eine Partnerschaft niederschlagen kann. "Die ersten Wochen nach dem Corona-Ausbruch war es auffällig ruhig. Dann kamen schlagartig die Anrufe", sagte Paarberaterin Silvia Fauck dem "Stern" bereits vor einiger Zeit. Zunächst riefen vor allem einsame Singles an. Viele hätten sogar darüber nachgedacht, ihren Ex-Partner zurückzunehmen, um nicht mehr einsam zu sein. Bevor man jedoch in einen solchen, höchstwahrscheinlich doch zum Scheitern verurteilten Aktionismus verfällt, sollte man lieber das Buch, das die Liebeskummer-Expertin geschrieben hat, lesen. Dort verschweigt sie zwar nicht, dass das mit der Liebe nicht leichter wird, dass es aber trotzdem glücklich macht, sich um sie und den anderen zu kümmern.

Die pure Beziehung

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Seit sich die Beschränkungen wieder gelockert haben, gibt es erneut ein anderes Bild: "Es kam ein großer Schwung von Paaren, die im Homeoffice gemerkt haben, dass sie einander nicht mehr lieben, nur noch nebeneinanderher leben oder sich gegenseitig blockieren", so Fauck. Sämtliche Ablenkungen des normalen Lebens, die Paare sonst als gegeben hingenommen haben und sich ihre Tagesstruktur mit Sport und Kultur, Freunden und Ausgehen (allein und zusammen) gestaltet haben, waren ja weggefallen. Übrig blieb - die pure Beziehung.

"Covid ist und bleibt präsent", fürchtet Heilpraktikerin Herrgesell, wieder steigende Corona-Fallzahlen nach den Sommerferien machen nervös und alarmieren die Profis. Die Schutzmaßnahmen Homeoffice und auch das leidige Thema Masketragen sind wohl noch lange nicht abgehakt. Vor allem steht die Frage im Raum: Was wird diese Corona-Krise noch mit uns machen? "Alte Beschwerden brechen oft wieder auf, zum Beispiel Allergien, Hauterkrankungen, Verdauungsprobleme, Herzbeschwerden", sagt die in Berlin praktizierende Herrgesell. "Viele Krankheiten basieren ja auf Zukunftssorgen. Die Frage nach dem Morgen stresst und Stress macht krank. Er triggert Beschwerden und Erkrankungen, die man sonst im Griff hat." Und das betrifft keineswegs nur Erwachsene, merkt die gebürtige Schwedin: "Nein, das betrifft auch Kinder, denn der gerade wieder begonnene Schulalltag ist ein fragiles Gebilde. Die Jüngsten reagieren oft mit wieder aufflammenden Allergien, Schlafstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten in Form von Wutausbrüchen und Traurigkeit."

Bleibt Corona?

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Das alles ist natürlich nicht nur in Deutschland so, das Problem Corona betrifft die ganze Welt: Laut der Behörde für nationale Statistik in Großbritannien geben doppelt so viele Briten an, an Depressions-Symptomen zu leiden, wie zu "Nicht-Corona-Zeiten". Besonders betroffen sind Menschen unter 40, Frauen, Menschen mit Behinderungen und Personen, die befürchten, ihre Lebenshaltungskosten nicht aufbringen zu können.

Stellt sich die Frage: Bleibt Corona? "Wir müssen wohl lernen, damit zu leben. Und auch mit anderen Erregern, die noch kommen werden" befürchtet Lotta Herrgesell. Sind das jetzt frustrierende Aussichten für die Zukunft? "Es sind auf jeden Fall andere Aussichten, als wir sie uns wohl jemals vorgestellt haben. Wir sollten uns ganz einfach weiterhin vorsichtig verhalten, mit uns und mit den anderen."

Quelle: ntv.de

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