Liebe und Familie

In Vino Verena Was stimmt nicht mit den Männern?

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Diesen Leser-Kommentar hat unsere Kolumnistin erhalten.

Postfach Verena Maria Dittrich

Jeden Tag erhalten Frauen in den Medien böse Kommentare. Viele finden derlei Beschimpfungen sogar "normal". Auch unsere Autorin hat Bekanntschaft mit Hassmails gemacht. Über Männer, die fremde Frauen verbal vollstrullen.

"Dein Geschreibsel sagt viel über dein Männerbild aus. Du solltest mal wieder richtig durchgefickt werden, du vertrocknete Schlampe", schreibt MartinX33 und ergänzt: "Ich lese deine Texte nicht, ich sehe an den Fotos und der Überschrift, dass sie Mist sind."

Leserkommentare. Ich habe lange überlegt, ob ich darüber überhaupt schreiben soll. Wenn man nämlich, wie meine Wenigkeit, Texte veröffentlicht, ist ein volles Postfach keine Seltenheit. Die Mehrzahl der Kommentare sind von Männern. Eins vorab: Die meisten Männer, die mir schreiben, sind höflich. Es sind Männer mit Humor, Anstand und guter Kinderstube.

Es erfüllt mich wirklich mit Stolz, dass es da draußen Leser gibt, die sich hinsetzen und sich die Mühe machen, mir zu schreiben. Persönliches Feedback - das ist toll, gerade, weil eben auch viele Autoren in ihrem Kämmerlein allein vor sich hinrödeln. Schriftsteller und Zweifel - ein ewiger Konflikt.

Seitdem ich rund um die Themen Körper, Männer oder Liebe schreibe, erhalte ich noch mehr Leserpost. Zuerst ist er mir gar nicht aufgefallen - der große Unterschied zwischen Leserbriefen von Frauen von Männern (Achtung: EINIGE Männer, nicht alle Männer!).

"Olle Emanze, bist wohl untervögelt"

Meine Kolumne über Schamhaare beispielsweise sorgte für mächtig Tohuwabohu. Manche Männer haben sich dermaßen auf den Schlips getreten gefühlt, die taten so, als würde ich persönlich bei ihnen zu Hause einreiten und ihnen die Schambehaarung stutzen - mit einem Cuttermesser. Sie haben sich richtig verteidigt! Dabei habe ich sie gar nicht angegriffen!

Während Frauen schreiben: "Ich rasiere mich trotzdem weiter, mich stören Schamhaare, tschüssi, schönes Wochenende", schreiben Männer: "Du bist gestört, Frechheit, was soll das, pfui Deibel, ekelhaft, dumme Kuh" oder: "Olle Emanze, bist wohl untervögelt" und sogar: "Ab in den Gulag mit dir!"

Ich habe keinen einzigen Leserbrief von einer Frau, in denen auf Anrede und Gruß verzichtet wird, keine einzige Frau ist mir jemals blöde gekommen oder wurde beleidigend. Beleidigt haben immer nur Männer.

Ich frage mich: Was stimmt nicht mit diesen Männern? Ist es nur Zufall, dass in meinem Postfach bis dato keine beleidigenden Mails von Frauen dabei waren? Oder tendieren Männer allgemein eher zu Gemeinheiten? Ich meine damit nicht die Kommentare in den sozialen Medien, auch dort dominiert das Männliche: "Die Alte muss mal anständig durchgebumst werden, dann schnurrt die wieder!" Einer wollte mich "ab ins KZ" schicken, ein anderer regte sich darüber auf, warum Dickpics zu verschicken eine Straftat sei, während er den ganzen Tag in tiefe Ausschnitte und auf "hässliche, dicke Euter" schauen muss, das sei ja wohl auch "sexuelle Belästigung" - all die "Titpics" und "paarungsbereiten Weiber, die über uns Männer herfallen".

Die Weiber drehen durch!

Man könnte es sich jetzt einfach machen und sagen: Männer, die pöbeln und poltern, sind Idioten, unsicher und verbittert. Aber sind Männer, deren Gebaren so widerlich wie frauenfeindlich ist, wirklich nur einsame Herzen, die liebgehabt werden wollen?

Männer haben es in letzter Zeit nicht leicht. Frauen haben sich verbündet gegen ihr Geschlecht, auf einmal haben sie die Schnauze voll und begehren auf, lassen sich nicht mehr einfach so betatschen, dümmlich anmachen oder sexistisch vollquatschen. Und alles ging so furchtbar schnell!

Plötzlich heißt es: Es sei die Zeit der Frauen, Herrgottnochmal die Weiber drehen durch! Wir Männer müssen sie zur Räson bringen, bevor sie auf noch mehr irre Ideen kommen, wie beispielsweise genauso viel verdienen zu wollen wie wir!

Das männliche Ego musste viel einstecken, jetzt läuft man(n) sogar schon Gefahr, eine Frau zu belästigen, wenn man ihr ein Kompliment macht oder ihr ein "harmloses" Dickpic schickt. Aber wie kann man(n) sich gegen all die immer lauter werdenden Frauen bloß wehren? Man(n) könnte ihnen applaudieren und sie unterstützen. Aber das scheint vielen Männern noch immer schwerzufallen. Viel lieber hacken da einige dieser Exemplare Sätze in ihre Handys und Computer, in denen Frauen mit einer ordentlichen Züchtigung wieder an ihren Platz zurück penetriert werden sollen.

Oberstes Gebot: Ignorieren, weglächeln

Manchmal rege ich mich im Freundeskreis über böse Leserkommentare von Männern, die mich als Projektionsfläche für ihr angestaubtes Frauenbild sehen und weder Respekt noch Schamgefühl kennen, furchtbar auf. Es heißt dann immer, ich soll mich nicht aufregen. Das sei doch normal, was sollen denn all die vielen Frauen sagen, die täglich solchen Rotz über sich lesen müssen? Normal? Ich finde es ganz und gar nicht normal, wenn irgend so ein Hirni meint, mich verbal vollstrullen zu müssen, bloß weil er verbittert ist. Frauen als Fotzen zu beschimpfen kann nicht normal sein, darf nicht normal sein.

Oberstes Gebot: Ignorieren, weglächeln, drüberstehen. Niemals antworten, mit denen braucht man sowieso nicht zu kommunizieren. Manche Leute, die Hasskommentare erhalten, gehen an die Öffentlichkeit und lesen die schlimmsten laut vor. Im Hintergrund werden dann oft künstliche Lacher wie bei Al Bundy eingespielt, haha, "du Schlampe", wie lustig.

Sorry, nein! Ich sitze nicht wie Siddhartha auf einem Berg und schaue mit Blumenketten um den Hals und endlosem Verständnis auf die Welt herunter. Ich kann über Hass nicht müde hinweglächeln. Aber gut, ich habe es kapiert - löschen. Doch tief in mir drin möchte ich die Buden dieser Männer mit Einhörnern tapezieren, sie schütteln und ihnen mitten in ihre hasserfüllte Visage flüstern: "Frauen sind nicht deine Feinde. Sie möchten nur Achtung und Respekt. Simple Dinge, die in unserer modernen Welt selbstverständlich sein sollten. Ich setz dich jetzt vor deine Einhorntapete - so lange, bis du das begreifst."  

Quelle: n-tv.de

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