Leben

Aus der Schmoll-Ecke Noch 98 Jahre bis zum Weltuntergang

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Der Mars ist nicht unbedingt eine einladende Alternative zur Erde.

(Foto: John Wade/Dpa)

Damit die Menschheit überlebt, muss sie sich bald einen neuen Planeten suchen. Aber was nimmt man als Gastgeschenk mit auf den Mars? Snickers? Was ist dort politisch korrekt? Und was, wenn die Marsianer erklären: "Climate refugees are not welcome?"

Ich vermag es nicht zu beurteilen, weil mir selbst seine für Doofis wie mich geschriebenen Bücher zu hoch sind, weshalb ich nie über Seite 50 hinauskam. Trotzdem glaube ich: Stephen Hawking war ein genialer Typ, bestimmt genauso gescheit wie Albert Einstein. Und vermutlich sogar fast so weise wie die vielen Hyperklugen auf Facebook und Twitter, die - egal ob berufen oder nicht - zu allen möglichen Themen brillante Einschätzungen abgeben, obwohl sie nur die Überschrift gelesen haben.

Hawking befürchtete das nahe Ende der Menschheit. Noch 100 Jahre gab der Astrophysiker der Erde. Und das war vor zwei Jahren. Bleiben also noch 98 Jahre. Zum Glück bin ich bis dahin tot. Uff! Der Tod hat tatsächlich auch was Tröstendes. Hawking meinte: Klimawandel, Asteroideneinschläge, Epidemien oder Bevölkerungswachstum - eins davon reicht, um uns Menschen auszulöschen.

Tschüss! Auf Nimmerwiedersehen! Macht es gut, Erdbewohner! Ihr habt es nicht anders verdient. Ihr seid zu doof gewesen, diesen Planeten zu bewahren. Statt zu lernen und Ideen für die Zukunft zu entwickeln, habt ihr an Freitagen die Schule geschwänzt. Statt überall Tempo 10 einzuführen und SUVs zu verbieten, habt ihr freien Bürgern freie Fahrt gewährt. Statt Fleisch zu fressen, habt ihr Avocado verspeist und den Regenwald dafür abgeholzt. Statt von Berlin nach Stuttgart zu radeln, seid ihr die Strecke geflogen. Was man tut, es ist immer falsch und macht irgendwas kaputt, was uns kaputt macht.

Urlaub auf dem Mars

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Hawking empfahl den Menschen, die im Gegensatz zu ihm, der im März 2018 starb, auf der Erde verbleiben, sich einen hübschen Planeten als neuen Wohnort zu suchen. Die Vorbereitungen laufen bereits. Vorläufig üben wir uns in Weltall-Tourismus. Köstlich: Erst macht der Massentourismus auf der Erde alles in Arsch - und nun nehmen wir uns das All vor. Es ist gerade voll angesagt, als normal sterblicher Erdenbürger ins All zu fliegen und dort Ferien zu machen. Urlaub auf dem Mars - klingt das geil. Schön am Strand liegen und auf einen Verkäufer warten: "Mars, Snickers oder ein Eis?"

Nix da! Denn leider, so las ich es jedenfalls, litt der Mars an extremer Inkontinenz. Der arme Planet konnte das Wasser nicht halten. Ja, richtig gelesen. Einst waren 90 Prozent der Marsfläche mit Wasser bedeckt. Vor ein paar Milliarden Jahren gab es auf dem Planeten noch Flüsse und einen hübschen Ozean mit Walen, Heringen, Robben, Algen und so. Alles futsch und weg. Heute, sagen Forscher, existieren dort nur noch "geringe Mengen gefrorenen Wassers und Spuren von Wasserdampf". Geringe Mengen gefrorenen Wassers habe ich auch im Eisfach. Denn ohne Eis schmeckt der Gin Tonic nicht. So schlimm kann es also nicht sein mit dem Wasser auf dem Mars.

In ein paar Jahren sollen Astronauten - damit meine Leser aus der Ostzone sich nicht gleich wieder benachteiligt fühlen: Kosmonauten - zum Mars starten und dort alles für Nachkömmlinge herrichten. Dazu müssen sie sich schön einmummeln. Unpassende Kleidung kann auf dem Mars rasch zu Erfrierungen führen. "Zieh dich warm an, Junge/Mädchen", sollten Mütter sagen, bevor sie ihre Kinder auf die extrem coole Mission schicken. Denn bis zu minus 140 Grad kalt ist es dort.

20 Grad an Weihnachten

Wie gesagt: Gut, dass ich da schon tot bin, wenn es so weit ist. Denn irgendwie ist das ein bescheuerter Gedanke. Wenn der Klimawandel was Gutes hat, sind es doch die schönen kuschligen Temperaturen von 20 Grad an Weihnachten. Und dann soll man 200 Tage zum Mars fliegen, um bei minus 100 Grad die Ankunft weiterer Siedler vorzubereiten. Schönen Dank auch. Und wer weiß, wer dann kommt. Typen, die möglicherweise Stress machen. Dann geht die Diskussion von vorne los: Bloß keine Muslime, Christen, Buddhisten, Araber, Weiße, Schwarze, Asiaten, Kanaken, Vandalen, Römer, Germanen. Da bleibe ich lieber mit dem Arsch daheim. Mir reicht schon der ganze Scheiß-Rassismus auf der Erde.

Und dann all die Fragen für den Fall, dass wir eben doch unerwartet auf Bewohner treffen: Was wäre ein passendes Gastgeschenk für Marsianer? Das "Bauset LEGO 60226 - City Mars-Forschungsshuttle", das bei Amazon 21,99 Euro kostet? Nachher lachen die sich schlapp darüber. Meine Nichte schlug vor: Snickers. Das fand ich sehr lustig, bis mir einfiel: Das könnte die Marsbewohner beleidigen. "Wieso habt ihr uns kein Mars mitgebracht?" Also dann Mars-Riegel. Aber was, wenn sie dann sagen: "Schaut euch mal um, ihr Dödel. Mars haben wir selbst genug. Hättet ihr uns nicht Raider mitbringen können"? (Das können Sie nicht wissen: Twix heißt auf dem Mars wegen der Aussprache weiter Raider.)

Lieber den Film "Mars Attacks", der die Marsianer als aggressive Wesen mit Hang zu schwarzem Humor und anfällig für schreckliche Musik darstellt? Sehr riskant. Zumal auch unklar ist, was auf dem Mars politisch korrekt ist. Vielleicht löst es einen Shitstorm aus, wenn man "schwarzer Humor" sagt, weil das auf dem Mars weißer oder grüner Humor heißt. Gendern die? Wenn ja, wie? Am Ende verstehen die keinen Spaß - und schon käme es zu ersten schweren diplomatischen Verwicklungen, in die sich Darth Vader einschaltet und seine Truppen vorbeischickt. Wenn ich da an die Ausrüstung der Bundeswehr denke, wird mir angst und bange.

"Climate refugees are not welcome!"

Die ganze Euphorie der Marsbesiedlung wäre auch schon vorbei, wenn die Marsianer Schilder hochhalten: "Climate refugees are not welcome! Ihr habt euren Planeten kaputt gemacht, nun lasst unseren, wie er ist." Wir sind aber gekommen, um zu bleiben. Wir beantragen politisches Asyl und erklären, unsere Pässe verloren zu haben, weshalb wir nicht abgeschoben werden können.

Vielleicht ist die Mars-Besiedlung aber auch nur eine Heimkehr. Ich vermute jedenfalls, dass die Marsmenschen den Planeten verlassen haben, als klar war, dass in 100 Jahren der Ozean und die Flüsse verschwinden. Keiner wollte es so richtig glauben, bis ein Marsmädchen mit Zöpfen und Asperger-Syndrom kam und die Politik anflehte, den Planeten zu retten. Nur die Alternative für den Mars, die AFDM, glaubte nicht an den Klimawandel und machte sich über das Mädchen lustig. Schließlich sagte ein Wissenschaftler des Formats eines Stephen Hawking: "Euch verbleiben noch 100 Jahre. Seht zu, dass ihr einen anderen Planeten findet." Man einigte sich auf die nahe Erde als neuen Wohnort, weil es dort viel Wasser gab. Und dann haben sie mit einem Spaceshuttle Noah, Adam und Eva und ein paar Tiere auf die Erde geschickt, die bald unter dramatischen Umständen gestorben sind, bevor viel Zeit ins Land ging, ehe wieder aus einer Mücke ein Elefant werden konnte.

So ist eben der Mensch. Er ruiniert einen Planeten, besiedelt einen anderen und kehrt dann zu dem Planeten zurück, der sich vom Ruin erholt hat, nachdem der Mensch weg war. Mir scheint: Mensch und Planet verträgt sich irgendwie nicht so richtig.

Quelle: n-tv.de

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