Leben

Altersarmut wird steigen Warum es schnell eine Rentenreform braucht

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Für viele Senioren reicht die Rente bereits jetzt kaum zum Leben.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Kein Politiker spricht gern über die Rente. Und schon gar nicht darüber, wie man diese in Zukunft gerecht für alle finanzieren soll. Doch mit der Vogel-Strauß-Taktik kommt man hier nicht weit. Wir müssen über die Rente sprechen, und zwar sofort!

Noch immer ist sie tief im Kollektivbewusstsein der Deutschen verankert - die beruhigende Phrase: "Die Rente ist sicher". Im Grunde nur ein geflügeltes Wort, das dem 2020 verstorbenen einstigen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm zugeschrieben wird. Der Ursprung dieser Aussage liegt in einer Werbekampagne der Bundesregierung, bei der der CDU-Politiker im Jahr 1986 vor Wahlplakaten posierte. Der korrekte Wortlaut des Werbespruchs war jedoch: "Denn eins ist sicher: die Rente". Heute jedoch wissen wir, dass dem ganz und gar nicht so ist!

Die gesetzliche Rente soll die wichtigste finanzielle Vorsorge fürs Alter sein. Inzwischen aber sieht man immer mehr betagte Menschen, die von ihrer knappen Rente kaum noch leben können. Sie sammeln Flaschen, stehen Schlange bei der Tafel oder gehen selbst im Rentenalter einer Erwerbstätigkeit nach, um den mageren Inhalt ihrer Geldbörse aufzubessern. Die Angst vor einer flächendeckenden Altersarmut ist kein Hirngespinst, keine Schwarzmalerei: Sie ist eine äußerst ernstzunehmende Bedrohung, der unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren gnadenlos ausgesetzt sein wird, sollte es in den verantwortlichen Ministerien, Behörden und bei den Gesetzgebern weitergehen wie bisher.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Der Bundesfinanzhof (BFH) in München hat am Montag ein wegweisendes Urteil für die Rentner der Zukunft gefällt. Im Zuge dessen hat der BFH eine Formel für die Berechnung der Altersbezüge beim Thema der doppelten Besteuerung erörtert und im weitesten Sinne auch festgelegt. Damit liegt der Ball nun bei den dafür zuständigen Behörden der Bundesregierung. Es heißt: Künftige Rentner können "hoffen", dass mit dem Geld, das ihnen die letzten Lebensjahre lebenswert machen soll, kein Schindluder betrieben wird. Hoffen: welch aufmunterndes Wort! Der Bürger kann also "hoffen", dass er jetzt und in Zukunft nicht über den Tisch gezogen wird. Das ist nett, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Die Geburtsstunde der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland liegt am Ende des 19. Jahrhunderts. 1889 wurde ein Gesetz zum Schutz der Arbeiter gegen Krankheit, Unfall, Invalidität und zur Versorgung im Alter beschlossen - damals wie heute ein nobles Unterfangen - wenngleich dieses in einem demokratischen Sozialstaat im Grunde selbstverständlich sein sollte. Problematisch ist jedoch, dass die finanziellen Strukturen, auf denen das Modell der Rentenversicherung in Deutschland fußt, schon seit Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäß sind. Wie ein alter, sterbender Dinosaurier schleppt sich dieses Modell durch die Zeit.

Die Welt von heute ist nicht die Welt vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Geschichtsbücher wissen das und unsere Jugend weiß das auch. Nur einige Politikerinnen und Politiker scheinen sich dieses Umstandes noch nicht bewusst zu sein. Anders lässt sich das Verschleppen und Ignorieren einer sinnvollen Rentenreform nicht erklären.

Wir brauchen nennenswerte Veränderungen in der Finanzierung unseres Sozialstaates, andernfalls ist die fortschreitende Altersarmut und das immer größer werdende Gefälle zwischen Arm und Reich nicht aufzuhalten.

Die Rente sowie die Angst davor, im Alter finanziell im Regen zu stehen, ist das aktuelle Thema der neuen Folge des ntv-Podcasts "Ditt & Datt & Dittrich".

Quelle: ntv.de

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