Leben

Digital Aging Sorgt blaues Licht für Falten?

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Blue Light dringt tief in die Haut ein und lässt sie schneller altern.

(Foto: imago images / Westend61)

Das Benutzen von Computer, Tablet oder Smartphone gehört bei vielen Menschen zum Alltag. Eine Warnung für Digital Natives: Genau diese Angewohnheit kann womöglich den Hautalterungsprozess beschleunigen.

Zu viel Sonnenlicht, Rauchen und ungesunde Ernährung sorgen bekanntermaßen dafür, dass die Haut schneller altert. Was viele jedoch nicht wissen: Auch das künstlich erzeugte Licht von Tablets und anderen technischen Geräten kann zu Falten führen. Mit dieser Auswirkung des blauen Lichts beschäftigt sich die Digital-Aging-Forschung.

Zunächst einmal ist es wichtig, zu wissen, dass blaues Licht auch im Tageslicht enthalten ist. Blue Light - auch HEV-Licht (HEV = high-energy visible) genannt - hat eine Wellenlänge von 380 und 500 Nanometer. Das kurzwellige Licht besitzt eine besonders hohe energetische Ladung. Dadurch dringt es noch tiefer in die Haut ein als die UVA- und UVB-Strahlen des Sonnenlichts.

 

Zu viel Blue Light könnte die Haut schädigen

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Der Schweizer Dermatologe Dr. Felix Bertram ist Gründer der skinmed AG. Er hat sich auf Faltenbehandlungen und Hautchirurgie spezialisiert.

"Das Blue Light hat gewisse Einflüsse auf Enzyme, die an der Kollagen- und Elastinsynthese beteiligt sind. Man kann mit hoher Sicherheit sagen, dass es durch diesen Einfluss einen gewissen Dichteverlust in der Dermis gibt. Der oxidative Stress führt zu Zellschädigungen", sagt der Schweizer Dermatologe Dr. Felix Bertram im Gespräch mit ntv.de. Durch das blaue Licht entstehen also viele freie Radikale, die zu Falten, schlaffen Gesichtspartien und Pigmentstörungen führen können. Weiterhin wird die natürliche Hautbarriere geschwächt, sodass es leichter zu Hautreizungen und Rötungen kommen kann. Erste Studien zum Thema Digital Aging haben bereits solche Effekte nachgewiesen. Langzeitstudien fehlen jedoch.

Wer außerdem abends Probleme mit dem Einschlafen hat, reagiert unter Umständen empfindlich auf das blaue Licht: "Blue Light simuliert Tageslicht und das kann dazu führen, dass der Körper im Tagesrhythmus bleibt", sagt Bertram. Das betreffe vor allem jene Menschen, die abends sehr viel Zeit an technischen Geräten verbringen und ohnehin einen leichten Schlaf haben. Wissenschaftlich gesehen konnte der Einfluss auf den Schlaf-Wach-Rhythmus bisher jedoch nicht ausreichend nachgewiesen werden. Lediglich eine finnische Metanalyse aus dem Jahr 2018 hat gezeigt, dass die Melatoninproduktion gehemmt wird, wenn sich die Teilnehmer zwei Stunden lang blauem Licht ausgesetzt hatten. Jedoch hielt der Effekt nur 15 Minuten lang an. Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass Blue Light die Entstehung von altersbedingter Makuladegeneration fördern kann. Das zeigt zumindest eine Studie des Pariser Instituts für Gesundheit und Medizinforschung. Jedoch wurde die Untersuchung lediglich an Ratten durchgeführt.

Antioxidantien schützen

Bertram rät den Menschen, deren Haut durch Bildschirmarbeit oder Smartphone-Nutzung besonders häufig und langandauernd blauem Licht ausgesetzt ist, zu Seren und Cremes mit Antioxidantien. "Das hilft nicht nur gegen die Blue-Light-Belastung, sondern auch gegen den oxidativen Stress, der ein wesentlicher Faktor für die Hautalterung ist", erklärt er. Er hat dazu seine eigene Kosmetiklinie viliv entwickelt. Sie schützt die Hautzellen vor Umweltgiften wie Feinstaub sowie Infrarotstrahlung und Blue Light. Gleichzeitig werden die Kollagen- und Elastinproduktion angeregt.

Doch Antioxidantien lassen sich nicht nur auftragen, sondern auch essen und trinken. Besonders viele sind in Spinat, Blaubeeren, Avocados, Zitrusfrüchten oder Brokkoli enthalten. Aber auch alle anderen Obst- und Gemüsesorten, Grüntee sowie Nüsse (roh) wirken gegen die schädlichen Auswirkungen von blauem Licht. Zudem tut man seiner Gesundheit etwas Gutes, denn Antioxidantien sind echte Radikalfänger und wirken entzündungshemmend.

Blue-Light-Schutz auch mit Nachtmodus oder Schutzfolie

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, damit das blaue Licht Haut weniger schädigt. Viele technische Geräte besitzen bereits einen sogenannten Nachtmodus. Für Android-Smartphones gibt es dazu kostenlose Apps wie "Night Screen", iPhone-Nutzer können einfach "Night Shift" in den Einstellungen unter "Anzeige und Helligkeit" aktivieren. Weiterhin besitzen Computer mit Windows 10 die Funktion "Nachtmodus", bei älteren Windows-Betriebssystemen kann der Nachtmodus mit dem Open-Source-Programm "LightBulb" angeschaltet werden. Mac-User laden das Gratis-Programm "f.lux" für den Blaulichtfilter herunter. Der Bildschirm erscheint mit den Nachtmodus-Einstellungen häufig etwas gelblicher. Wem das unangenehm ist, dem rät der Hautarzt davon ab: "Wenn die Augen den ganzen Tag angestrengt sind, ist das nicht förderlich. Der Bildschirm sollte adäquat ausgeleuchtet sein. Deswegen muss man nicht den ganzen Tag Blue-Light-Filter verwenden und nachher hat man seine Augen geschwächt oder geschädigt", warnt er.

Es gibt glücklicherweise Alternativen, die keine gelbliche Färbung des Bildschirms und somit ein eingeschränktes Nutzungserlebnis zur Folge haben. Dazu gehören Schutzfolien mit Blaulichtfilter für Smartphones, Tablets und Computer, die ebenso eingesetzt werden können.

Quelle: ntv.de