Unterhaltung

Stars for free - fast Aus dem Wohnzimmer ins Wohnzimmer

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Bestes Konzert! John Legend beginnt mit Stevie Wonder!

Stars sind nicht nur deswegen Stars, weil sie uns unterhalten, sondern weil sie uns auch etwas zu sagen haben, das wir ernst nehmen wollen. Und so nutzen sie ihre Plattformen nun, um uns aus ihren Wohnzimmern zu entertainen - oder auch zu mahnen.

Alle Konzerte fallen gerade aus oder werden verschoben. Das muss man jetzt so hinnehmen, aber es macht auch ratlos. Ratlos, weil wir unsere Stars auf der Bühne nicht sehen können, und ratlos auch, weil viele Künstler selbst sich fragen, wie sie überleben sollen. Sicher, wenn James Blunt in der leeren Elbphilharmonie spielt oder Chris Martin jammt ("Ich bin in den nächsten dreißig Minuten für euch da!") oder John Legend aus dem schicken Wohnzimmer am Klavier klimpert, während die noch schickere Gattin sich im Hintergrund räkelt (und John selbst keine Hosen am Klavier trägt, wie er verrät), dann müssen diese drei jetzt nicht direkt ums Überleben kämpfen. Sie werden die nächsten Monate und Verdienstausfälle verschmerzen. Schön, dass sie trotzdem dabei sind, uns zu unterhalten in diesen Zeiten, in denen Unterhaltung doch so wichtig ist. Für die Künstler, die kein sattes Polster haben, das sie durch die harten Zeiten tragen wird (sorry, Udo, kleine Anleihe), sind die Streamingauftritte eine neue Art, sich finanziell wenigstens annähernd über Wasser zu halten. Der weltumspannende Hashtag zu der Aktion lautet #togetherathome.

Diese Art von Konzert oder Auftritt wird uns in den nächsten Zeiten nun also öfter begegnen. Sicher, eine Big Band wird nicht dabei sein, und auch die Philharmoniker werden nicht als Ganzes auftreten können, aber wir haben die Möglichkeit, Künstlern und Künstlerinnen zu lauschen und nebenbei noch zu erfahren, ob es bei denen wie bei Hempels unterm Sofa aussieht. Denn sie können ja auch nicht raus. Wir werden also trotz der Distanz irgendwie zusammen sein (schöne Grüße an Fanta 4 und Clueso) und eine neue Art von Gemeinschaft erleben, wie wir sie vorher vielleicht noch nicht erlebt haben. Und ganz nebenbei ist das eine prima Möglichkeit, ein bisschen Geld in die Kasse zu bringen.

Wir haben es mit Künstlern zu tun, die beweisen wollen, dass sie auch in den schlechteren Zeiten nicht einfach von der Bildfläche verschwinden, und so mahnen dann auch Urgesteine des Rock- und Pop-Business und überlegen sich, wie wir einen Zerfall der Gesellschaft, gar der ganzen Welt, verhindern können. Leslie Mandoki zum Beispiel, der mit seinem Rundumschlag für Aufmerksamkeit sorgt: "Helden sind all die, die jetzt die öffentliche Ordnung aufrechterhalten und im Gesundheitswesen Leben retten und Zuversicht spenden. All die Menschen, die mit ihrem Arbeitseinsatz die eigene und sogar die Gesundheit ihrer Familien riskieren, um unsere Versorgung zu sichern, sei es im Supermarkt oder bei der Müllabfuhr." Und er fährt fort: "Die Streifenpolizisten, die Krankenschwestern, die Arzthelferinnen, die Busfahrer. Sie alle können sich nicht in ein Homeoffice zurückziehen. Das sind die meist völlig unterbezahlten Helden dieser Tage. (...) Aber die Feinde unserer Gemeinschaft sind die Spekulanten, die sich zu gerne Investmentbanker nennen, wobei ihr Handeln weder mit Investments noch mit dem klassischen Verständnis des Berufs des Bankers etwas zu tun hat, weil sie unserer Gesellschaft massive Schäden zufügen." Upps, das sitzt. Und es lohnt sich, Mandokis Statement bis zum Schluss anzuhören.

Streamingfestival am Sonntag!

Aber zurück zu den Wohnzimmerkonzerten, wer macht mit: Die ersten, die bewiesen haben, dass das geht, ist die Band "Das Lumpenpack". Das Ganze war kostenfrei, über Spenden ist man aber mehr als froh. Phänomenale 140.000 Euro kamen bei diesem "Event" zusammen, die die Band nicht nur für sich behalten will, sondern auch an Kollegen abgeben möchte. Wie der Deutschlandfunk Nova berichtet, hat das Kölner Veranstaltungsmagazin "rausgegangen.de" die Plattform "dringeblieben.de" gegründet. Dort werden verschiedene Konzerte angeboten, und man freut sich über Beiträge von fünf bis zwanzig Euro. 

Es wird Streamingfestivals geben! Ja, weil alle anderen Festivals abgesagt wurden oder noch abgesagt werden. Auch Lesungen gibt es: Ärzte-Drummer und Autor Bela B beispielsweise gab bekannt, dass sein Verlag Lesungen streamen wird. Außerdem soll am Sonntag von 18 bis 22 Uhr ein Streamingfestival unter #wirbleibenzuhause stattfinden, das vom Bundesgesundheitsministerium ins Leben gerufen wurde. Dort treten dann Lotte und Max Giesinger auf, Mathea, Michael Schulte, Nicos Santos, Alvaro Soler, Lea und Johannes Oerding.

Und unter "unitedwestream.de" können wir dann nahtlos übergehen in die Nacht: Aus Berliner Clubs hören und sehen wir DJs, die für uns auflegen, und dann können wir sogar zusammen mit unseren Freunden per Splitscreen richtig Party machen. Also "richtig" im Sinne von "Party in den Zeiten von Corona". Trotzdem viel Spaß!

Quelle: ntv.de