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Das Werk eines Serienmörders? Die Kommissare Fellner (Adele Neuhauser, r.) und Eisner (Harald Krassnitzer) haben da so ihre Zweifel.
Das Werk eines Serienmörders? Die Kommissare Fellner (Adele Neuhauser, r.) und Eisner (Harald Krassnitzer) haben da so ihre Zweifel.(Foto: ARD Degeto/ORF/E&A Film/Hubert M)
Samstag, 13. Januar 2018

"Tatort" aus Wien: Kein Ponyhof für Serienmörder

Von Julian Vetten

Menschen an orthodoxe Kreuze nageln oder sie samt Judas-Zitat und Opfermünzen in öffentlichen Toiletten aufzuknüpfen, das muss man sich erstmal ausdenken. Schön blöd, wenn das Urteil der Kommissare dann lediglich lautet: "Bisschen zu überladen!"

Serienmörder haben es in Krimis echt nicht leicht. Auf immer ausgefallenere Arten müssen sie ihre Opfer um die Ecke bringen, um beim Buhlen um die Gunst der Zuschauer aus der Masse der Mitmörder herauszustechen. Um auf Nummer sicher zu gehen reichen aber brutale Morde schon lange nicht mehr, auch ein übergeordnetes Thema sollte erkennbar sein, zum Beispiel Religion: Der Mörder könnte seine Opfer an ein orthodoxes Kreuz nageln oder sie in einer öffentlichen Toilette aufknüpfen, stilsicher mit zugehörigem Judas-Zitat und Opfermünzen. Das reicht immer noch nicht? Wie wäre es denn, wenn die Opfer obendrein noch penetriert würden? Vor Triebtätern hat schließlich jeder Angst.

Das Problem: Zu viel des Schlechten ist auch nicht gut, dafür hat nicht nur das Publikum vor den Fernsehgeräten ein feines Gespür entwickelt. "Bisschen zu überladen", urteilt auch Kommissar Eisner (Harald Krassnitzer) über das Profil des vermeintlichen Serienmörders, dem er zusammen mit Kollegin Fellner (Adele Neuhauser) das Handwerk legen soll. Der Täter war schlicht zu bemüht bei der Inszenierung seiner Taten, die Trieb-Serien-Nummer nehmen ihm die Ermittler schnell nicht mehr ab. Hinter der Mordserie in Wien muss etwas anderes stecken. "Und deshalb suchen wir jetzt nicht den Täter, sondern die Opfer", sagt Eisner.

Tatsächlich hebt "Faust" seine Handlung im Anschluss auf die geopolitische Bühne, CIA, "die Russen" und osteuropäische Berufsrevolutionäre sollen eine Rolle spielen. Der Twist weg vom Serienmord ist angenehm. Noch schöner ist, dass er das abgelutschte Thema damit auf herrlich ironische Weise an den Pranger stellt. Und dass Eisner und Fellner im Ausgleich dafür mit bemüht witzigen Sprüchen hinter dem Berg halten und sich stattdessen auf ihr (gutes) Spiel beschränken ist eine echte Wohltat.

Doch das Leben ist kein Ponyhof, Serienmörder hin oder her. Und so schafft es der Wiener "Tatort" leider nicht, die selbst gesteckten Erwartungen in Gänze zu erfüllen. Stattdessen ist der Plot ab einem gewissen Zeitpunkt arg konstruiert: "Warum war die Frau, die vermutlich Nataliya Lomotschenka heißt und aus Litauen stammt, 2004 in Kiew? Was hat unsere erste Leiche mit dem gefälschten italienischen Pass mit Belgrad zu tun? Und wie passt der Gehenkte dazu", fragt sich Kommissarin Fellner irgendwann. Die Antwort entnehmen wir einem Zitat des Kollegen Eisner von anderer Stelle: "Bisschen zu überladen."

Quelle: n-tv.de