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Bremer "Tatort" um Ökoterrorismus Mörderische Umweltschützer

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Retten einen der Terroristen vor einem wütenden Mob: Lürsen und Stedefreund.

(Foto: Radio Bremen/ARD Degeto/Svenja v)

Wer auf der Suche nach einer sicheren Einschlafhilfe ist, fährt mit den Fällen des Bremer Ermittlerteams in der Regel richtig. Diesmal allerdings nicht: In "Der hundertste Affe" zeigen Lürsen und Stedefreund, was wirklich in ihnen steckt.

Um 16.59 Uhr machen Ökoterroristen in der Bremer Innenstadt ihre Drohung wahr und verseuchen das Trinkwasser der Stadt mit einem tödlichen Düngemittel. 18 Menschen sterben qualvoll, bevor die Stadtwerke die Wasserversorgung unterbrechen und die Bevölkerung evakuieren können. Das Schlimmste dabei: Obwohl die Behörden von dem Anschlag wussten, wurde die Bevölkerung vorab nicht gewarnt - um eine Panik zu vermeiden. "Wir haben es verbockt", presst Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) fassungslos hervor, die zusammen mit ihrem Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) die skrupellosen Täter nicht rechtzeitig fassen konnte.

Der Bremer Rundfunk fährt im neuen "Tatort" aus der Hansestadt die ganz großen Geschütze auf und scheut sich auch nicht davor, die Folgen der Drohungen filmisch umzusetzen, die in den allermeisten Thrillern und Krimis in letzter Sekunde verhindert werden können. Für den Zuschauer ist die Konsequenz von Drehbuchautor Christian Jeltsch ein Glücksfall: "Der hundertste Affe" kommt deutlich spannender daher als ein Gros der sonst häufig so ermüdenden Bremer Fälle.

Das liegt zu einem großen Teil daran, dass sich Regisseur Florian Baxmeyer vieles bei US-amerikanischen Vorbildern wie "24" abgeguckt hat. Entfesselte Kamerafahrten, intensive Zooms und sparsam, aber effektiv eingesetzte Zeitlupen verleihen der Terroristenhatz eine packende Dynamik, während markante Charaktere wie der eiskalte Leiter des Krisenstabs (Barnaby Metschurat) und die stahlharte und eigenbrötlerische BKA-Ermittlerin Linda Selb (Luise Wolfram) dafür sorgen, dass "Der hundertste Affe" im Gedächtnis hängen bleibt.

Allein die Story wirkt streckenweise seltsam bemüht: Zwar ist die Geschichte um einen Biotechnologiekonzern, der mit seinen teuren und hochgiftigen Düngemitteln Dritte-Welt-Länder in den finanziellen Ruin treibt und gleichzeitig den Tod vieler Menschen in Kauf nimmt, durchaus schlüssig - Monsanto und Konsorten lassen grüßen. Auch die Tatsache, dass sich desillusionierte und radikalisierte Umweltschützer im Kampf gegen ebendiesen Konzern ausgerechnet die unschuldige deutsche Bevölkerung als Ziel ihrer Rache vornehmen, kann man unter Umständen noch akzeptieren - dass sich am Ende aber alles als der blutige Schlussakt einer verkorksten Vater-Tochter-Beziehung herausstellt, ist dann doch des Guten etwas zu viel.

Wer die Aufgeregtheit der leicht überambitionierten Rahmenhandlung übersehen kann, fährt mit dem neuesten Fall von Lürsen und Stedefreund trotzdem überdurchschnittlich gut. Das liegt zur Abwechslung auch einmal an der Leistung der beiden Schauspieler: Lürsen kommt viel weniger spröde daher als sonst, während Stedefreund der ebenso hübschen wie staubtrockenen BKA-Kollegin hinterhersteigt und erstaunlicherweise erst dadurch so etwas wie ein Profil gewinnt. Und am Ende, so viel sei verraten, dürfen die beiden Kommissare dann doch noch mit dem Gefühl ins Bett gehen, doch nicht alles verbockt zu haben. Den meisten Zuschauern dürfte dasselbe durch den Kopf gehen, wenn sie darüber nachdenken, wie sie ihren Pfingstmontagabend verbracht haben.

Quelle: ntv.de