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"Ein Mann muss ein Mann sein" Wie Giorgio Armani Schwule verprellt

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Was Armani (Mitte) sagen würde, wenn man ihn um einen Modetipp bittet? Vielleicht: "Kleiden Sie sich hetero!"

Giorgio Armani hat einen festen Platz am Modehimmel. Mit seinen jüngsten Äußerungen riskiert der Designer jedoch, nicht für schicke Fummel, sondern für homophobe Äußerungen in Erinnerung zu bleiben. Er findet: Schwule sollen sich nicht so "schwul" anziehen.

Erst denken, dann reden - den klassisch elterlichen Rat hätte sich Giorgio Armani mal besser zu Herzen genommen. In einem Interview mit "The Sunday Times Magazine" äußert der Designer mehr als seltsame Vorstellungen darüber, wie ein Mann sich seiner Meinung nach zu kleiden hat. Im Fadenkreuz seiner Kritik: Schwule.

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Sehen Sie hier eine besonders heterosexuelle Kreation des Designers Giorgio Armani.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Ein homosexueller Mann ist zu 100 Prozent ein Mann", stellte Armani fest. Jedenfalls hinsichtlich des biologischen Geschlechts der Betreffenden bewegt er sich mit dieser Aussage noch in recht sicheren Sphären. Allerdings wollte der 80-Jährige es dabei nicht belassen.

Ein Schwuler müsse sich nicht auch noch "schwul" anziehen. Er fuhr fort: "Wenn Homosexualität in extremer Weise dargestellt wird - sagen wir 'Ach, weißt du, ich bin schwul', dann hat das mit mir nichts zu tun. Ein Mann muss ein Mann sein."

Wer darf was tragen?

Ob sich ein Mann, der sich nicht "schwul" kleiden soll, stattdessen nun besser ein heterosexuelles Outfit zulegt? Offenbar lässt Armani an dieser Stelle nur seine eigene Definition von Maskulinität zu. Anders lässt es sich kaum erklären, dass die aktuelle Unterwäschekollektion seines Labels für Männer eine spannende Slip-Tanga-Kreuzung mit viel Pobacken-Freiheit bereithält.

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Auch dieses Armani-Design garantiert Hetero-Optik.

(Foto: AP)

Selbstverständlich gibt es Kleidung, die Genderstereotypen bedient: Kittelschürzen für die Frau am Herd, Holzfällerhemden für den Mann im Wald. Dass eine derart rückwärtsgewandte Verkostümierung eigentlich nicht im Interesse des Designers sein kann, liegt auf der Hand.

Es ist das leichteste Kunststück der Mode, mit bekannten Bildern und Elementen zu spielen und sie in einen neuen Kontext zu rücken. So entstehen Trends. Deswegen gibt es geblümte Hemden in Damen- und Herrenschnitten, die ganz unabhängig von der sexuellen Orientierung sitzen und schön aussehen - Gleiches gilt übrigens für Budapester-Schuhe.

Und deswegen gibt es auch Armanis Mode. Nippel-Cut-Outs, Netzhemden, Oberkörperketten und Lederschläppchen für Männer sind dem ach so maskulinen Designer nämlich sehr wohl vertraut.

"Benimm dich nicht wie eine Schwuchtel"

Für sein konfuses Gebrabbel wurde Armani in Sozialen Netzwerken umgehend abgestraft. "Ich wollte mich noch nie so 'zu schwul' kleiden wie jetzt", schreibt ein Nutzer auf Twitter. "Bitte schicke mir ein 'zu schwules' Beispiel, Giorgio Armani, und ich setze es in Szene."

"Ich wusste nicht, dass es eine schwule Kleiderordnung gibt?", wirft ein anderer Twitter-Nutzer ein. Einer legt Armani zum bösen Scherz folgende Worte in den Mund: "Ja, klar kannst du schwul sein, aber benimm dich nicht wie eine Schwuchtel." Und wieder einer stellt die berechtigte Frage: "Was, denken diese schwulen Modedesigner eigentlich, wer ihre Kunden sind???"

Ja, was ist denn los mit der eigentlich so liberalen Modeindustrie, in der Homosexualität und verschwimmende Geschlechtergrenzen doch eigentlich seit Jahren kein Thema mehr zu sein scheinen? Erst im vergangenen Monat musste das Designer-Duo von "Dolce & Gabbana" ordentlich Kritik einstecken, nachdem es sich für ein "traditionelles" Familienkonzept und gegen das Adoptionsrecht homosexueller Paare ausgesprochen hatte.

#BoycottDolceGabbana

Domenico Dolce sagte damals auch, Kinder, die durch künstliche Befruchtung gezeugt werden, seien "Kinder der Chemie, synthetische Kinder". Sein Kollege Stefano Gabbana stimmte zu. Elton John rief das Hashtag #BoycottDolceGabbana ins Leben. Seine zwei Söhne, die er gemeinsam mit seinem Ehemann David Furnish hat, wurden in vitro gezeugt. Unzählige schlossen sich dem Protest des Sängers an.

Wer die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit genießt, darf seine Privatmeinung immer äußern. Doch er braucht sich nicht wundern, wenn widersprüchliche Argumente in der Luft zerrissen werden. Noch viel weniger wundern sollte er sich, wenn er die verrät, für deren Rechte er sich doch eigentlich starkmachen sollte. Domenico Dolce und Stefano Gabbana sind schwul. Giorgio Armani macht ebenfalls keinen Hehl aus seiner sexuellen Orientierung, wenngleich er sich ein offizielles Statement spart.

Abgesehen von ihren romantischen Interessen sind alle drei Designer als konservativ bekannt - ob sie tatsächlich so denken oder ihre Mode nur weiterhin klug am asiatischen Markt platzieren wollen, sei mal dahingestellt. Diejenigen, die in den Männern gern Posterboys der Schwulenbewegung gesehen hätten, sind leider einfach einem Irrtum aufgesessen.

Quelle: ntv.de

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